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Herr Hille, wann kommt Ryanair nach Hannover?

Flughafen-Chef im Interview Herr Hille, wann kommt Ryanair nach Hannover?

Hannovers Flughafen-Chef Raoul Hille hofft auf den Anflug von Ryanair. Um jeden Preis soll der Billigflieger aber nicht gelockt werden: "Wir sind kein billiger Standort", sagt er im Interview mit der HAZ.

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Hannovers Flughafen-Chef Raoul Hille.

Quelle: Treblin

Ryanair will expandieren und gründet neue Basen in Nürnberg und Hamburg. In Bremen sind die Iren bereits gelandet - nicht aber in Hannover. Wann ändert sich das, Herr Hille?
Das müssen Sie Ryanair fragen. Im Ernst: Es gibt seit längerer Zeit Gespräche - im Prinzip spricht nichts dagegen, dass sie auch nach Hannover kommen. Ryanair hat ja inzwischen erkannt, dass die Wachstumsmöglichkeiten bei Flügen von Irgendwo ins Nirgendwo begrenzt sind. Wir sind allerdings kein billiger Standort: Der Flughafen ist zwar bereit, neuen Kunden auf neuen Strecken befristete Förderungen zu gewähren, aber eben nicht um jeden Preis - schon aus Rücksicht auf unsere Bestandskunden und unsere Wirtschaftlichkeit.

Ryanair fordert Rabatte mit dem Argument: Wir bringen euch viele Fluggäste - seht zu, wie ihr diese zu Kunden macht und mit ihnen Geld verdient. Rechnet sich das nicht?
Zum einen müssen nicht automatisch mehr Passagiere nach Hannover kommen, weil Ryanair hier landet - schließlich ist es ja erklärtes Ziel der Gesellschaft, auch auf Kosten der Konkurrenz zu wachsen. Zum anderen geben Gäste, die einen Billigflieger buchen, in der Regel nicht so viel Geld für Parkplätze oder in den Flughafenshops aus wie etwa ein Geschäftsreisender der Lufthansa.

Einer ihrer angestammten Kunden ist die kriselnde Air Berlin, die nur von ihrer Muttergesellschaft Etihad vor der Pleite bewahrt wird. Nehmen Sie da nicht auf die Falschen Rücksicht?
Air Berlin ist für die deutsche Luftfahrt wichtig. Die wirtschaftliche Lage bei Air Berlin ist zwar sehr angespannt, aber wir drücken die Daumen dafür, dass ein nachhaltiger Turnaround gelingt. Man muss ja auch mal fragen, warum ausländische Billigflieger so erfolgreich sind. Das liegt auch daran, dass sie deutsche Sozialstandards unterlaufen und bei der Steuer alle Sparmodelle ausschöpfen.

Was den Passagieren aber ziemlich egal ist ...
Ja, aber das darf es doch nicht sein. Wenn in Deutschland ein Mindestlohn eingeführt wird und die Politik gleichzeitig solche Fehlentwicklungen auf europäischer Ebene zulässt, kann von einem fairen Wettbewerb keine Rede sein.

Die Lufthansa versucht, den Billigfliegern mit ihrem Ableger Eurowings/Germanwings Paroli zu bieten - bisher ohne großen Erfolg. Auch sie ist in Hannover noch stark vertreten. Potenzieren sich hier nicht die Risiken?
Im Gegenteil: Wir haben hier einen schönen Mix. Turkish Airlines, Swiss, Tuifly, Condor und Sunexpress sind derzeit unsere Wachstumstreiber; mit Flybe gibt es auch einen echten Billigflieger, der expandieren will. Sollte ein anderer großer Kunde ausfallen, bricht uns das also nicht das Genick. Aber Luftverkehrsentwicklung war und ist volatil.

Wer von Hannover nach Amerika oder Asien fliegen will, muss in Frankfurt, London oder Paris umsteigen. Bleibt es dabei?
Natürlich wären Direktverbindungen wünschenswert, aber die Hürden liegen für eine kleinere Großstadt ziemlich hoch. Für Fluggesellschaften werden Airports für solche Angebote erst bei einem Aufkommen von 7 bis 8 Millionen Passagieren interessant - die Maschinen müssen ja voll werden. Hannover hat knapp 6 Millionen Gäste. Aber wir sind an alle großen Drehkreuze in Europa angebunden, an manche acht- bis neunmal täglich.

Sie haben ins Vorfeld des Flughafens investiert und ein neues Frachtzentrum eröffnet - im vergangenen Jahr ist das Luftfrachtaufkommen um 70 Prozent gestiegen. Wachstumsraten in dieser Größenordnung lassen sich kaum wiederholen, oder?
Diesen sprunghaften Anstieg verdanken wir der Expressfracht des Logistikkonzerns TNT und dem Umstand, dass VW über das neue Frachtterminal Material und Bauteile transportiert. Leider bekommen nun auch wir den Abgas-Skandal zu spüren: Das Geschäft mit Volkswagen verzeichnet ein zweistelliges Minus. Das kostet uns Wachstum - dieses Jahr wird der Flughafen bei der Fracht plus/minus null abschließen.

Und bei den Passagieren - noch ohne Ryanair?
Mittelfristig werden wir jedes Jahr im Schnitt um circa 3 Prozent zulegen können. Hannover ist als touristisches Ziel nun einmal nicht so begehrt wie Berlin oder Hamburg. Wir werden deshalb beim Wachstum nicht die Nummer eins sein, aber auch nie die rote Laterne haben. Wir sind gesunder Mittelstand und damit ein Spiegelbild der Region - vielleicht nicht so sexy, aber nachhaltig solide.

Zur Person

Raoul Hille ist seit März 2004 Geschäftsführer der Flughafen Hannover Langenhagen GmbH. Der 55-jährige Hobbypilot hat sich früh für die Luftfahrtbranche entschieden: Als frisch promovierter Wirtschaftsingenieur startete er 1989 bei der Lufthansa und wechselte vier Jahre später nach Russland, um die Flughafenbetriebsgesellschaft Joint Venture Airport Moskau zu sanieren. Nach einem Zwischenstopp als Lufthansa-Regionalchef in Düsseldorf wurde er 1997 vom Vorstand in die Konzernzentrale berufen, um sich unter anderem um Beteiligungsfirmen zu kümmern. Im Jahr 2000 ging der gebürtige Bremer als Geschäftsführer zum Reisevertriebssystemspezialisten Start Amadeus. Hille war Vorsitzender des Industrie-Clubs Hannover und ist Lehrbeauftragter an der Universität Hannover. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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