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Niedersachsen Neue Dosenabfüllanlage für die Gilde
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00:16 22.02.2016
Von Bernd Haase
Der Transport der Dosenabfüllanlage durch das geöffnete Dach des Produktionsgebäudes war Maßarbeit.Fotos: Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Im Dach des Produktionsbereichs der Gilde-Brauerei in Hannover klaffte am Donnerstag ein Loch. Es handelte sich dabei nicht um einen Bauschaden, sondern um eine logistische Notwendigkeit. „Wir mussten das Dach öffnen, um mit einem Kran das Herzstück der neuen Dosenabfüllanlage einzubringen“, sagt Dietmar Würzinger, technischer Leiter der Brauerei.

Bei der Gilde wird investiert

Der stählerne Kaventsmann wiegt zwölf Tonnen und war, als er am Haken über dem Gebäude schwebte, weithin sichtbares Zeichen dafür, dass bei der Gilde wieder investiert wird. Die Brauerei hatte letztmals vor 15 Jahren Bier in Dosen abgefüllt, und das auch nur in bescheidenem Maßstab.

Mit dem zu Beginn des Jahres vollzogenen Eigentümerwechsel der Gilde vom Riesenkonzern AB Inbev zur TCB Beteiligungsgesellschaft aus Frankfurt (Oder) weht in der Südstadt ein neuer Wind - und zwar ziemlich schnell. Die Brauerei kann laut Würzinger bis zu zwei Millionen Hektoliter Bier im Jahr produzieren, lag unter der Regie von AB Inbev zum Schluss aber nur noch bei kümmerlichen 150 000 Hektolitern. TCB-Gesellschafter Mike Gärtner will den Ausstoß zügig steigern und hatte das dafür nötige Investitionsvolumen auf mehr als 10 Millionen Euro beziffert.

Dosenabfüllanlage soll im März in Betrieb gehen

Auf die Dosenabfüllanlage entfällt nun mit 2 Millionen Euro die erste größere Tranche. „Sie soll im März in Betrieb gehen und kann dann 60 000 Dosen in der Stunde bestücken. Sowohl die Halbliter- als auch die Drittelliter-Version sind möglich“, sagt Würzinger. Gemeinsam mit der dazugehörigen Verpackungsmaschine sei die Anlage eine der besten und modernsten in Norddeutschland.

Im Auge haben die Bierbrauer dabei auch den internationalen Markt. „Anders als in Deutschland hat Dosenbier weltweit einen Marktanteil von 20 Prozent, verzeichnet Zuwachsraten und ist Umsatzträger Nummer eins“, sagt Holger Bock, Geschäftsführer der Gilde-Vertriebsgesellschaft.

Der Blick richtet sich nach China

Der Blick richtet sich vor allem nach China, wo TCB schon mit seiner Dresdner Marke Feldschlösschen recht erfolgreich unterwegs ist. Bald sollen die Chinesen auch Gilde-Bier trinken. Im Reich der Mitte sind zwar noch andere deutsche Großbrauereien vertreten, produzieren aber vor Ort. Die Hannoveraner gehen einen anderen Weg und setzen auf den guten Ruf von original „German Beer“ auch in Asien. „Wir arbeiten mit ausgewählten Importeuren zusammen und bringen unser Bier in guter deutscher Qualität auf den Markt. Damit hat TCB in China ein Alleinstellungsmerkmal“, erläutert Bock die Strategie.

Nur mit dem Exportgeschäft wäre die neue Abfüllanlage allerdings nicht ausgelastet. Sie wird deshalb auch Handelsmarken für Supermarktketten wie Rewe und Edeka abfüllen. Fest steht ferner, dass auf dem heimischen Markt die Marke Gilde Pilsener demnächst wieder in der Dose zu haben sein wird. Ob auch Lindener Pilsener abgefüllt wird, sei noch nicht entschieden.

Gilde-Internetpräsenz wird überarbeitet

Noch eine andere Baustelle hat die Gilde - ihre Internetpräsenz wird derzeit überarbeitet. Hintergrund ist ein für März geplanter Markenrelaunch, auf den es beim Gastronomenball „Festival der Sinne“ einen kleinen Vorgeschmack gab. Schriftzüge, Logos und Flaschendesign ihrer drei Traditionsmarken lassen die neuen Besitzer überarbeiten. Ansatz dabei: Gilde Ratskeller soll Edelmarke werden, Gilde Pilsener jung und frisch wirken. Lindener Pilsener läuft dann als „Kultbier“.

Efes kommt bald
auch aus Hannover

Der Auftrag ist zwar mit 3000 Hektolitern Jahresvolumen eher klein, aber der Auftraggeber hat einen bekannten Namen. In diesen Tagen beginnt bei der Gilde die Produktion für den
elftgrößten Bierkonzern der Welt, die türkische Efes-Brauerei. „Wir haben Hannover wegen der zentralen Lage zwischen unseren Standorten in Köln und Berlin ausgewählt. Außerdem ist die Gilde in der Lage, verschiedene Verpackungen wie Dosen, Flaschen in unterschiedlichen Gebinden und
Fässer abzufüllen“, sagt Thomas
Molthan, verantwortlich für das Deutschland-Geschäft des Konzerns.
Die bekannteste Marke ist Efes Pilsen, das mit Abstand meistproduzierte Bier in der Türkei. Es ist in insgesamt 70 Ländern weltweit erhältlich. Der Konzern besitzt 16 Brauereien, aber keine in Deutschland. Hierzulande
 erteilt er Lohnbrauaufträge – wie jetzt an die Gilde.     

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