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Niedersachsen Aus Ökostrom wird Gas
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Aus Ökostrom wird Gas
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16:27 16.10.2018
Der Netzbetreiber Tennet will mit Partnern Strom in Gas umwandeln. Quelle: dpa
Hannover

Im Nordwesten Niedersachsens soll das größte Pilotprojekt zur Umwandlung von Strom in Gas enstehen. Die Netzbetreiber Tennet, Gasunie und Thyssengas wollen im ostfriesischen Weener oder in Wiefelstede (Kreis Ammerland) eine Power-to-gas-Anlage mit einer Kapazität von 100 Megawatt errichten, um eine neue Möglichkeit zur Speicherung für Strom aus den Windparks vor der Küste zu eröffnen. „Das hilft uns, die teure Abregelung von Windanlagen zu begrenzen und macht die Stromversorgung sicherer“, sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman am Dienstag.

Wegen des stockenden Netzausbaus kann der auf dem Meer produzierte Strom derzeit nicht immer in die Ballungsräume im Westen und Süden Deutschlands fließen, wo am meisten Energie verbraucht wird. Die Betreiber der Windkraftanlagen werden dafür entschädigt – auf Kosten der Verbraucher.

Power-to-gas-Anlagen wandeln Ökostrom in Wasserstoff oder synthetisches Methan um: So könne das Gas nicht nur über bestehende Leitungen von der Nordsee ins Ruhrgebiet transportiert werden, sondern über Wasserstoff-Tankstellen auch für den Verkehr oder über die Speicherung in Kavernen für die Industrie zur Verfügung stehen, heißt es bei dem Konsortium.

Die Pilotanlage soll 2022 mit einem ersten Modul starten, danach soll bis 2028 jedes zweite Jahr ein weiteres Modul hinzukommen. Mit dem „Element Eins“ getauften Pilotprojekt wollen Tennet, Gasunie und Thyssengas erste Erfahrungen mit der sogenannten Sektor-Kopplung im industriellen Maßstab sammeln. Die geplanten Investitionen des Projekts lägen im niedrigen dreistelligen Millionen-Bereich, sagte eine Tennet-Sprecherin. Theoretisch stünde das gesamte deutsche Gasnetz mit rund 400.000 Kilometern Leitung sowie zahlreichen unterirdischen Speichern für den Transport bereit.

„Wir brauchen leistungsfähige Speichertechnologien, um das ambitionierte Ausbauziel für erneuerbare Energien zu realisieren“, sagte Hartman. „Wenn wir große Mengen an erneuerbarem Strom speichern können, entlasten wir das Stromnetz.“ Das könne auch dabei helfen, den umstrittenen Ausbau der Stromnetze zu begrenzen.

Die niedersächsische Landesregierung unterstützt das Projekt. „Wir dürfen die Energiewende nicht ausschließlich als Stromwende betrachten“, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Nicht nur die Verbindung von Strom- und Gasnetz biete große Potenziale, auch die Nutzung von Wasserstoff für Mobilität, Wärme und Industrie könne wirtschaftlich attraktiv sein.

Das Konsortium ist mit seiner Initiative nicht allein: In Deutschland gibt es bereits knapp drei Dutzend Projekte, die sich in unterschiedlichen Ansätzen mit der Produktion von Gas auf der Basis von Strom befassen. Der Autohersteller Audi beispielsweise hat im emsländischen Werlte eine Power-to-Gas-Anlage aufgebaut, die etwa 1000 Tonnen Gas im Jahr erzeugen kann.

Von Jens Heitmann

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