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Hannovers Industrie hängt den Rest des Landes ab

Hannover-Trend Hannovers Industrie hängt den Rest des Landes ab

Angetrieben von einer optimistischen Industrie hat sich die Stimmung in Hannovers Wirtschaft deutlich stärker aufgehellt als im Rest Niedersachsens. Der Konjunkturklimaindikator der IHK Hannover stieg im ersten Quartal um fünf auf 120 Punkte. Im Land insgesamt gab es lediglich ein Plus von einem Punkt auf 116 Punkte.

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Gute Auftragslage: Hannovers Industrie – hier Produktion beim Batteriehersteller Johnson Controls – ist zuversichtlich. Foto: dpa

Quelle: Holger Hollemann

Hannover. „Die Geschäftserwartungen in der Region Hannover sind optimistischer als der Landesschnitt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage. Dies liegt vor allem an der Industrie. Die Unternehmen im Großraum Hannover verzeichneten stärkere Auftragseingänge und hätten höhere Exporterwartungen als in anderen Regionen, erklärt Schrage. In der IHK-Konjunkturumfrage ergab sich für das verarbeitende Gewerbe in der Region ein Indexwert von 130 Punkten - während er landesweit gerade 119 Punkte erreichte. Beobachter erklären das damit, dass Hannovers Industrie nicht so stark von Volkswagen abhängig ist wie beispielsweise Firmen im Großraum Wolfsburg-Braunschweig.

Der HAZ-Hannover-Trend, der in Zusammenarbeit mit Arbeitsagentur, Creditreform und IHK Hannover entsteht, zeigt allerdings auch, dass hier vor allem Hoffnungen auf kommende Geschäfte eine Rolle spielen. Bei der Wahrnehmung der aktuellen Lage unterscheidet sich Hannovers Industrie nicht wesentlich vom Rest des Landes. Und als Jobmotor wird sie auch nicht in Erscheinung treten. Die Zahl der Betriebe, die Stellen schaffen wollen, übersteigt die derjenigen mit Sparplänen nur geringfügig. Lediglich im Maschinenbau steht der Erhebung zufolge ein Stellenaufbau bevor.

Fortlaufende Quartals-Grafik Hannovertrend über Bonität, Gründungen, Pleiten, Offene Stellen, Konjunkturklimaindikator der regionalen Wirtschaft

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Hinzu kommt, dass die Lage in anderen Branchen weitaus schlechter beurteilt wird. Hannovers Banken etwa befinden sich dank Nullzins und Kostendruck in einer Frühjahrsdepression. Der Branchenindex, dessen Mittelwert bei 100 liegt, erreicht hier gerade noch 61 Punkte. Zwei von drei Befragten rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Lage. 51 Prozent wollen Jobs streichen.

In anderen Branchen dagegen entfalten die Niedrigzinsen nicht die erwarteten Vorteile - etwa bei Investitionen. Womöglich sei es „die allgemeine Sattheit, die keinen Anreiz für Impulse gibt“, mutmaßt Hannovers Creditreform-Chef Holger Bissel. Auch die Finanzkraft der Firmen will sich „nach Jahren guter Gewinne“ nicht bessern. Der Bonitätsindex - ein Mittelwert aus allen Benotungen, die Creditreform in der Region vergibt - hat sich abermals leicht verschlechtert. Bissel kann sich das nicht erklären: „Wenn man bedenkt, welchen Boom die Bauwirtschaft erlebt, welche Chancen das Handwerk hat, ist die Entwicklung alles in allem enttäuschend.“ Die fehlende Dynamik zeigt sich auch in einer geringen Zahl von Firmengründungen. Sie lag mit 494 erstmals seit sechs Jahren in einem ersten Quartal wieder unter der Marke von 500.

Der Arbeitsmarkt bleibt davon noch weitgehend unbeeindruckt. „Die gemeldeten Stellen zeigen im Vergleich zum Vorjahr einen deutlich positiven Trend“, sagt Christoph Tietje, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Hannover. Das Plus liegt bei 6,7 Prozent. Allerdings braucht man derzeit eher in Berufen mit unterdurchschnittlicher Bezahlung mehr Mitarbeiter. Vor allem die Gastronomie - seit Jahren eine der Hauptprofiteurinnen der robusten Binnennachfrage - sucht Personal. Hier sind der Arbeitsagentur im ersten Quartal fast 50 Prozent mehr offene Stellen gemeldet worden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Im Hotel- und Gaststättengewerbe können wir das Stellenaufkommen nicht decken“, so Tietje.

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