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Niedersachsen Drei Käufer buhlen um Windwärts
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Drei Käufer buhlen um Windwärts
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22:30 31.07.2014
Von Jens Heitmann
Auf der Suche nach Perspektiven: Insolvenzverwalter Volker Römermann blickt mit einem Windwärts-Mitarbeiter auf den „Windpark Pattensen-Hiddestorf“. Quelle: Windwärts
Hannover

 „Wir wollen bis September einen unterschriftsreifen Vertrag haben.“ Nach Angaben von Teilnehmern wird Windwärts aktuell mit rund 20 Millionen Euro bewertet. Sollte sich ein Kaufpreis in dieser Höhe realisieren lassen, dürften die Genussrechteinhaber ein Drittel ihrer Einlagen zurückbekommen – die Forderungen der übrigen Gläubiger könnten dann sogar komplett erfüllt werden.

Windwärts hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Die Firma wollte im vergangenen Jahr ursprünglich 27 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 80 Megawatt errichten. Sämtliche Projekte kamen jedoch nicht voran, etwa weil Anrainer gegen die Genehmigungen klagten oder die Flugsicherung unerwartet Einwände erhob. Parallel entwickelten sich auch andere Geschäftsbereiche wie die Fotovoltaik und die Bioenergie nicht wie erhofft. Unter dem Strich schrieb man 2013 erstmals rote Zahlen.

Zur Finanzierung der Projekte hat Windwärts bei Anlegern insgesamt 19 Millionen Euro über Genussrechte eingesammelt. Ende Dezember 2013 war die Firma nicht in der Lage, die fälligen Genussrechte auszahlen. Nach Einschätzung eines juristischen Gutachters galt Windwärts damit als zahlungsunfähig.

Zur gestrigen Gläubigerversammlung hatten sich ursprünglich mehr als 500 Geldgeber angemeldet – am Ende kamen nur 168 nach Hannover. Die meisten von ihnen waren Genussrechteinhaber. Die Mehrheit der 65 anwesenden stimmberechtigten Gläubiger plädierte gestern für die Beibehaltung des vom Gericht eingesetzten Gläubigerausschusses. Die fünf Mitglieder vertreten verschiedene Gruppen von Geldgebern sowie die knapp 100 Mitarbeiter des Unternehmens. „Die Rückendeckung durch die Gläubiger ist ein wichtiges Argument in den Verhandlungen mit möglichen Investoren“, sagte Römermann.

Sollte sich Windwärts für 20 Millionen Euro verkaufen lassen, könnten nach Abzug aller Kosten rund 15 Millionen Euro zur Befriedigung der Geldgeber übrig bleiben, berichteten Versammlungsteilnehmer. Die erstrangigen Gläubiger sollen dem Vernehmen nach knapp 8 Millionen Euro erhalten – und würden damit die Insolvenz ohne Verluste überstehen.

Die Genussrechteinhaber hingegen müssen sich hinten anstellen und bekommen nur das, was am Ende übrig bleibt. In diesem Fall wären das rund 7 Millionen Euro – also etwas weniger als ein Drittel der insgesamt von ihnen angelegten Summe. Im Vergleich mit anderen Insolvenzen sei das eine „sensationelle Quote“, sagte Römermann. Im Schnitt bekämen Gläubiger nur 3 Prozent ihrer Forderungen, bei Windwärts läge sie insgesamt bei rund 50 Prozent.

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