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VW entscheidet Freitag über Zukunft seiner Werke

Aufsichtsrat beschließt Neuorganisation VW entscheidet Freitag über Zukunft seiner Werke

Seit dem Ende der Werksferien reden sie bei Volkswagen eigentlich über nichts anderes mehr als über den Zukunftspakt – und trotzdem werden Manager und Arbeitnehmervertreter wohl noch bis zur letzten Minute zusammensitzen, bevor am Freitag der Aufsichtsrat über die Neuorganisation der Marke VW und ihrer deutschen Werke beschließt.

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Im Wolfsburger Stammwerk, wo bisher der Hybrid-Golf gebaut wird, soll künftig offenbar das erste Elektro-Massenmodell von Volkswagen hergestellt werden.

Quelle: dpa

Hannover. In den fetten Jahren der Vergangenheit hatten diese November-Sitzungen, bei denen das Kontrollgremium über die Investitionsplanung der folgenden fünf Jahre abstimmt, etwas von vorgezogenen Weihnachtsfeiern. Geschenke im Milliardenumfang wurden verteilt. Wenn einem Standort Unterauslastung drohte, bekam er aus der weiten Konzernwelt irgendwelche Projekte als Kompensation zugewiesen – teils mit Begründungen, die jedem Betriebswirtschaftslehre-Studenten die Haare zu Berge stehen ließen. Hauptsache, am Ende waren alle zufrieden: Vorstand, Betriebsrat, Landesregierung.

Diesen Freitag wird das wieder so sein – und doch ganz anders. Beim Zukunftspakt geht es darum, wie die Marke VW Pkw profitabler werden und sich gleichzeitig auf den Paradigmenwechsel in der Autoindustrie einstellen kann – und all das unter den verschärften Bedingungen einer Milliardenlast durch den Diesel-Skandal. Die sechs niedersächsischen Standorte Wolfsburg, Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Emden und Osnabrück mit ihren allein fast 120 000 Beschäftigten sowie die Standorte in Kassel, Zwickau und Chemnitz sollen 3 Milliarden Euro an Kosten sparen und mittelfristig die Produktivität um 25 Prozent steigern. Gleichzeitig müssen sie auf Elektromobilität und Digitalisierung ausgerichtet werden – eine Herkulesaufgabe, die VW-Markenchef Herbert Diess unlängst in einem schlichten Satz zusammenfasste: „Es wird viel Wandel geben.“

Die Megatrends der Branche werden die Wertschöpfungskette gravierend verändern. Die Autos der Zukunft brauchen keine aufwendigen Motoren, Getriebe und Abgasnachbehandlungssysteme. Ein Elektroauto werde nicht mehr 2000, sondern nur noch 20 bewegliche Teile haben, erklärte unlängst ein VW-Manager. Gleichzeitig sind die Fahrzeuge zunehmend vernetzt und digital gesteuert – bis hin zum Auto mit Autopilot. Dies lässt den Bedarf an IT- und Softwarekompetenz im Konzern drastisch steigen.

Die Ausfälle auf der Produktionsseite wird das jedoch nicht kompensieren können. Sowohl am Wolfsburger Konzernsitz als auch in der niedersächsischen Landesregierung stellt man sich darauf ein, dass die Beschäftigtenzahl bei Volkswagen in den kommenden zehn Jahren um eine fünfstellige Zahl sinken wird. Für die Betroffenen geschieht der Stellenabbau auf komfortable Art und Weise – über Altersteilzeit. Dazu haben VW und IG Metall in diesem Jahr einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen. Bis zu 2500 Mitarbeiter pro Jahr könnten in Altersteilzeit gehen oder frühverrentet werden, rechnete unlängst Betriebsratschef Bernd Osterloh vor. Zugutekommt dem Konzern, dass mit den Babyboomern in den kommenden Jahren viele Beschäftigte das passende Alter erreichen.

Über die großen Linien bei Kostensenkungen und Personalabbau sind sich die Verhandler längst einig. Die Betriebsräte wollen im Gegenzug aber konkrete Zukunftspläne für ihre Fabriken sehen. Hier gab es zuletzt Bewegung. So deutet sich beispielsweise für das Motorenwerk in Salzgitter, das wegen der Hinwendung des Unternehmens zur Elektromobilität um seine Zukunft bangt, eine Lösung an.

Der Standort könnte Volkswagens erste Fabrik zur Herstellung von Zellmodulen für die gewaltigen Batterien werden, die in E-Autos untergebracht werden müssen. Bisher hatte der Autobauer gezögert, in die Zellfertigung einzusteigen. Bis heute ist unklar, welche Technologie hier wirklich die erfolgversprechendste ist. Der Investitionsaufwand geht in die Milliarden. Gleichwohl wird VW einen gewaltigen Akku-Bedarf entwickeln, wenn der Konzern 2025 wie geplant mehr als zwei Millionen E-Autos bauen will. Den Platz für eine eigene Zellfertigung hätte Salzgitter allemal. Das Werksgelände ist mit 2,8 Quadratkilometern mehr als doppelt so groß wie das der „Gigafactory“, die E-Pionier Tesla im US-Staat Nevada baut.

Wolfsburg dürfte wohl den Fertigungsauftrag für das erste Elektro-Massenmodell bekommen, das VW plant. Damit würde die Zentrale auch Heimat des „modularen Elektro-Baukastens“, nach dem möglichst viele Strommodelle im Konzern gebaut werden sollen. Das Stammwerk hat auch die besten Chancen, dass dort die IT-Kompetenz zusammengefasst wird – darauf dringen zumindest Betriebsrat und Landesregierung.

Der Zulieferstandort Braunschweig könnte künftig elektrische Lenkungen und Fahrwerke fertigen und das Getriebe-Werk Kassel auf die Produktion von Elektromotoren umstellen. Das alles wird nicht mit einem „Big Bang“ kommen, sondern sich über viele Jahre hinziehen. Das wird es dem Konzern auch leichter machen, den gewaltigen Umschulungsbedarf zu bewältigen, vor dem die Belegschaft steht. Die Mannschaft auf neue Technologien umzustellen, meinen nicht wenige im Konzern, werde die eigentliche Kärrneraufgabe.

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