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Niedersachsen Dicke Luft zwischen VW und Landesregierung
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21:29 11.03.2016
Dunkle Wolken über dem VW-Logo am Werk in Wolfsburg. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Im Zusammenhang mit dem Stellenabbau bei Volkswagen zeichnet sich eine Verstimmung zwischen dem Land Niedersachsen als zweitgrößtem Anteilseigner und dem Autobauer ab. Wirtschaftsminister Olaf Lies, der wie Ministerpräsident Stephan Weil imVW-Aufsichtsrat sitzt, ließ am Freitag über seinen Sprecher erklären: „Der Minister ist sehr verärgert über die Kommunikation bei VW; da werden spekulativ Zahlen in die Welt gesetzt, die offiziell nicht kommuniziert wurden.“

Lies war am Vorabend von der Opposition im niedersächsischen Landtag scharf attackiert worden, weil dem SPD-Politiker der geplante Abbau Tausender Stellen bei Volkswagen nicht bekannt war. Der Minister hatte zunächst eine Kenntnis entsprechender Berichte verneint, wonach unter den VW-Mitarbeitern im Haustarif in den Büros außerhalb der Produktion bis Ende 2017 jeder zehnte Job wegfallen soll.

Lies hatte mehrere Gespräche mit der VW-Spitze, ohne eine Bestätigung der Informationen zu bekommen, über die unter anderem die HAZ berichtet hatte. „Volkswagen – und ausdrücklich der Markenvorstand – hat nicht nur Verantwortung für die Rendite, sondern auch für die Mitarbeiter“, sagte Lies’ Sprecher. Auch Regierungschef Weil äußerte Kritik. „Der Landesregierung liegen keinerlei Pläne in dieser Hinsicht bei VW vor“, ließ er erklären.

Absatz schrumpft: Gesunkene Verkaufszahlen der Kernmarke haben dem gesamten Volkswagen-Konzern im Februar ein Absatz-Minus eingebrockt. Die Verkäufe sanken im Jahresvergleich um 1,2 Prozent auf 693300 Fahrzeuge, wie das Unternehmen mitteilte. Im Januar waren sie noch um 3,7 Prozent geklettert. Unter den Konzernmarken hat nur VW Pkw ein schlechteres Verkaufsergebnis erzielt. Besonders der Absatzrückgang in China setzte der Kernmarke zu – bedingt durch ein vergleichsweise frühes Neujahrsfest. Auf Jahressicht liegt der Konzern 1,4 Prozent im Plus.

Rekorde bei Porsche: Die VW-Tochter Porsche hat das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte hinter sich, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Um je ein Viertel stiegen der Umsatz (auf 21,5 Milliarden Euro) und das operative Ergebnis (3,4 Milliarden Euro). Die Umsatzrendite blieb mit 16 Prozent hoch. Ein Großteil des Nachsteuer-Gewinns von 2,3 Milliarden Euro fließt ab, und zwar 1,9 Milliarden Euro – davon landen 1,7Milliarden Euro in Wolfsburg.

MAN schwächelt: Von seiner Lastwagen-Tochter kann VW derzeit kaum finanzielle Unterstützung erwarten. Der Konjunktureinbruch in Brasilien und der Unternehmensumbau haben den Gewinn 2015 um 45 Prozent auf 140 Millionen Euro einbrechen lassen, wie MAN mitteilte. Der Umsatz schrumpfte um 4Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Auch im laufenden Jahr erwartet MAN keine spürbare Erholung im Lkw-Geschäft.

Von Ralf Krüger

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