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Stadtwerke-Chef im Interview

Feist erwartet sinkende Erlöse und steigende Strompreise


Das Energiekonzept der Bundesregierung bremst den Wettbewerb, sagt Hannovers Stadtwerke-Chef Michael Feist im HAZ-Interview.
Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover: Michael Feist

Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover: Michael Feist

© Nico Herzog

Sie sind gegen eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke, Herr Feist. Jetzt wurde sie im Energiekonzept der Bundesregierung beschlossen. Welche Folgen hat das für die Stadtwerke?

Es gibt in Deutschland genug Kapazität zur Stromerzeugung, wir brauchen die Laufzeitverlängerung nicht. Wenn die vier großen Versorger mit ihren abgeschriebenen Kernkraftwerken jetzt länger produzieren können, verschlechtern sich die Bedingungen für unsere Anlagen. Die Erlöse werden schrumpfen.

Was wird das für Hannover ausmachen?

Das wissen wir noch nicht. Gutachter haben allerdings errechnet, dass die Laufzeitverlängerung um zwölf Jahre bei den deutschen Stadtwerken insgesamt mit 4,5 Milliarden Euro zu Buche schlagen wird – während die AKW-Betreiber schätzungsweise 57 Milliarden Euro zusätzlich verdienen werden.

Müssen Sie Investitionen kürzen, weil sich neue Anlagen nun nicht mehr rechnen?

Bundesweit werden die Kollegen in den Stadtwerken jetzt ihre Projekte durchgehen, und ich bin sicher, dass danach einige auf Eis gelegt werden. An unserem derzeit wichtigsten Projekt, der neuen zweiten Turbine im Kraftwerk Linden, werden wir aber sicher festhalten – dort geht es immerhin um 170 Millionen Euro. Diese Gas- und Dampfturbine wird in vorhandene Infrastruktur integriert und arbeitet deshalb sehr wirtschaftlich. Probleme werden eher neue Kraftwerke auf der grünen Wiese bereiten.

Projekte wie das neue e.on-Kraftwerk Staudinger in Hessen, an dem Sie sich beteiligen wollen?

Dort ist e.on selbst noch in der Prüfung, deshalb stellt sich die Frage für uns noch nicht.

Zuletzt wurde viel von der „Renaissance der Stadtwerke“ gesprochen. Sind Sie mit den Argumenten bei der Bundesregierung nicht durchgedrungen?

Offensichtlich. Man hat sie gehört und sicher auch verstanden, aber nicht ausreichend gewürdigt. Damit stehen wir ja nicht allein. Die Bundesregierung hat sich gleich dreifach über wichtige Einwände hinweggesetzt: Es gibt verfassungsrechtliche Bedenken gegen diese Laufzeitverlängerung, die Monopolkommission hat sich dagegen ausgesprochen und das Kartellamt ebenfalls. Es ist schon sonderbar: Die Politik fordert immer mehr Wettbewerb und macht dann doch den Deal mit den Großen.

Was wird die Folge sein?

Das Oligopol der vier großen Anbieter wird gestärkt und das wird sicher nicht zu sinkenden Preisen führen. Die AKW-Betreiber sollen allein acht Milliarden Euro in die Sicherheit investieren. Sie haben jetzt beste Voraussetzungen, das auf die Preise aufzuschlagen. Gleichzeitig verzögert die Laufzeitverlängerung den Umstieg auf regenerative Energieträger.

Zum Konzept gehört aber auch deren verstärkte Förderung.

Das sehe ich mehr als hehre Absicht. Wenn die AKW weiterlaufen, lastet das die Netze aus und vermindert die freie Kapazität für Strom aus regenerativen Quellen.

Sehen Sie noch eine Möglichkeit, im Sinne der Stadtwerke etwas zu bewegen?

Wir haben immer gefordert, dass eine Laufzeitverlängerung den Wettbewerb nicht verzerren darf. Kraft-Wärme-Kopplung darf nicht verdrängt werden, die Stadtwerke müssen sich im Markt halten können. Das wird jetzt schwieriger. Nach dieser Entscheidung müssen zumindest die finanziellen Folgen für die Stadtwerke ausgeglichen werden. Zum Beispiel muss Geld aus dem geplanten Fonds für die Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden. Wir werden diese Diskussion verstärkt führen das Energiekonzept muss wettbewerbsneutral ausgestaltet werden.

Die Stadtwerke Hannover haben zusammen mit Partnern für viel Geld die Thüga gekauft, die wiederum Stadtwerksbeteiligungen hält. War das im Lichte der veränderten Wettbewerbsbedingungen eine Fehlinvestition?

Nein. Gerade jetzt brauchen wir diese gemeinsame Plattform, denn wir sehen ja, dass Größe ein wesentlicher Faktor ist. Die Thüga bringt uns nicht nur Skaleneffekte, sondern verleiht auch unseren Stimmen in der Politik mehr Gewicht.

Interview: Stefan Winter

Zur Person: Michael Feist ist seit April 2004 kaufmännischer Direktor und zugleich Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Hannover. Der 60-jährige Diplom-Ingenieur war mehr als zwei Jahrzehnte lang beim amerikanischen Ölkonzern ExxonMobil in verschiedenen Positionen tätig gewesen, bevor er 2001 als Geschäftsführer zum deutschen Ableger des niederländischen Energieversorgers Essent wechselte. Zwischenzeitlich war der in Goslar geborene Manager zudem für knapp drei Jahre Präsident des Bundesverbands der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft. Sein Vertrag wurde im vergangenen Jahr bis Januar 2014 verlängert.

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