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Firmen geben Flüchtlingshelfern seltener frei

Rotes Kreuz klagt Firmen geben Flüchtlingshelfern seltener frei

Um den Einsatz der unzähligen Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe gibt es jetzt Streit: Die Firmenchefs in Niedersachsen sehen sich immer öfter nicht mehr in der Lage, ihre Mitarbeiter für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit freizustellen.

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DRK und Innenminister Boris Pistorius hoffen, dass die Unternehmen weiterhin Helfer freistellen, die sich um Flüchlinge kümmern. Doch nach mehreren Wochen, in den Mitarbeiter fehlten, zieren sich Firmen mittlerweile immer öfter.

Quelle: dpa/Symbolbild

Hannover. „Die Bereitschaft zu helfen ist bei den Arbeitgebern groß. Langsam kommen aber auch unsere Unternehmen an ihre Grenzen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller, der HAZ. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Land appellieren demgegenüber in einem Brief an die Arbeitgeber, ihre Beschäftigten auch künftig freizustellen. Doch auch in der Landespolitik mehren sich Stimmen, die eine Entlastung des Ehrenamts in der Flüchtlingspolitik anmahnen.

„Am Anfang waren viele Arbeitgeber sofort bereit, Mitarbeiter freizustellen. Das lässt aber nach, auch wenn wir Ausfälle noch kompensieren können“, sagte ein Sprecher des DRK. Der Einsatz für Flüchtlinge dauere jedoch Monate und sei nicht nach ein paar Tagen erledigt, wie etwa Katastrophenhilfe beim Hochwasserschutz. Das Rote Kreuz ist - neben anderen - vom Land beauftragt worden, Notunterkünfte für Flüchtlinge zu betreiben. Seit September waren deshalb 3500 ehrenamtliche Helfer im Einsatz, um sieben Kasernen im Land herzurichten. Von 6300 Plätzen sind bereits 5900 belegt. Insgesamt sollen an den Standorten, die das Rote Kreuz betreut, 11.500 Plätze für Flüchtlinge entstehen.

DRK und Minister Pistorius sehen derzeit keine Chance, ohne die Ehrenamtlichen auszukommen. In dem Brief an Niedersachsens Arbeitgeber verweisen sie auf den „wohl größten Hilfeleistungseinsatz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“. Die Firmen bitten ihrerseits um Verständnis: Die gegenwärtige Herausforderung sei nicht allein über ehrenamtliche Arbeit zu bewältigen, sagte UVN-Hauptgeschäftsführer Müller. Die Bundesregierung sei aufgefordert, realistisch einzuschätzen, was gebraucht werde, und dafür Sorge zu tragen, dass diese Strukturen aufgebaut würden. Dem Appell des Ministers und des DRK an die Unternehmen wollten sich die UVN deshalb nicht anschließen. „Ob ein Unternehmen Mitarbeiter für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe freistellt, muss jedes Unternehmen weiterhin individuell für sich entscheiden“, sagte Müller.

Jan-Christoph Oetjen, innenpolitischer Sprecher der FDP, sagte, er teile das Ziel des Innenministers und des DRK. Gleichzeitig sei der Staat jetzt aber in der Pflicht, die ehrenamtlichen Strukturen bei der Flüchtlingsarbeit schrittweise abzulösen. „Der Staat muss diese Aufgabe auf Dauer selber tragen“, sagte Oetjen. Maaret Westphely (Grüne) zeigt ebenfalls Verständnis: „Der ehrenamtliche Einsatz hat seine Grenzen.“ Das Wichtigste sei, dass man es schnell schafft, mehr Hauptamtliche zu bekommen. Dafür müssten die zusätzlichen Gelder des Bundes und des Landes genutzt werden.

Von Heiko Randermann 
und Gunnar Menkens

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