Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Zögern vor dem Abenteuer

Iran-Reisetagebuch Zögern vor dem Abenteuer

Hier war lange keine deutsche Wirtschafts-Delegation: Geschäfte mit dem Reich der Mullahs in Teheran hatten angesichts der dortigen Politik selten eine Chance. Nach dem Ende vieler Sanktionen ändert sich das – und Niedersachsen ist mit einer großen Delegation im Iran, um an alte Kontakte anzuknüpfen und neue Wege zu suchen. HAZ-Reporter Lars Ruzic ist dabei. 

Voriger Artikel
„Hier geht es richtig zur Sache“
Nächster Artikel
"Notstand" rechtfertigt Aufseher Pötsch bei VW

Olaf Lies bei sein Besuch in Teheran.

Quelle: dpa

Tag 3: Offensive Werbung und defensive Niedersachsen

Tehran. Es kann ihnen gar nicht schnell genug gehen. Selbst das absehbare Ende des Embargos wollen die  Iraner nicht mehr abwarten, um Geschäfte mit den Deutschen zu machen. Sie sollen sich möglichst schnell und auf möglichst vielen Feldern iranische Partner suchen, mit ihnen Joint Ventures gründen, und Know-how und Investitionen en masse mitbringen.

So stellt sich das die Regierung vor - und umwirbt den Lieblingspartner dabei recht offensichtlich. "Obwohl schon fast alle Länder Interesse an einer Zusammenarbeit angemeldet haben, hat Deutschland für uns einen besonderen Stellenwert", umschrieb es am Montag der iranische Industrieminister Mohammadreza Nematzadeh. Und Asghar Kashan, der Berater des Verkehrsministers, wurde noch offensiver. Wenn sich deutsche Firmen bei bestimmten Bauprojekten mit iranischen Partner zusammentäten, wären dafür auch gar keine Ausschreibungen mehr nötig, meinte er. Und hier winken in den kommenden Jahren Mega-Aufträge bei Straßen, Schienen, Flug- und maritimen Häfen. Gesamtvolumen: nicht weniger als 200 Milliarden Dollar.

Allein: Die umgarnten Niedersachsen zieren sich noch ein wenig. Volkswagen kann sich einen von drei iranischen Autobauern für eine gemeinsame Produktion aussuchen. Doch still ruht der See. Von Continental wünschen sich die Iraner eine Reifenfabrik. Doch das Interesse aus Hannover ist gering. Und das sind nur die großen Fälle. Die vielen Mittelständler, die Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies in den Iran begleitet haben, sind auch noch zurückhaltend - jedenfalls im Gegensatz zu ihren iranischen Partnern auf den bei solchen Reisen üblichen Kontaktbörsen. Letztere sprühen vor Ideen und Plänen. Aber Erstere fragen sich, wie viel Substanz dahintersteht und ob das Land schon die nötige Rechtssicherheit für ein Engagement viele Flugstunden vom heimischen Niedersachsen aus bietet. Mal ganz abgesehen davon, dass die Wirtschaftssanktionen erst Anfang 2016 fallen werden.

Der Besuch beim deutschen Bauspezialisten Knauf, der im Iran fertigt, hat viele Manager in ihrer Haltung offenbar bestärkt. Der habe zwar von konkurrenzlos niedrigen Personalkosten und großem Wachstumspotenzial geschwärmt, berichtet ein Teilnehmer - rund 300 Euro verdient der Durchschnittsiraner im Monat. Doch für die Probleme brauchte er mindestens genauso lange. Man müsse hohe Lagerbestände vorhalten, weil Verkehr und Logistik keine zeitgenaue Belieferung zuließen. Eine eigene Energie-Notversorgung sei notwenig, weil die Netzsstabilität Lichtjahre von der deutschen entfernt sei. Und die Bürokratie sei ein Abenteuer für sich. Ein Abenteuer wäre ein Engagement im Iran allemal. Noch ist nicht jeder bereit, es auch einzugehen.

 

Tag 2: Iraner bevorzugen weiße Autos

Was ist die wichtigste Branche im Iran? Die Öl- und Gaswirtschaft, klar. So weit, so einfach. Aber wer folgt danach? Teppichknüpfer? Safranexporteure? Von wegen. Die Autoindustrie gibt Zehntausenden Menschen Arbeit. Und ist wahrscheinlich schon deshalb weitgehend in staatlicher Hand.

Iran Khodro heißt der größte von ihnen. Dass man als deutscher Autokäufer bislang noch nicht mit dem Konzern in Berührung gekommen ist, dafür kann man nicht allein das noch bestehende Embargo verantwortlich machen. Die Modelle sind, sagen wir: konventionell. Und fast immer weiß. Die Iraner bevorzugen weiß. Da fällt der viele Sand und Staub nicht so auf, der sich im Laufe eines Tages auf den Fahrzeugen niederlässst.

Bislang arbeitet Iran Khodro vor allem mit den Franzosen zusammen. In einer Autostadt vor Teheran, die sich über vier Quadratkilometer erstreckt, bauen sie vor allem Peugeot und Renault. 40 Prozent des Fabrikausstoßes verkauft man unter dem eigenen Logo - einem Pferdekopf. Beim Besuch im Werk flüstert man uns recht bald zu: Das mit den Franzosen, das wolle man am liebsten beenden. Die Autos hätten eh sinkenden Absatz. Mit den deutschen Autobauern dagegen würde man liebend gern Kooperationen eingehen. "We go crazy for german cars", ruft uns ein Mitarbeiter zu.

Es soll schon erste Anbandelungen zum Bau von Transporter und Caddy gegeben haben, bislang jedoch ohne Ergebnis. Aber hier ist man sich sicher, dass es schon bald erste Verträge mit VW oder anderen geben wird. Schließlich dürfte der iranische Automarkt mit dem Fall der Sanktionen wieder auf Wachstum umschalten. Allein Iran Khodro rechnet damit, seine Stückzahlen von derzeit 600.000 auf 1,7 Millionen 2020 zu verdreifachen. Vor allem in der Diesel-Entwicklung wünscht man sich einen Partner mit großem Know-how. Denn der Iran will schon bald Euro 5 als Abgas-Maßstab durchsetzen. Diesel? Euro 5? Da war doch was...

 

Tag 1: Abbas mag die "Dooiiitschen"

Abbas hat sich seine Meinung längst gebildet. "Ihr Deutschen", sagt er mit einem Gutteil Anerkennung in der Stimme, "ihr macht das wieder genau richtig. Kaum fällt das Embargo, schon wollt ihr hier Geschäfte machen." Nicht, dass Abbas - sein Nachname soll hier nichts zur Sache tun - überrascht wäre. Er hat eine hohe Meinung von den "Dooiiitschen", seit er in den Siebziger Jahren in Berlin studierte. Heute hat er immer noch mit vielen von ihnen zu tun - als Reiseführer in Teheran.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) besucht den Iran.

Zur Bildergalerie

Schon die Tatsache, dass unser Vizekanzler Sigmar Gabriel nur drei Tage nach dem Wiener Abkommen in die 12-Millionen-Metropole kam, um erste Geschäftskontakte anzubahnen und Verträge abzuschließen, nötigt Abbas Respekt ab. "Hals über Kopf, ohne einen Koffer" sei Gabriel nach Teheran aufgebrochen, sagt er sanft zuspitzend. Aber dass jetzt wenig später allein aus Niedersachsen eine 100-köpfige Delegation unter Führung des Landeswirtsachftsministers in den Iran gekommen ist, macht Abbas auch ein bisschen stolz. "Der Markt ist frei, und der Markt ist leer." Mit seinen einfachen Worten bringt er auf den Punkt, was sich Politiker und Manager in unzähligen Analysen und Gesprächen ebenfalls bestätigen.

Man spürt hier die Verbundenheit der Iraner zu Deutschland - nicht nur bei Abbas. Das Land verfügt über ein vergleichsweise hohes Bildungsniveau, einen respektablen Mittelstand und hohe Ansprüche an sich selbst. Und über uns wissen die Iraner viel mehr als wir über sie. "Dooiiitsche Qualität kaufen wir mit verbundenen Augen", sagt Abbas. Für die Chinesen, die sich in den Jahren der westlichen Sanktionen große Teile des iranischen Marktes erkämpft haben, hat er kein gutes Wort übrig. "Das ist alles Mist, die haben uns gefesselt", sagt der Freizeit-Volkswirt.

Gabriel mag der erste nach dem Wiener Abkommen gewesen sein, der Teheran seine Aufwartung gemacht hat. Aber inzwischen sind nahezu alle europäischen Länder mit Delegationen hier gewesen, von Frankreich bis Tschechien. Im selben Hotel wie die Niedersachsen hat sich gerade auch eine große Gruppe aus Kroatien eingemietet - mit dem Paramentspräsidenten an der Spitze. Das Rennen um die Gunst der Iraner hat längst begonnen. Deutschland hat zwar keinen Zeit-, aber sicher eine Art Heimvorteil.

 
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 79,90 -4,07%
CONTINENTAL 166,45 -0,40%
DELTICOM 16,50 +1,38%
HANNO. RÜCK 99,03 -0,96%
SALZGITTER 31,08 +0,54%
SARTORIUS AG... 69,00 -1,46%
SYMRISE 55,64 -2,41%
TALANX AG NA... 30,00 +0,33%
TUI 12,45 +0,75%
VOLKSWAGEN VZ 119,71 -1,48%
DAX
Chart
DAX 10.491,50 -1,40%
TecDAX 1.688,50 -1,67%
EUR/USD 1,0634 +0,36%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. BANK 15,08 +1,35%
LUFTHANSA 12,20 -0,28%
CONTINENTAL 166,45 -0,40%
MERCK 92,16 -2,69%
INFINEON 15,35 -2,65%
E.ON 6,08 -2,50%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 161,98%
Stabilitas PACIFIC AF 154,75%
Structured Solutio AF 151,92%
AXA IM Fixed Incom RF 141,93%
Crocodile Capital MF 124,32%

mehr