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Tui investiert in neue Expeditionsschiffe

Kreuzfahrten Tui investiert in neue Expeditionsschiffe

Die Kreuzfahrtbranche boomt. Der Reisekonzern Tui will insbesondere auch im Luxus-Segment punkten und modernisiert deshalb seine kleine, aber feine Flotille von Expeditionsschiffen. Obwohl die Neubauten noch nicht fertig sind, übertrifft die Nachfrage bereits das Angebot – trotz gesalzener Preise.

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Die Tui investiert in Expeditionschiffe: Kreuzfahrtchef Karl J. Pojer (links) und Konzernchef Friedrich Joussen rechnen mit hohen Margen.

Quelle: (c) www.photos24.de

Hannover.  Noch ist die „Hanseatic Nature“ nur ein Rumpf, erst im Oktober lässt die Tui das unfertige Schiff für den Innenausbau von Rumänien über das Mittelmeer nach Norwegen schleppen – doch schon jetzt haben sich 7109 Interessenten für die Jungfernfahrt im April 2019 vormerken lassen. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt der Chef der Kreuzfahrt-Tochter Hapag-Lloyd Cruises,  Karl J. Pojer.

Dabei ist die Route von Hamburg nach Lissabon vergleichsweise unspektakulär: Die „Hanseatic Nature“ soll eher die Extreme erkunden – wie die Antarktis oder den Amazonas. Kreuzfahrten sind für die Tui schon länger ein Ergebnistreiber,  die Expeditionsreisen könnten bald zum Turbo werden. „Das Potenzial in dem Bereich ist mehr als dreimal so hoch wie das Angebot“, sagt Pojer.

Die Marke Hapag-Lloyd steht in der „World of Tui“ für Luxus. Die „MS Europa“ und die „MS Europa 2“ sind in der Kategorie 5-Sterne-plus unterwegs – das erste traditionell mit Captains Dinner und Smoking, das Schwesterschiff legerer und ohne Krawatte, dafür mit Veranda. Komplettiert wird das exklusive Hapag-Quartett bisher durch die „Bremen“ und die „Hanseatic“, die Expeditionen mit hohem Komfort verbinden. Die Tochter Tui Cruises kreuzt mit ihrer „Mein Schiff“-Flotte im Massenmarkt, das siebte Schiff wurde gerade bestellt.

Nun expandiert die Tui auch in der Nische:  Mit der neuen „Hanseatic Nature“, der baugleichen Schwester „Hanseatic Inspiration“ und der etablierten „Bremen“ wird Hapag-Lloyd Cruises künftig mit drei eigenen Expeditionsschiffen unterwegs sein, die geleaste alte „Hanseatic“ geht zurück an ihren Besitzer. Dabei achte die Tui darauf, das Angebot richtig zu justieren, sagt Konzernchef Friedrich Joussen: „Die Knappheit ist die Mutter der guten Marge.“ Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Kreuzfahrt-Sparte ihren Umsatz um 16 Prozent auf  815 Millionen Euro gesteigert, der operative Gewinn kletterte um rund ein Drittel auf 256 Millionen Euro.

Angesichts eines so attraktiven Marktes expandieren auch die Wettbewerber: Bis 2026 sollen international fast hundert neue Schiffe vom Stapel laufen. Für das laufende Jahr rechnet der Branchenverband Clia weltweit mit rund 27 Millionen Gästen, in Deutschland wurde zuletzt die Schwelle von 2 Millionen Kunden überschritten. Noch locken Kreuzfahrten vor allem die Generation 50plus an, aber das Klientel werde jünger, heißt es. Damit änderten sich auch die Ansprüche.

„Auch im Luxus-Segment geht der Trend vom Haben zum Sein“, sagt Hapag-Lloyd-Chef Pojer. „Wir verkaufen nicht nur eine Kabine, sondern im Bereich der Expeditions-Kreuzfahrten vor allem einmalige Erlebnisse und Emotionen, die man woanders so nicht kaufen kann.“ So bieten die beiden „Hanseatic“-Neubauten gläserne Balkone für die Beobachtung von Walen und Delfinen und einen Umlauf am Bug, um die Gäste möglichst nah an die Natur heran zu bringen.

Doch die Tui zieht auch Grenzen: Hubschrauber oder kleine U-Boote für besondere Ausflüge wie bei anderen Reedereien werde es an Bord nicht geben, sagt Pojer. „Bei Reisen in die Polarregionen tragen wir die Verantwortung für Flora und Fauna.“ Eisbären oder Pinguine zu bedrängen, passe einfach nicht zum Konzept, „das sehen auch unsere Gäste so.“

An Bord der neuen „Hanseatic“-Schiffe finden in 120 Kabinen und Suiten bis zu 230 Passagiere und 170 Crew-Mitglieder Platz, es gibt drei Restaurants und zwei Lounges und eine Marina am Heck – die auch als Startpunkt für Zodiac-Schlauchboote oder Kajak-Touren in wärmeren Gewässern dient. Jedes Detail müsse passen, sagt Pojer: „Expeditionen lassen keinen Raum für Experimente.“

Die Ansprüche der Gäste seien enorm, heißt es bei Hapag-Lloyd. Sie bewegen sich damit auf dem Niveau der Preise: Eine zehntätige Expedition von Spitzbergen in Arktis kostet pro Person ab 8110 Euro aufwärts, ein 20-tägiger Turn um die Antarktis ist im günstigsten Fall für 14.890 Euro buchbar, beides inklusive An- und Abreise.  „Der Preis ist für unsere Gäste aber kein Thema“, sagt Pojer.

Von Jens Heitmann

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