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00:22 10.10.2015
„Zeit“-Chef Giovanni di Lorenzo diskutiert auf dem Podium in Herrenhausen. Quelle: Philipp von Ditfurth
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„Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo zeigt sich selbstkritisch: Das Ansehen der Medien habe schon mal bessere Zeiten gesehen, doch daran trügen die Journalisten aus Zeitung, Radio und Fernsehen durchaus eine Mitschuld: „Es ist ein schmaler Grat dazwischen, die vierte Gewalt oder die fiese Gewalt zu sein“, sagte di Lorenzo Mittwochabend vor 350 Gästen in der Galerie Herrenhausen. Auf einem hochkarätig besetzten Podium diskutierte der Journalist beim 6. Herrenhäuser Wirtschaftsforum von Niedersachsen-Metall und Industrieclub Hannover über die Chancen und die Mängel seiner Zunft.

Investigativer und gut recherchierender Journalismus sei zentral für die Demokratie, Journalismus damit kein „Produkt wie jedes andere“, so di Lorenzo. Doch andererseits gebe es heutzutage eine hohe Konformität deutscher Journalisten, beim Skandal ebenso wie beim Lob. Journalisten würden dazu neigen, zu schnell Schlüsse zu ziehen.

Di Lorenzo untermalte seine Selbstkritik mit einem eigenen Fehler: Im März hatte seine Wochenzeitung kurz nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine einen Titel veröffentlicht, der über den Absturz des Mythos Lufthansa sinnierte. Man habe schnell auf das Unglück reagieren wollen, im Nachhinein habe man erkennen müssen: zu schnell. „Der Titel war ein Fehler, und der geht auf meine Kappe“, sagte di Lorenzo. Journalismus müsse weiterhin unangenehme Fragen stellen, brauche aber mehr Demut und mehr Distanz, sagte der Journalist.

Die veränderte Medienwelt stelle auch Unternehmen in ihrer Kommunikation vor eine Herausforderung, meinte Jürgen Kornmann, Sprecher der Bahn AG im Personenverkehr. „Wir müssen schneller werden“, die sozialen Medien würden einen dazu zwingen. Das sei auch die Realität für Journalisten, meinte Kai Gniffke, Chefredakteur von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. „Die sozialen Medien warten nicht mehr.“

Die von di Lorenzo angesprochene Konformität in den Medien bedauerte auch der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner. „Mein Wunsch wäre, dass Medien von dem Reichtum der Medien Gebrauch machen. Ich wünsche mir mehr Funkenflug in den Medien“, sagte er. Seine größte Sorge sei, dass die öffentliche Diskussion leide, wenn kontroverse Meinungen ohne öffentliche Attacken nicht mehr möglich sein würden.

„Warum haben die großen Vorstandsvorsitzenden Angst, in die Öffentlichkeit zu gehen? Weil alles, was sie sagen, auf das Unternehmen zurückfallen kann. Auch ein Shitstorm“, sagte Jürgen Hambrecht, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF. Also würden sich viele ungern positionieren. „Und den Rest bekommen Sie von Ihren Kommunikationsstäben abtrainiert, sodass ein Interview mit Herrn Zetsche so spannend ist wie ein LeFloid-Interview mit der Kanzlerin“, so Gniffke.

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