Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Ein Fondsmanager sorgt sich um Demokratie
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Ein Fondsmanager sorgt sich um Demokratie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:44 09.06.2018
Matthias Kues zieht nach 30 Jahren einen Schlusstrich unter das Beteiligungsgeschäft. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Im Rentenalter ist er mit seinen 58 Jahren eigentlich noch nicht – dennoch will Matthias Kues jetzt einen Schlussstrich ziehen. Nach 30 Jahren bei der Beteiligungsgesellschaft Nord Holding, davon 25 Jahre als Geschäftsführer, möchte er nun anderen Interessen nachgehen. Dazu gehört die Beschäftigung mit Politik. Dies scheint in der Familie zu liegen, die im katholischen Emsland verwurzelt ist. Kues war vor seiner beruflichen Karriere jahrelang im Bundesvorstand der CDU-Organisation Junge Union, sein Bruder saß ebenfalls für die CDU lange Zeit im Bundestag und war zuletzt Staatssekretär. Eine Tätigkeit in einem Parlament oder einem ähnlichen Gremium kann sich Kues aber nicht mehr vorstellen. „Was mich umtreibt, ist die Zukunft der Demokratie.“ Die politische Entwicklung in etlichen europäischen Ländern mache ihn schon „nachdenklich“. Er hält es deshalb für wichtig, sich für die Stärkung der Zivilgesellschaft einzusetzen. „Die Demokratie geht nicht an ihren Feinden zugrunde, sondern am Mangel an Freunden.“ Ihn stört zum Beispiel das pauschale „Politiker-Bashing“, ebenso aber das gerade bei Unternehmern oft nur schwach ausgeprägte Verständnis für langwierige politische Entscheidungsprozesse. „Das ist nun mal komplizierter als in einem mittelständischen Betrieb.“

Mit Mittelständlern hat Kues jahrzehntelang zu gehabt, schließlich ist die Beteiligung an solchen Unternehmen der Daseinszweck der Nord Holding. Als der Diplom-Volkswirt 1988 „aus reinem Zufall“ in der Beteiligungsbranche landete, hatte sie gerade mal drei Mitarbeiter plus Sekretärin und befasste sich ausschließlich mit sogenannten stillen Beteiligungen. Heute ist die zweitälteste deutsche Beteiligungsgesellschaft an 25 Unternehmen direkt beteiligt. Hinzu kommt das im Jahr 2000 gestartete Dachfondsgeschäft, wodurch die Nord Holding indirekt bei mehr als hundert Unternehmen in mehreren europäischen Ländern engagiert ist. Das Geld kommt von einer Reihe von Investoren, privaten Familien ebenso wie Versorgungswerken, Versicherungen und Sparkassen, die hinter der 1969 von der Norddeutschen Landesbank gegründeten Nord Holding stehen.

Die Investoren können mit der hannoverschen Gesellschaft zufrieden sein, bilanziert ihr scheidender Chef. Nur einmal, im Jahr 2002 im Gefolge des Zusammenbruchs des Neuen Marktes, hat sie einen Verlust geschrieben. Ansonsten warfen die Investitionen zumeist zweistellige Renditen ab. Heute herrscht allerdings ein harter Wettbewerb um attraktive Beteiligungen. „Es ist sehr viel Geld im Markt, die Preise sind sehr hoch.“ Beteiligungen würden häufig zwischen Finanzinvestoren weitergereicht, was er kritisch sieht. „Die Branche darf nicht nur ernten, sie muss auch säen“, sagt Kues, der einige Jahre auch den Branchenverband in Berlin geführt hat.

Er rechnet es sich als Verdienst an, dass sich in dieser Zeit die vom damaligen SPD-Chef Franz Müntefering angestoßene „Heuschrecken-Debatte“ über das schädliche Wirken von Finanzinvestoren beruhigt hat. Gesellschaften wie die Nord Holding sehen sich als langfristige Partner der Mittelständler. Sie wollen nicht mit den berüchtigten, meist angelsächsisch geprägten Fonds in einen Topf geworfen werden, die aus ihren Beteiligungen stets möglichst schnell mit maximaler Rendite aussteigen wollen.

Kues selbst bleibt der Branche noch ein wenig verbunden – er hat sich von einer kleinen niederländischen Beteiligungsfirma in den Beirat berufen lassen, weil er die Leute „richtig cool“ findet. Ansonsten wird den Vater von drei erwachsenen Kindern nun unter anderem sein Fußballjob fordern: Der Hobbyfußballer ist Verwaltungsratsvorsitzender des Drittligisten SV Meppen.

Von Albrecht Scheuermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rossmann, dm und Douglas warnen vor gefährlichen Kosmetik-Produkten von ausländischen Online-Händlern. Die Bundesregierung müsse Plattformen wie Amazon und Ebay deshalb schärfer regulieren.

06.06.2018

Continental untersagt seinen Mitarbeitern die Nutzung von WhatsApp und Snapchat auf Dienst-Handys. Der hannoversche Automobilzulieferer kritisiert den Umgang mit sensiblen Daten.

05.06.2018

Bei der Energiewende liegt der Fokus auf der grünen Stromerzeugung. Dabei werden wichtigere Bereiche vernachlässigt – das bedroht nach Einschätzung von Fachleuten die von der Bundesregierung vorgegebenen Klimaschutzziele.

07.06.2018