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Niedersachsen Neue Aufgaben für den TÜV
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00:15 26.04.2016
Von Lars Ruzic
Die Experten des TÜV prüfen Anlagen und Geräte direkt vor Ort –  in Zukunft könnte ihnen moderne Technik manche Arbeiten abnehmen. Quelle: TÜV Nord
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Hannover

Der TÜV Nord rechnet mit einer Zeitenwende im Prüfgeschäft. „Wir sind in allen Bereichen von der Digitalisierung der Industrie betroffen und müssen uns dem stellen“, sagte Konzernchef Guido Rettig am Freitag bei der Bilanzvorlage in Hannover. Die Vernetzung von Maschinen und Anlagen, gern mit dem Schlagwort Industrie 4.0 umschrieben, werde auch deren Prüfung revolutionieren – und menschliche Arbeit zum Teil überflüssig machen.

So dürfte die Prüfung durch den Ingenieur vor Ort schon bald häufig durch Sensoren ersetzt werden. Ihre Daten werten die TÜV-Fachleute dann im heimischen Büro aus. Als Beispiel nannte Rettig etwa die Inspektion eines Windrades, auf dessen Rotor ein Fachmann bisher noch klettern müsse. Bereits heute teste man den Einsatz von Drohnen und Wärmekameras – künftig lieferten Sensoren die Informationen. In den kommenden Jahren werde der Konzern wachsende Beträge in diese Felder investieren.

200 offene Stellen beim TÜV

Dass die Digitalisierung der Prüfung mit einem Jobabbau einhergehen könnte, glaubt Rettig nicht. „Seit Jahren schieben wir 200 offene Stellen vor uns her“, erklärte der TÜV-Chef, der zum Jahresende aus dem operativen Geschäft ausscheidet. Die technische Entwicklung könne sogar helfen, Arbeitsprozesse im Haus zu behalten, die man ansonsten mangels Mannschaft abgeben müsste. Für Rettig steht außer Frage, dass am Ende jedes Prozesses ein Ingenieur stehen muss, der die Daten aus- und bewertet. Durch die Vernetzung von Maschinen und Autos könnte das Aufgabenfeld der Prüfer sogar noch wachsen. Vor 150 Jahren seien die technischen Überwachungsvereine gegründet worden, um den Menschen vor den Maschinen zu schützen. „In Zukunft werden wir immer öfter die Technik vor den Menschen schützen müssen.“

Reform der Abgasprüfung möglich

Dies gelte etwa für Hacker-Angriffe auf IT-Zentralen von Firmen oder auf teil- und später vollautomatisiert fahrende Autos. Letztere hätten bei der IT-Sicherheit „bei Weitem noch nicht den Stand, sie im Massenbetrieb fahren lassen zu können“. Unklar sei in dem Zusammenhang bis heute, wem am Ende die unzähligen Daten gehören. „Auf ungeklärten Eigentumsverhältnissen basieren inzwischen Milliardengeschäfte.“

Rettig mahnte Politik und Industrie, die Prüforganisationen in der aktuellen Entwicklungsphase der automobilen Zukunftstechnologie einzubinden. „Wir brauchen ein Umdenken in der Art und Weise der Zusammenarbeit.“ Der TÜV-Chef hatte schon im Zusammenhang mit dem VW-Abgas-Skandal kritisiert, dass die Prüfer keine Einsicht in die Software der Motorsteuerung bekommen hatten. Dies soll sich ändern. Der 62-Jährige gab sich offen für eine Reform der Abgasprüfung. Fahrzeuge auch im realen Verkehr zu testen habe der TÜV Nord schon vor Jahren gefordert. In Schweden mache man das bei Fahrzeugen mit 20 000 gefahrenen Kilometern schon lange.

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