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Schaumburger macht als Braumanufaktur weiter

Geschäftsführer kauft Brauerei Schaumburger macht als Braumanufaktur weiter

Die Schaumburger Brauerei startet nach der Insolvenz wieder durch – als Braumanufaktur. Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Lambrecht hat das Unternehmen gekauft und den Brauereistandort in Stadthagen gerettet.

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Alter und neuer Eigentümer: Friedrich-Wilhelm Lambrecht hat die Schaumburger Brauerei nach der Insolvenz selbst übernommen.

Quelle: Foto: Schaumburger Brauerei

Stadthagen. Ende gut alles gut? Jedenfalls hat die Schaumburger Privat-Brauerei wieder eine Zukunft. Die beginnt offiziell am 1. September. Gut zwei Jahre lang hat sich das Insolvenzverfahren hingezogen. In dieser Zeit hat Insolvenzverwalter Sascha Bibiha mit Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Lambrecht das Unternehmen saniert. Jetzt hat die Schaumburger Private Braumanufaktur, deren Eigentümer Lambrecht ist, die Firma gekauft - und den Braustandort in Stadthagen gerettet.

Seine Braumanufaktur, der Gebäude und Anlagevermögen der Brauerei gehören, war von der Insolvenz nicht betroffen. Zahlungsunfähig war der operative Betrieb mit der Produktion und dem Vertrieb. Eine von Lambrecht neugegründete GmbH wird künftig ebenfalls als Schaumburger Private Braumanufaktur firmieren.

Der 52-Jährige war der „Wunschpartner“ für den Standort und die nach Abschluss des Insolvenzverfahrens noch 14 Mitarbeiter. Daraus macht der Insolvenzverwalter kein Hehl. Lambrecht ist quasi in der Brauerei aufgewachsen und führt das mehr als 140 Jahre alte Unternehmen in der fünften Generation, kennt also Land und Leute in der Region.

Das Interesse an der Brauerei war groß

Doch auch Konkurrenten hatten ein Auge auf die kleine Brauerei geworfen. Rund 20 Anfragen, eine sogar von einer überregionalen Brauerei, gab es, wie Bibiha berichtet. Am Ende hätten sechs potenzielle Investoren ihr Interesse an einer Übernahme bekundet. „Aber die wollten nur Absatz kaufen.“ Am Standort seien sie nicht interessiert gewesen. Die Verhandlungen scheiterten.

Lambrecht dagegen, gelernter Sparkassenkaufmann und Handelsfachwirt, wollte eine „intakte Brauerei“ in Stadthagen erhalten. Unterstützt worden sei er von der großen Solidarität der Bürger in der Region, die ihre Marke behalten wollten, erzählt er. „Manch eine Oma trank statt Kaffee plötzlich unser Bier, um das Unternehmen zu retten.“ Im Frühsommer habe er sich schließlich entschlossen, den Betrieb selbst zu kaufen.

Über den Preis verraten Bibiha und Lambrecht nur so viel: Er sei „auskömmlich“ für die Gläubiger gewesen. Den Ausschlag für Lambrechts Entscheidung dürfte gegeben haben, dass mit seiner Tochter Yvonne Permin, studierter Betriebswirtin, die nächste Generation das Unternehmen weiterführen will - und die Sanierung Wirkung zeigte.

Bier in Kleinstmengen

So wurde der Fuhrpark aufgegeben, um Kosten zu senken. Stattdessen arbeitet die Brauerei künftig mit fünf Getränkefachgroßhändlern zusammen. Sechs Stellen wurden dadurch - sozialverträglich - abgebaut. Zudem wurden Preise und Konditionen durchforstet. „Viele Aufträge waren schlicht nicht profitabel“, sagt der Insolvenzverwalter.

Alle Maßnahmen, bei denen der Betriebsrat, aber auch die Lieferanten voll mitzogen, dienten laut Lambrecht dem Hauptziel: Konzentration auf die Kernkompetenz, das Bierbrauen. Die (Überlebens-)Chance des Unternehmens und der Marke Schaumburger sieht er in der Braumanufaktur. Mit „handwerklich“ hergestellten Bieren in Kleinstmengen will sich der alte und neue Eigentümer von den „immer gleich schmeckenden“ Standardbieren absetzen. Verwendet werde nur bester Aromahopfen, obwohl er um ein Vielfaches teurer sei als herkömmlicher. Aber das mache den Qualitätsunterschied aus. Aus dem gleichen Grund würden auch die Mischverhältnisse der zwölf Biersorten vom Schaumburger Pilsener, Edelherb über Land-Weizen, Natur-Alster bis Erntedank-Bock von Hand bestimmt.

Die Bierspezialitäten haben ihren Preis. Je nach Sorte kostet der Kasten mit 24 Drittelliter-Flaschen zwischen 12,49 und 14,98 Euro. Damit liegt Schaumburger im oberen Mittelfeld. Trotzdem habe man neue Kunden gewonnen, sogar in Hannover, sagt Lambrecht. Nun soll der Außendienst verstärkt werden. „Jetzt starten wir durch.“ Das Konzept als Nischenanbieter mit „unverwechselbaren Sorten“ wie der neuesten Kreation Schaumburger S2-Select mit „malzaromatischem Geschmack“ scheint aufzugehen.

Typische Schornsteinbrauerei

Tradition seit 1873: Die Schaumburger Private Braumanufaktur ist eine typische Schornsteinbrauerei. Vier Fünftel des Geschäfts werden im Umkreis von 50 Kilometern um den Sitz in Stadthagen gemacht, wie Eigentümer Friedrich-Wilhelm Lambrecht sagt. Rund um den Schornstein eben. Und das schon seit 1873. Mit einer Kapazität von 70 000 Hektolitern zählt das Traditionsunternehmen aus dem Schaumburger Land zu den kleinen Brauereien in Niedersachsen. Der Ausstoß erreicht zurzeit rund 40 000 Hektoliter. 35 Prozent davon entfallen auf Fassbier, 65 Prozent auf Flaschenbier, das über den Lebensmitteleinzelhandel vertrieben wird. Zum Vergleich: Die größte deutsche Brauerei-Gruppe Radeberger, die zum Oetker-Konzern gehört, bringt es auf 11,7 Millionen Hektoliter. Dank des wachsenden Trends zur Regionalität können sich jedoch auch kleine Brauereien behaupten – wenn das Geschäftsmodell stimmt.

cb

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