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Herr Jagau, warum kostet das Girokonto 7 Euro?

Sparkassen-Chef im Interview Herr Jagau, warum kostet das Girokonto 7 Euro?

Mit der Ankündigung, für Girokonten künftig 7 Euro im Monat an Gebühren zu nehmen, hat die Sparkasse Hannover sich etliche Beschwerden von Kunden eingehandelt. Vorstand Heinrich Jagau verteidigt im Interview den neuen Kurs – und kündigt zudem an: „Unser Filialnetz wird in den nächsten Jahren dünner werden.“

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Die Sparkasse Hannover sucht neue Wege – und erhöht die Preise. Foto: dpa

Quelle: Julian Stratenschulte/HAZ/Montage

Herr Jagau, die Sparkasse Hannover hat kürzlich mitgeteilt, dass sie ihr kostenloses Online-Girokonto abschafft. Künftig kostet ein Konto bei Ihnen in der Regel 7 Euro pro Monat - und zwar egal, auf welchem Weg man es nutzt. Dazu kommen dann noch die ebenfalls erhöhten Gebühren für die Kreditkarte. Wie sind die Reaktionen in Ihrer Kundschaft?
Es haben sich schon etliche Kunden deswegen in den Filialen gemeldet, das war nicht anders zu erwarten. Insgesamt ist das Echo aber moderat. Unsere Mitarbeiter erläutern unseren Kunden die Entscheidung. Wir haben nachvollziehbare Gründe, die bei vielen auf Verständnis stoßen.

Gibt es schon Kündigungen deswegen?
Ja, eine niedrige dreistellige Zahl an Kunden hat bis jetzt widersprochen. Wir erwarten auch weitere Abgänge von Kunden, die nur auf den Preis gucken.

Wie groß könnte der Kundenschwund ausfallen?
Wir kalkulieren mit einem Verlust von etwa 2 bis 3 Prozent in den nächsten Jahren. Das wären etwa 10 000 bis 15 000 private Girokonten. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass wir mit weniger Neukunden rechnen.

Viele Kunden sind an das kostenlose Girokonto gewöhnt. Warum verprellen Sie diese Gruppe?
Wir haben das kostenlose Online-Girokonto erst 1999 eingeführt, davor gab es auch keine kostenlosen Konten. Damals gab es deswegen heftige Diskussionen unter den Sparkassen. Wir sind sogar beschimpft worden, weil andere diesen Weg nicht gehen wollten.

Beschimpft werden Sie jetzt aber auch. Manche Kritiker erinnern an Ihren öffentlichen Auftrag, der Sie schließlich von privaten Banken unterscheidet.
Öffentlicher Auftrag heißt nicht, dass wir etwas verschenken können. Wir können unseren Auftrag nur erfüllen, wenn wir stabil und gesund bleiben. Das Konto ist eine Dienstleistung, die uns etwas kostet. Und wir müssen unser Eigenkapital, anders als private Banken, selbst verdienen.

Warum beenden Sie die Ära des kostenlosen Kontos?
Es fällt uns heute wegen der EZB-Nullzinspolitik ausgesprochen schwer, mit Einlagen noch Geld zu verdienen. Früher konnten wir mit dem Bodensatz, also dem weitgehend stabilen Einlagenbestand, genug Erträge erwirtschaften, um das kostenlose Konto zu subventionieren, das geht heute nicht mehr.

Warum?
Wir leben von der Differenz zwischen Einlagenzins und Kreditzins, die immer weiter schmilzt. Früher waren das im Schnitt über 2,5 Prozent, zeitweise sogar über 3 Prozent. Heute liegen wir nur noch bei 2 Prozent - und es geht weiter abwärts. Das liegt vor allem daran, dass Baugeld immer billiger geworden - für die Einlagenzinsen dagegen bei null Prozent Zins derzeit Schluss ist.

Ihre Begründung dürfte allerdings viele Kunden nicht interessieren. Sie suchen sich eine andere Bank, die ihnen das Konto weiterhin zum Nulltarif anbietet.
Die „Geiz ist geil“-Mentalität wird sich nicht durchsetzen, weil sie nicht nachhaltig ist. Viele Kunden gucken auf die Leistungsfähigkeit. Und da bieten wir mehr, unser Konto ist mehr wert. Zum Beispiel sind die Sparkassen bei der Datensicherheit führend. Und wir haben die höchste Zahl an Geldautomaten unter allen Bankengruppen.

Direktbanken werben ebenfalls mit kostenloser Bargeldbeschaffung am Automaten.
Das mag so sein. Aber auch für Onlinebanken werden die Zeiten schwieriger. Ich prophezeie Ihnen, dass es auch bei diesen Banken zu Änderungen kommt. Zudem bieten wir weitere Leistungen.

Was denn?
Viele Menschen, auch wenn sie Online- oder Mobile-Banking betreiben, wollen weiter die Möglichkeit haben, mit einem Berater in der Filiale persönlich zu sprechen. Sie wollen einen Navigator, der sie bei bestimmten Themen unterstützt - denken Sie etwa an das Thema Erbschaft, denken Sie an Vorsorgeberatungen. Das bieten die sogenannten Direktbanken nicht.

Wollen Sie nur Ihre Preise erhöhen, oder sind auch weitere Kostensenkungen geplant?
Wir arbeiten schon länger an den Kosten und müssen dies jetzt noch verschärfen, damit wir in unserem Kerngeschäft handlungsfähig bleiben. Dabei geht es um Personal- und um Sachkosten. Unser Filialnetz wird in den nächsten Jahren dünner werden. Wir werden dort verstärkt auf Beratungsleistung setzen und die Serviceangebote über Telefon, Internet und mobile Endgeräte entsprechend dem Nutzungsverhalten unserer Kunden ausbauen. Im Verwaltungsbereich werden wir ebenfalls verschlanken.

Können Sie schon sagen, wie viele Arbeitsplätze wegfallen?
Nein. Anfang 2017 werden wir wohl Genaueres sagen können.

Sie waren vergangene Woche auf dem Deutschen Sparkassentag in Düsseldorf. Die Stimmung dort dürfte angesichts der Probleme der Branche ziemlich trübe gewesen sein.
Nein. Sicher steckt unsere Branche vor allem wegen der Digitalisierung in einer Umwälzung. Niemand im Bankensektor kennt im Moment den Königsweg. Niemand weiß, wie unser Markt in fünf Jahren aussieht. Aber bei einem bin ich mir absolut sicher: Die Sparkassen bringen mit ihrer regionalen und nachhaltigen Ausrichtung und mit der Schlagkraft einer großen Gruppe die besten Voraussetzungen mit, um gerade in dieser Zeit ihre Marktführerschaft zu behaupten.

Interview: Albrecht Scheuermann

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Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

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