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Niedersachsen Folgen des Poststreiks noch tagelang zu spüren
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Folgen des Poststreiks noch tagelang zu spüren
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22:35 06.07.2015
Von Bernd Haase
Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi waren in Niedersachsen deutlich über 3000 Beschäftigte der Post im Streik. Quelle: dpa
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Hannover

Der heftigste Poststreik seit Jahrzehnten ist seit Sonntagabend beendet – doch bis der Betrieb wieder reibungslos läuft und alle Kunden ihre Sendungen erhalten haben, wird es noch dauern. Bergeweise stapeln sich die nicht zugestellten Briefe und Pakete nach insgesamt 52 Streiktagen seit Ostern. Aber wie will das Unternehmen jetzt vorgehen?

Wie viele Pakete und Briefe sind liegen geblieben?
Sicher ist, dass bundesweit jeweils Millionen an Paketen und Briefen liegen geblieben sind. Genaue Zahlen gibt es nicht für das Bundesgebiet und schon gar nicht für einzelne Regionen wie Hannover. Nach HAZ-Informationen hat die Post im Raum Hannover drei Hallen in Langenhagen, Sarstedt und Algermissen als Zwischenlager eingerichtet. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es weiterhin nicht.

Wann werden die Rückstände abgearbeitet sein?
Die Post bleibt vage. „In einem Großteil der Zustellbezirke wird sich die Arbeit innerhalb weniger Tage normalisieren“, kündigt Personalchefin Melanie Kreis an. In besonders betroffenen Regionen könne es etwas länger dauern. Bei der Gewerkschaft Verdi rechnet man, dass es deutlich länger dauert, bis der Streikberg abgebaut ist. Vereinzelte Informationen, Postkunden müssten sich auf zwei Monate Verspätung bei Paketen einstellen, dementiert die Post aber.

War die Region Hannover besonders betroffen?
Von der Post gibt es dazu keine Auskunft, die Gewerkschaft Verdi sagt: „Ja.“ Nach Angaben von Sekretär Hans-Uwe Behrens werde es generell bei Paketen drei Wochen dauern, bis alles Liegengebliebene zugestellt ist.
Bei Briefen könne im Umland eine Woche ins Land gehen. In der Stadt werde man schneller sein. Bundesweit soll die Situation am schlimmsten im Osten sein – dort gibt es wenig Beamte, die nicht streiken dürfen und daher in den letzten Wochen helfen konnten, Sendungen zu sortieren und auszutragen. Deshalb sollen dort die Berge liegen gebliebener Sendungen besonders hoch sein.

Was hat jetzt Vorrang – alte Sendungen oder das Tagesgeschäft?
„Beides wird parallel erledigt“, sagt Postsprecher Jens-Uwe Hogardt. Offen bleibt dabei, ob beim Abbau der im Streik liegen gebliebenen Sendungen zunächst die ältesten ausgeliefert werden oder zuerst die jüngsten.

Was ist mit verderblichen Waren?
Tatsächlich werden auch Blumen und Lebensmittel mit der Post verschickt – das alles liegt jetzt bei Sommerhitze in Verteilzentren und Lagerhallen. Man habe schon während des Streiks versucht, verderbliche Güter herauszuziehen und bevorzugt zuzustellen, sagt ein Postsprecher, aber nicht jeder Kunde kennzeichne seine Pakete korrekt. Dass es in manchen Verteilzentren übel rieche, sei aber Quatsch.

Werden Sonderschichten gefahren?
Wenn, dann geschieht das nach Angaben von Hogardt nur auf freiwilliger Basis. Wie viele Mitarbeiter dazu bereit seien, werde man in den kommenden Tagen sehen.

Kann man Pakete irgendwo selbst abholen?
Nein. Die Post hatte während der Hochphase des Streiks im Raum Hannover einige Sonderausgabestellen eingerichtet und Paketempfänger angeschrieben. Das hat aber nicht immer funktioniert und insgesamt nicht viel gebracht. Wiederholt wird die Aktion laut Hogardt nicht. Wer noch ein Paket oder einen Brief vermisst, muss also warten, bis der Zusteller die Sendung bringt.

Was hat der Streik eigentlich gekostet?
Dazu sagen weder die Post noch Verdi etwas. Schätzungen zufolge sind dem Unternehmen rund 100 Millionen Euro an Kosten entstanden. Die Streikkasse der Gewerkschaft soll mit 30 Millionen Euro belastet worden sein.

Gemessen an den ursprünglichen Verdi-Forderungen klingt das finanzielle Ergebnis mager. Sind die Beschäftigten enttäuscht?
Das weist Gewerkschaftssekretär Behrens vehement zurück. „Im Verlauf des Streiks sind die Gehaltswünsche gegenüber der Arbeitsplatzsicherheit immer stärker in den Hintergrund getreten“, sagt Behrens. Bei Letzterer habe man viel erreicht. Der Versuch der Gewerkschaft, die Gründung tarifloser Paketgesellschaften zu verhindern, ist komplett gescheitert. Immerhin bleiben alle bisherigen Mitarbeiter im Mutterkonzern, 12 000 Arbeitsverhältnisse werden entfristet. Die Postbeschäftigten bekommen eine Einmalzahlung von 400 Euro sowie zum 1. Oktober 2 Prozent und zwölf Monate später nocheinmal 1,7 Prozent mehr Geld. Gewerkschaftssekretär Behrens sagt, dass in einer Streikversammlung am Sonntagabend mit 650 Beschäftigten Beifall geklatscht worden sei, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde.

Warum endet der Streik erst in der Nacht zu Dienstag?
Weil die Zeit zwischen Einigung am Sonntag um exakt 18.21 Uhr und Arbeitsbeginn am Montag nicht ausgereicht hat, um die Beschäftigten zu informieren und an ihre Arbeitsplätze zurückzurufen.

dpa

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