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Niedersachsen Versorger e:veen ist insolvent
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Versorger e:veen ist insolvent
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17:05 13.07.2018
Der Handel mit Strom erfordert viel Liquidität. Quelle: dpa
Hannover

Der hannoversche Energieversorger e:veen ist insolvent. Die Genossenschaft, die nach eigenen Angaben 100.000 Kunden mit Strom und Gas beliefert, darf ihre Sanierung vorerst selbst vorantreiben, wie sie am Freitag mitteilte. Das Amtsgericht Hannover habe die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert fort, die Prognose für die Firma und ihre rund 50 Mitarbeiter sei positiv, sagte der vorläufige Sachwalter Volker Römermann. Der Umsatz belief sich zuletzt auf 100 Millionen Euro.

Für Branchenkenner kommt die Insolvenz nicht überraschend. Nach HAZ-Informationen hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen e:veen erst kürzlich abgemahnt, weil der Versorger Guthaben seiner Kunden verspätet oder gar nicht ausgezahlt haben soll. Solche Ansprüche entstehen, wenn Verbraucher im Laufe einer Vertragsperiode Abschläge in einer Höhe überweisen, die ihre Abnahmemenge übersteigen. Auch mit Konkurrenten gab es offenbar Probleme: Es soll Abmahnungen von Wettbewerbern gegeben haben, die sich auf unerlaubte Praktiken von e:veen bei der Kundengewinnung bezogen haben.

Nach Angaben von Römermann gibt es zwei Gründe für die Schieflage von e:veen: Zum einen habe das Unternehmen nicht mit dem Anstieg der Strompreise gerechnet – die Erhöhungen habe man nicht an die Kunden weitergeben können. Für Maßnahmen zur Preisabsicherung sei die nötige Liquidität nicht vorhanden gewesen. Zum anderen habe ein interne Auseinandersetzung die Genossenschaft daran gehindert, Kapitalgeber von außen anzulocken. Interessierte Investoren hätten auf eine Umwandlung in eine GmbH oder Aktiengesellschaft bestanden – diesen Schritt habe ein Genossenschaftsmitglied jedoch blockiert, hieß es.

Die e:veen Energie eG ist aus der 2010 gegründeten Bürger-Stadtwerke-Genossenschaft hervorgegangen. Ein Jahr später kam der frühere Unternehmensberater Dieter Carstens dazu, der noch heute als Vorstand amtiert. Um die Basis des Unternehmens zu verbreitern, habe man ursprünglich möglichst viele Kunden zu Mitgliedern der Genossenschaft machen wollen, sagte Römermann. Aus diesem Vorhaben wurde aber offenbar nichts: Laut Bundesanzeiger zählte die e:veen Energie eG Ende 2014 nur vier Mitglieder. Ob es inzwischen mehr geworden sind, blieb gestern unklar.

Römermann sieht gute Chancen, im Insolvenzverfahren die Rechtsform der Genossenschaft zu ändern. Dafür sei nur die Zustimmung der Gläubiger erforderlich – einzelne Mitglieder der e:veen eG könnten die Umwandlung nicht aufhalten.

Von Jens Heitmann

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