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Niedersachsen Die Herausforderer aus Hameln
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00:20 11.08.2015
Von Lars Ruzic
Auf Wachstumskurs: Mit Millioneninvestitionen will Xox seine Anlagen zur Snack-Produktion in Hameln kräftig erweitern.  Quelle: Eberstein
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Hameln

Schnellen Schrittes schreitet Edmund Besecke durch seine Produktionshallen. Leicht fällt das nur Eingeweihten, denn der Boden ist mit einem dünnen Ölfilm überzogen – zwangsläufige Folge des Fertigungsprozesses. Schließlich wird hier in Großanlagen extrudiert und frittiert. Während Beseckes Begleiter noch darauf konzentriert sind, nicht auszurutschen, hat der 61-Jährige schon die ersten Problemchen ausgemacht. Hier sitzen die Snacktüten nicht richtig in den Sammelpackungen, dort fehlt der Nachschub an Pappbehältern. Da greift der Chef zur Not auch selbst ein.
Seit zehn Jahren geht das nun so. Damals startete Besecke in einem Hamelner Gewerbegebiet mit einer Produktionsanlage, zwei Dutzend Beschäftigten und einer wiederbelebten Traditionsmarke namens Xox. Heute sind es acht Fertigungsstraßen und 160 Beschäftigte.

In drei Jahren soll die Kapazität doppelt so groß und die Belegschaftszahl auf 250 gestiegen sein. Die Investition von 15 Millionen Euro in die Erweiterung hat Besecke gerade angeschoben. Sie soll die Grundlage dafür bilden, den Umsatz mittelfristig auf 100 Millionen Euro zu verdoppeln. Nach dem Abschluss der Erweiterung „werden wir den anderen voraus sein“, prophezeit Besecke. „Die denken an fettige Kartoffeln und sonst nix.“

„Die anderen“ – das sind Lorenz Bahlsen und Intersnack, die Platzhirsche auf dem deutschen Snackmarkt. Mit Marken wie Chrunchips, Salzletten oder Funny-frisch und Chio Chips dominieren sie das Geschäft mit salzigen Snacks, das in Deutschland seit Jahren deutlich stärker wächst als etwa das mit Schokolade oder Keksen. In diesem Jahr liegt das Wachstum bisher bei 5,5 Prozent, gut zwei Prozentpunkte über dem Gesamtmarkt. Gerade haben die Knabberartikel Zuckerwaren wie Gummibärchen und Co. vom zweiten Platz bei den beliebtesten Leckereien der Deutschen verdrängt. Und das Potenzial ist groß, wenn man den Snackkonsum von Nachbarn wie den Niederländern zum Vergleich heranzieht. Die essen dreimal so viel Salziges wie die Deutschen.

„Von diesem wachsenden Kuchen werden wir uns immer größere Stücke holen“, sagt Vertriebschef Stefan Hund voraus. Bislang ist der Anteil der Hamelner noch vergleichsweise gering: Inter­snack ist 20-mal und Bahlsen sechsmal so groß wie Xox. „Aber wir stören schon, gar keine Frage“, sagt Besecke, der selbst schon bei beiden Konzernen gearbeitet hat. Nicht zuletzt die Einkäufer der Handelsriesen freut es, wenn sie die großen Anbieter der Branche mit der Alternative aus Hameln konfrontieren können.

Die Xox-Macher nehmen zudem für sich in Anspruch, den Innovationsstau im Markt aufgelöst zu haben. Die Großen seien bei neuen Produkten über Jahre sehr verschlafen gewesen, sagen die Hamelner. Xox dagegen könne schneller auf Trends reagieren und auch kleinere Zielgruppen bedienen.

„Mit Paprikachips brauchen wir dem Markt nicht zu kommen“, umschreibt es Hund. Stark sind die Hamelner deshalb bei Zwiebelringen, Käsebällen und Pommes-Chips. Im Angebot haben sie aber auch Krabbenchips (Krupuk) oder „Osmanische Snacks“, die Halal-zertifiziert und arabisch gewürzt sind.

Ohnehin setzen die Hamelner beim Angriff auf die Großen in erster Linie auf „ernährungsbewusstes“ Snacken. Das sei „ein Riesenthema“, meint Hund. Schon heute sei man Marktführer bei Apfelchips. Bei vegetarischen Leckereien hätten sich die Ausgaben der Verbraucher in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Allein im ersten Quartal seien die Umsätze um mehr als ein Viertel gestiegen. Deshalb gelte es, den „Veggie“-Bereich auszubauen.

Doch auch die klassischen Produkte will das Unternehmen offenbar bekömmlicher machen. Die Investitionen am Firmensitz fließen unter anderem in neue Anlagen, die mit Heißluft frittieren – was die Snacks weit weniger fettig machen wird. Ins Detail wollen die beiden Geschäftsführer noch nicht gehen, um ihren Vorsprung nicht zu gefährden.
Die neuen Anlagen werden den
Eigenproduktionsanteil noch einmal steigen lassen. Schon fertigt Hameln gut 70 Prozent des Umsatzes selbst. Vor allem Kessel- und Apfelchips kommen von externen Lieferanten. Rund um die Uhr laufen die Maschinen im unscheinbaren Gewerbegebiet Am Hastebach und produzieren 3,5 Tonnen Snacks pro Stunde. Lediglich am Wochenende steht alles still – und wird durchgewischt.

Besecke will das Unternehmen derweil zukunftsfest machen. An den 20 Jahren jüngeren Kollegen Stefan Hund hat er einen Minderheitsanteil abgegeben. „Zu viel Verantwortung lag auf mir alleine, ich will die Nachfolge regeln“, sagt Besecke. Auch seine Tochter – die 28-Jährige promoviert derzeit an der TU in München – könnte einmal ins Unternehmen einsteigen. Das jedoch sei noch „völlig offen“, sagt der Vater. Womöglich könne sie Xox später auch über einen Beirat führen. Der allerdings muss erst einmal geschaffen werden. Besecke selbst hält sich bislang nur einen „beratenden Kreis“. Über seinen Rückzug macht sich der Unternehmer noch keine Gedanken. Gleichzeitig will der gebürtige Hamelner auch nicht zu lange an seinem Stuhl kleben. „Bevor es albern wird“, sagt er, „höre ich auf.“

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