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Niedersachsen Wie geht’s weiter mit dem Diesel?
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06:48 04.08.2017
„Langzeiterprobung notwendig“: Hersteller und Politik streiten weiter um die Zukunft des Diesel - und um die Luft in den Städten. Foto: Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was bedeutet der Gipfel für Hannover?

Hannover und andere niedersächsische Städte profitieren voraussichtlich nicht von dem auf dem Gipfel beschlossenen Fonds für „Nachhaltige Mobilität in der Stadt“, in den Bundesregierung und Autoindustrie je 250 Millionen Euro einzahlen. Das Geld soll nur in 28 Regionen fließen, die gegen die EU-Luftreinhalterichtlinie verstoßen. In dieser Liste ist keine niedersächsische Stadt enthalten, obwohl auch Hannover seit Jahren konstant zu hohe Werte bei den schädlichen Stickoxiden misst. Fahrverbote plant die Stadtverwaltung aktuell nicht. Doch wenn die auf dem Diesel-Gipfel beschlossenen Software-Updates nicht die erhoffte Wirkung bringen, könnte sich das irgendwann ändern.

Die hannoversche SPD-Ratsfraktion forderte am Donnerstag vom Bund höhere Prämien für Elektroautos. Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund sieht die Bundesregierung in der Pflicht, Stadt und Land umweltfreundlich zu vernetzen - etwa durch die Förderung von Radschnellwegen und Ladesäulen für Elektroautos.

Sind Hardware-Nachrüstungen komplett vom Tisch?

Unumstritten ist, dass ein SCR-System zur Einspritzung von Harnstoff den Ausstoß stärker reduziert als ein Update. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kämpft deshalb weiter dafür. „Das können wir nicht einfach so abräumen“, sagte sie. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erklärte dagegen: „Ob auch Maßnahmen bei der Hardware möglich sind, wird Gegenstand einer weiteren Prüfung sein.“ Allerdings hat die Politik nach aktueller Rechtslage keine Möglichkeit, die Hersteller dazu zu zwingen.

Warum sträuben sich die Hersteller gegen Nachrüstungen?

Ein Software-Update kostet nur 50 bis 100 Euro pro Auto, ein SCR-System wohl mindestens 1500 Euro. Die Hersteller haben bislang keine Kostenschätzungen veröffentlicht. VW verwies auf Aussagen von Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie. Dieser schätzt den Entwicklungszeitraum für SCR-Nachrüstungen auf drei bis vier Jahre. BMW erklärte: „Der Bauraum würde in den meisten Fällen nicht ausreichen, und für einen stabilen Serienbetrieb wäre eine Langzeiterprobung notwendig.“ Außerdem sei die Maßnahme „ausgesprochen unwirtschaftlich“.

Lohnt sich jetzt der Umstieg auf ein neues Auto?

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass der Diesel-Gipfel weitere Rabatte nach sich zieht. Der Verunsicherung der Kunden werde man mit noch höheren Preisnachlässen begegnen. Rund um den Gipfel hatten schon Daimler, BMW, Ford und Toyota Prämien ausgelobt, wenn Neuwagenkäufer ihre alten Diesel in Zahlung geben. Zum Beispiel bietet Ford 2000 bis 8000 Euro, BMW bis zu 2000 Euro. Daimler spricht bisher nur von einem „vierstelligen Umweltbonus“.

Die Maßnahmen zur Reinigung der Abgase

Es gibt drei wesentliche Methoden zur Reduktion von Stickoxiden:
Alte Diesel (Euro 4 und 5) verwenden in der Regel nur die Abgasrückführung. Dabei reduziert die erneute Verbrennung im Motor die Stickoxide. Die Parameter können durch Software-Updates verändert werden – das hat die Autoindustrie nun vor.
Effektiver sind SCR-Systeme mit Harnstoff-Einspritzung („Adblue“), wie sie in Euro-6-Dieseln verwendet werden. Die Flüssigkeit reagiert mit den Stickoxiden im Abgas und macht sie unschädlich. Die Industrie sträubt sich gegen den nachträglichen Einbau solcher Systeme in Euro-5-Diesel.
Die dritte Methode sind Speicher-Katalysatoren. Hier werden Stickoxide gespeichert und regelmäßig durch eine spezielle Verbrennung unschädlich gemacht. Werden alle drei Systeme gleichzeitig eingesetzt, sind die Stickoxid-Emissionen am geringsten.

Am Donnerstagabend stand die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen trotz Unwohlsein in den Tagen zuvor in Hannover am Maschseestrand und lächelte tapfer in die Kameras. Anlass war das Sommerfest der niedersächsischen Wirtschaft – ein Ereignis mit traditionell hoher Prominenten-Dichte.

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