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Hannoveraner siegt im Papierkrieg mit der Bahn

Es geht um 18,88 Euro Hannoveraner siegt im Papierkrieg mit der Bahn

Bei einer Verspätung gibt es bei der Deutschen Bahn einen Teil des Fahrpreises zurück – aber nur, wenn man einen schriftlichen Antrag stellt. Der Hannoveraner Tim Gerber wehrt sich gegen das umständliche Verfahren – und hat sich vor Gericht durchgesetzt.

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Es geht ums Prinzip: Tim Gerber hat sein Geld zurückbekommen - obwohl er das zweiseitige Formular nicht abgeschickt hat.

Quelle: Villegas

Hannover. An einem Dienstag im März hat der IC 2433 von Hannover nach Leipzig mehr als eine Stunde Verspätung. Noch im Zug verteilt der Schaffner das „Fahrgastrechte-Formular“, mit dem man eine Teilerstattung des Fahrpreises beantragen kann. Auch der Hannoveraner Tim Gerber lässt sich das zweiseitige Formblatt geben. Ihm fällt auf: Alles, was er eintragen soll, weiß die Bahn längst. Schließlich hat er bei dem Konzern ein Online-Kundenkonto.

Gerber beschließt einen kleinen Akt der Rebellion. Anstatt das Formular gemäß Anweisung auszufüllen, zu frankieren und an das Servicecenter Fahrgastrechte zu schicken, schreibt er der Bahn einfach eine Mail. Sein Handy-Ticket hängt er als Datei an. Sicherheitshalber führt er im Text noch einmal die Zugnummer, die Verspätung und seine Bankverbindung auf.

Ein Mitarbeiter der Bahn blockt Gerbers formlosen Antrag ab, er verweist auf Formular und Servicecenter. Gerber gibt allerdings nicht klein bei. Im Gegenteil: Er reicht Klage beim Amtsgericht Frankfurt am Main ein. Er beantragt, die Bahn zur Zahlung der Erstattungssumme zu verurteilen und streckt 105 Euro Gerichtsgebühren vor.

Erfolgreiche Klage

Außerdem beschwert er sich beim Bundesverkehrsministerium. Es sei rechtlich irrelevant, ob die Bahn die Anträge per Mail oder schriftlich erhalte, argumentiert er. Zudem sei das Unternehmen verpflichtet, Anträge intern an die Zuständigen weiterzuleiten.

Und tatsächlich, Gerber setzt sich durch. Ende Mai teilt der Anwalt der Bahn dem Amtsgericht mit, dass das Unternehmen Gerbers Anspruch anerkenne. Das Gericht verurteilt die Bahn daraufhin ohne Verhandlung zur Zahlung der Entschädigung in Höhe von 18,88 Euro - ganz ohne Formular. Auch die Prozesskosten muss die Bahn tragen (Az: 29 C 1000/17).

Das heißt allerdings nicht, dass nun alle Bahn-Kunden auf das Formular verzichten können. Die Bahn akzeptierte Gerbers Anspruch nämlich „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“. Gerber vermutet: „Die Bahn zahlt lieber im Einzelfall, als eine Entscheidung in der Sache zu riskieren, die sie generell dazu verpflichten würde.“

Druck von der Verbraucherzentrale

Auf Anfrage der HAZ betont eine Bahn-Sprecherin, dass die Formularpflicht bleibt. Das Verfahren sei „sicher und einfach“. Die Übertragung sensibler Daten per Mail sei hingegen unsicher. Außerdem würden bei formlosen Anträgen oft wichtige Angaben fehlen.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht das anders. Sie plädiert dafür, dass die Bahn generell Ansprüche online akzeptiert, „also per Mail oder Kontaktformular auf der Internetseite“. Schließlich stelle die Bahn auch andere Angebote online zur Verfügung. Auch das Bundesverkehrsministerium bestätigt Gerbers Auffassung. Bahn-Kunden könnten Ansprüche auf Entschädigung „ohne das Erfüllen sonstiger Formerfordernisse“ stellen, schreiben die Beamten.

Gerber hat seine 18,88 Euro erhalten. Ihm geht es aber nicht ums Geld, sondern ums Prinzip. Er hofft, dass die Bahn ihre Einstellung revidiert und künftig generell formlose Online-Anträge akzeptiert. „Die Bahn verhält sich weiterhin rechtsmissbräuchlich“, meint er.

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