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Niedersachsen Hannovers Versicherer wollen Ausbildung neu ordnen
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00:16 11.05.2017
„Versicherer brauchen viele Hochschulabsolventen“: Also arbeiten Uni-Präsident Volker Epping (li.) und HDI-Chef Christian Hinsch jetzt zusammen. Quelle: Samantha Franson
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Herr Hinsch, warum gründet die hannoversche Versicherungswirtschaft zusammen mit der Leibniz-Universität das „House of Insurance“?

Hinsch: Das ist so ähnlich wie mit dem Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96. Wir wollen unsere Chancen verbessern, qualifizierte neue Mitarbeiter für unsere Unternehmen zu gewinnen. Versicherungsunternehmen brauchen viele Hochschulabsolventen. Zum Beispiel sind ungefähr 50 Prozent der Mitarbeiter hier in der HDI-Zentrale Akademiker.

Haben Sie Probleme bei der Mitarbeitersuche?

Hinsch: Wir stehen im Wettbewerb zu deutschen und internationalen Unternehmen - und zu Standorten wie Zürich, London und Paris. Hannover gehört in Deutschland zu den wichtigsten Versicherungsplätzen, aber es ist für uns schwierig, zum Beispiel jemanden aus München oder Köln hierher zu bekommen. Wir haben also ein hohes Interesse daran, Studenten von hier für uns zu gewinnen, denn die wissen Hannover schon zu schätzen - so wie wir alle hier.

Herr Epping, warum macht die Leibniz-Universität mit?

Epping: Es geht uns auch darum, den Standort Hannover zu stärken. Hannover ist bundesweit einer der größten Standorte der Versicherungswirtschaft, das wollen und sollten wir als Universität nutzen. Das „House of Insurance“ kann ein Leuchtturm werden - wie das „House of Finance“ in Frankfurt. Diese Einrichtung wird von den Banken gefördert und ist zur Top-Adresse für Forschung und Lehre im Finanzbereich geworden. Außerdem wird unser Lehrstuhl für Versicherungsmathematik schon jetzt, namentlich im Bereich von Abschlussarbeiten, von den Studierenden überrollt, denn die Mathematik-Studenten sehen, dass die Versicherungswirtschaft Nachwuchs sucht. Deswegen haben wir hier eine weitere Professorenstelle geschaffen.

Das ist Volker Epping

Volker Epping 
ist seit Anfang 2015 Präsident der Leibniz-Universität Hannover. Der Jura-Professor mit dem Fachgebiet Öffentliches Recht, Völker- und Europarecht war Ende 2001 von Münster nach Hannover gewechselt. Epping wurde 1959 in Dortmund geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder

Wie ist die Idee entstanden?

Hinsch: Nachdem Herr Epping zum Uni-Präsidenten gewählt worden war, suchte er den Kontakt zu hannoverschen Versicherungsunternehmen. Bei unserem ersten Treffen haben wir die Idee einer Weiterentwicklung des bestehenden Kompetenzzentrums entwickelt. Namens der sieben hannoverschen Versicherer Concordia, Hannover Rück, Mecklenburgische, Talanx/HDI, VGH, VHV und Wertgarantie, die gemeinsam das bereits bestehende Kompetenzzentrum fördern, habe ich dann auch den Vertrag mit der Leibniz-Universität ausgehandelt.

Die Universität und die Versicherungswirtschaft sind bereits am Kompetenzzentrum für Versicherungswissenschaften beteiligt. Warum soll nun das „House of Insurance“ an dessen Stelle treten?

Hinsch: Dieser Vorläufer ist gut, aber das, was jetzt geschaffen wird, soll noch besser werden. Erstens ist das „House of Insurance“ weniger komplex. Schließlich sind nur die Leibniz-Universität und die Versicherungswirtschaft beteiligt. Beim Kompetenzzentrum waren dagegen auch die Medizinische Hochschule Hannover, die Uni Göttingen und das Land Niedersachsen dabei. Außerdem soll das neue Institut die Lehre stärker betonen als sein Vorgänger. Für uns ist nicht nur die Forschung wichtig, die Ausbildung von akademischem Nachwuchs ist mindestens gleichrangig.

Epping: Auch die Finanzierung spielt eine Rolle. Das Kompetenzzentrum wurde vor zehn Jahren mit einer Strukturförderungsmaßnahme des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums angeschoben und in Form einer GmbH gegründet. Dieses Konstrukt wurde später in die Hände des Wissenschaftsministeriums überführt. Dieses hat ganz klar gesagt, dass es keine Gelder in eine GmbH fließen lassen wird. Wir mussten die Kooperation also ohnehin neu aufstellen und haben uns vor diesem Hintergrund auch für eine Verdichtung an einem Standort entschieden.

Das ist Christian Hinsch

Christian Hinsch führt seit 2003 den HDI und ist seit 2009 zugleich stellvertretender Vorstandschef des Talanx-Konzerns. Der promovierte Jurist, geboren am 1. August 1955, hat sein ganzes Berufsleben bei dem hannoverschen Versicherungskonzern verbracht. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Wie genau wollen Sie die Studenten für Versicherungen als Arbeitgeber begeistern?

Hinsch: Das „House of Insurance“ rückt näher an die Uni heran als das Kompetenzzentrum. Das ist uns sehr wichtig. Nicht nur die wenigen Assistenten, die an dem Institut arbeiten, sondern praktisch alle Studenten sollen sich schon im Rahmen ihres normalen Curriculums ein Bild machen können von unserer Branche - und ob diese für sie attraktiv sein könnte.

Wo wird die neue Einrichtung untergebracht?

Epping: Wenn der Maschinenbau nach Garbsen umgezogen ist, könnten wir 2019 oder 2020 das „House of Insurance“ auf einer Etage im Hochhaus am Conti-Campus zusammenführen. Das ist wichtig, weil Forschende, Lehrende und Studierende sich dann auch schlicht einmal beim Kaffee treffen und austauschen können. Gleichzeitig werden die Professoren weiterhin an ihre Fakultäten angebunden bleiben.

Wie sieht die personelle Ausstattung aus?

Epping: Es wird zwei Lehrstühle für Versicherungsmathematik geben, einen für Versicherungsrecht und einen für Versicherungsbetriebslehre. Insgesamt rechne ich mit 20 bis 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Kolleginnen und Kollegen sollen aber auch Drittmittel akquirieren. Ich hätte nichts dagegen, wenn daraus irgendwann ein Großinstitut mit 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird.

Herr Hinsch, können und wollen Sie auch Einfluss auf die Lehrinhalte nehmen?

Hinsch: Die Lehre ist unabhängig. Das schreibt das Gesetz vor. Die Entscheidung liegt also allein bei der Uni und den Professoren. Aber wir wollen natürlich unsere Meinung einbringen. Wir haben einen Beirat gebildet mit Vorstandsmitgliedern aus den verschiedenen Gesellschaften. Die sprechen regelmäßig mit den Professoren über Themen, die uns bewegen. Das kann in Inhalte von Arbeitsgemeinschaften einfließen, aber auch in individuelle Bachelor- oder Masterarbeiten.

Epping: Der Austausch mit der Praxis ist auch für uns wichtig. Die Wissenschaftler müssen auch aus der Praxis relevante Probleme geschildert bekommen, die sie dann bearbeiten können. Ich weiß dies auch aus eigener Erfahrung als Rechtswissenschaftler. Die Auswahl der Themen für Abschlussarbeiten bleibt natürlich Sache der Studierenden und der Lehrenden.

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