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Der VW-Spitze droht Tag der Abrechnung

Vor der Hauptversammlung in Hannover Der VW-Spitze droht Tag der Abrechnung

Vor der Hauptversammlung von Volkswagen auf dem hannoverschen Messegelände am Mittwoch geraten Vorstand und Aufsichtsrat immer stärker unter Druck. Am Dienstag wurde bekannt, dass die Finanzaufsicht Bafin im Abgas-Skandal offenbar den gesamten Konzernvorstand der Kapitalmarktmanipulation bezichtigt. 

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Die Finanzaufsicht hat offenbar den kompletten Konzernvorstand angezeigt.

Quelle: dpa

Hannover. Die Bafin hat nach Informationen von „Spiegel Online“ bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig alle zehn Vorstandsmitglieder angezeigt, die in der Verantwortung standen, als die Affäre bekannt wurde. Dazu gehörten auch der heutige Vorstandschef Matthias Müller und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch.

Die Staatsanwälte ermitteln bisher gegen den früheren Konzernchef Martin Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess. Die Zahl der Beschuldigten sei jedoch nicht in Stein gemeißelt, sagte ein Sprecher der Behörde. Sie könne sich jederzeit erhöhen oder verringern. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht, VW könnte über die finanziellen Folgen des Abgas-Skandals zu spät informiert haben. Der Konzern hatte bereits Anfang September 2015 gegenüber amerikanischen Behörden zugegeben, Dieselfahrzeuge mit einer Manipulationssoftware ausgestattet zu haben. Die Öffentlichkeit erfuhr davon jedoch erst am 18. September durch die US-Umweltbehörden – was den VW-Aktienkurs abstürzen ließ. Für die Pflichtmitteilung über milliardenschwere Rückstellungen allein für die Rückrufaktion brauchte Volkswagen weitere vier Tage.

Aktionärsvereinigungen wollen Aufklärung...

Der Verdacht der Aufsichtsbehörde und der Staatsanwaltschaft bringt Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung noch weiter in die Defensive. Viele VW-Aktionäre hegen den gleichen Verdacht, diverse Sammelklagen in Milliardenhöhe sind bereits anhängig.

Beide großen Aktionärsvereinigungen haben durchgesetzt, dass über die Einsetzung eines unabhängigen Sonderprüfers entschieden werden muss. Die von VW engagierten Ermittler arbeiteten zwar unabhängig – ob jedoch alle Ergebnisse auch ans Licht kämen, sei unsicher, argumentieren sie.

...doch das Sagen haben Andere

Hinzu kommen rund 20 Gegenanträge von Aktionären. Anleger fordern, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Erfolg dürfte den Initiativen nicht beschieden sein. Die meisten der mehr als 3000 in Hannover erwarteten Anleger halten nur stimmrechtslose Vorzugsaktien. Das Sagen in dem Konzern haben die Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar.

Sie stehen bisher hinter dem VW-Vorstand. Gleichwohl rechnen auch sie mit einem Tag der Abrechnung. Denn Volkswagen wird den Anlegern nicht einmal die letzten Details der eigenen Ermittlungen vorlegen können – weil in den Vereinigten Staaten noch der endgültige Vergleich mit Klägern und Behörden aussteht.

Zweifel an Zukunft der Dieseltechnik

VW-Chef Matthias Müller geht nach dem Abgas-Skandal auf Distanz zur Dieseltechnologie. Die CO2-Vorgaben der Europäischen Union zeigten schon heute, „dass die Abgasreinigung beim Diesel enorm teuer und aufwendig wird. Gleichzeitig wird die Elektromobilität preiswerter“, sagte der Manager dem „Handelsblatt“.

Vor diesem Hintergrund werde sich die Frage stellen, ob „ab einem gewissen Zeitpunkt“ noch große finanzielle Mittel in die Weiterentwicklung des Diesels gesteckt werden sollten. Dieselmodelle seien aber bei deutschen und europäischen Kunden „unverändert sehr beliebt“. Moderne Diesel seien verbrauchsarm und sauber.

Der Dieselanteil liegt in Deutschland bei den Neuzulassungen bei 46 Prozent. Auf die Frage, ob der Abschied vom Verbrennungsmotor an die Energiewende bei Eon und RWE erinnere – mit dem Aus für die Nukleartechnik und der Schrumpfung bei Gas und Kohle –, sagte Müller: „Ein durchaus passender Vergleich.“

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Konzernchef Müller

Bei Volkswagen wird derzeit vieles auf den Prüfstand gestellt, nun sogar der Dieselmotor: VW-Chef Matthias Müller hat die Zukunft des Selbstzünders in Frage gestellt. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte er.

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