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Pflanzen aus dem Genlabor

TTIP-Abkommen Pflanzen aus dem Genlabor

Mais, Soja und Zuckerrüben kommen in den USA kaum noch in ihrer natürlichen Form vor. In der EU gibt es derzeit rund 50 Importzulassungen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel. mit dem Inkrafttreten eines Transatlantischen Freihandelsabkommens könnte die Zahl noch größer werden.

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Quelle: dpa

Hannover . Eine schnurgerade Straße zieht sich durch die Maisfelder von Nebraska. Links und rechts der Straße sitzen Kraniche in den abgeernteten Stoppelfeldern und suchen nach Futter. Im April wird Farmer Mike Thede hier wieder Mais säen. Er ist GMO-Farmer, wie er sich selbst nennt. Die Abkürzung steht für genetically modified organism – zu Deutsch: genetisch veränderte Organismen (GVO). Schon seit 1996 baut Thede genveränderten Mais an. Etwas Schlechtes kann er daran nicht finden: „Mit GMO kann ich kostengünstiger produzieren und ernte mehr“, sagt der Landwirt.

HAZ-Serie: Was kommt TTIP?

Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP wird ein großes Thema sein, wenn US-Präsident Barack Obama am 24. April zur Hannover Messe kommt. Ziel des Abkommens ist nicht nur der Abbau von Zöllen, sondern auch die Harmonisierung von Vorschriften: Handelshemmnisse sollen beseitigt werden. Vor allem die Industrie und der Dienstleistungssektor könnten profitieren.

TTIP-Kritiker in Europa befürchten, dass Verbraucher das Nachsehen haben werden, weil in den USA andere Vorschriften in der Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit gelten. Ob mit TTIP tatsächlich europäische Standards aufgegeben werden, wird erst das fertige Abkommen zeigen. Fakt ist aber, dass es gravierende Unterschiede in der Lebensmittelproduktion gibt. Wie diese aussehen, beleuchtet die HAZ in einer mehrteiligen Serie.

In den USA ist er mit dieser Einstellung in großer Gesellschaft: 92 Prozent der Maisfelder sind mittlerweile mit genetisch veränderten Pflanzen bestellt. Noch höher ist der Anteil bei Sojabohnen, dem zweiten großen Anbauprodukt der Region. Beim Sojaanbau sind sogar 94 Prozent der Pflanzen genmanipuliert.

Die USA sind die treibende Kraft in der Gentechnik. In keinem anderen Land der Welt ist die Akzeptanz höher. Nicht nur Mais und Soja sind genetisch verändert, auch Raps, Zuckerrüben und Baumwolle wachsen in den Staaten kaum noch in ihrer natürlichen Form. Zugelassen sind auch genetisch veränderte Zucchini, Kürbisse, Kartoffeln und Äpfel.

Ganz anders als in der Europäischen Union, wo die Äcker weitgehend frei von Gentechnik sind. Eine einzige Pflanze ist überhaupt nur für den Anbau zugelassen: der Gentech-Mais MON 810 des Agrarkonzerns Monsanto. Durch ein zusätzliches Gen produziert diese Sorte ein Gift, das Schädlinge tötet – und somit den Einsatz von Insektiziden überflüssig macht. Der Genmais wird in Europa fast nur in Spanien angebaut – in Deutschland und vielen anderen EU-Staaten ist die Aussaat verboten.

Tiermast besonders abhängig von Gentechnik

Gentechnik ist in der EU und besonders in Deutschland ein hochumstrittenes Thema. Mehr als die Hälfte der Deutschen würde laut einer Studie unter keinen Umständen genetisch veränderte Lebensmittel kaufen. In einigen Produkten aus dem Supermarkt kann aber schon heute Gentechnik enthalten sein – zum Beispiel in einigen Eiscremesorten, in Schokolade, Backwaren und Desserts. Denn obwohl der Anbau in Deutschland verboten ist, dürfen Gentech-Pflanzen in unseren Lebensmitteln vorkommen, wenn sie zuvor von der EU-Kommission zugelassen wurden.

In der EU gibt es derzeit rund 50 Importzulassungen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel. Vor allem bei der Tiermast kommen die Bauern kaum noch um Gensoja und -mais herum. So werden jährlich etwa 32 Millionen Tonnen Sojabohnen und -schrot aus Nord- und Südamerika in die EU verschifft – mehr als 90 Prozent davon sind GVO-Sorten.

Anders als in den USA besteht in der EU eine Kennzeichnungspflicht: Ist Gentechnik drin, steht das auf der Zutatenliste hinter dem betreffenden Inhaltsstoff  – zum Beispiel: „Enthält genetisch veränderten Mais“. Eine Ausnahme sind tierische Produkte – denn bei Fleisch, Milch oder Eiern muss nicht gekennzeichnet werden, ob das Tier mit genetisch verändertem Futter gefüttert wurde. Landwirte, die auf solches verzichten, verwenden deshalb oft das freiwillige Label „Ohne Gentechnik“.

"TTIP wird an diesen Rechtsvorschriften nichts ändern"

Kritiker befürchten, dass mit dem Inkrafttreten eines Transatlantischen Freihandelsabkommens (TTIP) gentechnisch veränderte Lebensmittel aus den USA den europäischen Markt fluten könnten, die womöglich auch nicht gekennzeichnet sind. So sorgt sich zum Beispiel die Umweltschutzorganisation BUND, dass sich USA und EU auf die gegenseitige Anerkennung von Standards und Produkten einigen könnten – was in einem Wirtschaftsraum zugelassen ist, wäre dann auch in dem anderen erlaubt.

In einem Positionspapier der Europäischen Kommission heißt es dazu: „Der Anbau und Verkauf genetisch veränderter Organismen sind nach EU‑Recht genehmigungspflichtig. TTIP wird an diesen Rechtsvorschriften nichts ändern. Außerdem muss für den Anbau von GV‑Pflanzen die Zustimmung der EU‑Länder eingeholt werden. Auch daran wird TTIP nicht rühren.“ Ob die Kennzeichnungspflicht unter TTIP aufrechterhalten bleibt, lässt die Stellungnahme jedoch offen.

Von Anne Grüneberg

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Freihandelsabkommen TTIP
Implantat im Ohr: Die Rinder von Farmer John McDonald im US-Bundesstaat Nebraska bekommen darüber Wachstumshormone verabreicht.   Foto: Grüneberg

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