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Herrenhäuser Wirtschaftsforum bespaßt das Publikum

Kabarett Herrenhäuser Wirtschaftsforum bespaßt das Publikum

Bei dem jüngsten Herrenhäuser Wirtschaftsforum zeigten sich schnell die kabarettistischen Qualitäten der Redner. Das Thema des Abends „Satire und Spaß als neue Informationsquellen – seriöse Kommunikation in der Glaubwürdigkeitskrise“ wurde an diversen praktischen Beispielen amüsant vorgetragen.

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"Am besten hat mir der Frauenanteil gefallen": Florian Schroeder (Dritter von links) zwischen Wolfram Fritsch vom Industrieclub Hannover, Werner Hansch, Peer Steinbrück, Wolfgang Bosbach, Volker Schmidt und Andreas Dörner (v.l.).

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. „Also wirklich“, sagt der Mann mit dem Mikrofon und setzt dazu ein treuherziges Lächeln auf, „immer hackt wird auf der FDP herumgehackt.“ Und das, obwohl sie, ganz zu Recht, „Nichtstun ist Machtmissbrauch“ plakatiert habe. „Dabei tut Lindner doch was: Er schmeißt hin.“ In die ersten Lacher hinein lobt Florian Schroeder, der Mann mit dem Mikro, dass der FDP-Chef dem Land so einen Finanzminister Kubicki erspare, der als Anwalt den für den Staat milliardenteuren Cum-Ex-Steuertrickser Hanno Berger vertritt. „Davon haben doch bestimmt auch hier einige profitiert“, fügt der Moderator hinzu. Schließlich sei vor dem Podium, fügt er grinsend hinzu, „ein durch und durch links-grün versifftes Milieu“ versammelt.

Ein Abend im Zeichen der Satire

Da gehen die nächsten Lacher durchs Publikum. Denn es weiß ja, dass dieser Abend ganz im Zeichen von Scherz, Satire, Ironie steht, dass deren tiefere Bedeutung nicht unbedingt offenkundig sein muss. Tatsächlich herrschen in der Galerie Herrenhausen männliche Anzugträger vor. Schließlich ist dies das Herrenhäuser Wirtschaftsforum, das Niedersachsen-Metall mit dem Industrieclub Hannover gemeinsam veranstaltet. „Satire und Spaß als neue Informationsquellen – seriöse Kommunikation in der Glaubwürdigkeitskrise“ ist der Titel der Veranstaltung.

Dabei hat schon Schroeders Anmoderation das Publikum durchaus ernsthaft einem Test unterzogen. Satire, sagt der Kabarettist, entstehe gerade nicht, wenn man den Bekehrten predige, sondern indem man den wohlkalkulierten „Witz gegen die eigene Zielgruppe“ wage. In diesem Fall also gegenüber Menschen, deren Neigungen eher bei den Liberalen als bei satten Spitzensteuersätzen liegen. Zwar verfolgen die Veranstalter ein ganz ernsthaftes Anliegen: Dass keine 10 Prozent der unter 20-Jährigen noch die klassischen Informationskanäle nutzten, wohl aber Satiresendungen guckten, empfinde er als krisenhaft, sagt Niedersachsen-Metall-Geschäftsführer Volker Schmidt.

Doch dieses Forum ist selbst weniger Informationsveranstaltung als gehobenes Kabarett. Denn fast alle auf dem prominent besetzten Podium folgen Schroeders Devise, dass man „lieber einen Freund als einen Witz“ verliere. Und die Dramaturgie folgt der unausgesprochenen Regel, dass man über alles, nur nicht über eine Viertelstunde reden darf – weshalb es erst drei Zwiegespräche und dann eine Schlussrunde mit (fast) allen gibt. Das Publikum wird so mit etwas partikularen, wenn auch witzigen Anmerkungen versorgt.

Vom Sozialdemokraten Peer Steinbrück ist da zu erfahren, dass eine Große Koalition möglich wäre, „aber nur ohne Schulz – und ohne Merkel“. Dass er jenen Magazintitel, auf dem er sich 2013 als Kanzlerkandidat mit gestrecktem Mittelfinger zeigte, bedauert („Das hat mich den Wahlsieg gekostet“). Und dass er nun die Kandidatur für 2025 anstrebe („Dann schon mit Rollator“).

Ganz hellwach ist der 79-jährige Sportmoderator Werner Hansch zu erleben, der neben erwartbaren Witzen über Schalke auch Mitleid für den FC Köln zeigt. Als unerschütterlicher FC-Fan („Wir feiern bis zum Anpfiff!“) präsentiert sich der Kölner Christdemokrat Wolfgang Bosbach, der zwar aus dem Bundestag ausgeschieden ist, aber auf Nachfrage einräumt, dass er für eine Große Koalition jederzeit als Innenminister bereitstünde.

Und von der Zeitarbeitsunternehmerin Tina Voss, die Schroeder anfangs kurz aufs Podium bittet und dafür lobt, dass sie „sich nach ihrer eigenen Firma benannt“ habe, ist zu erfahren, dass sie die Aha-Kampagne „Sei kein Sackgesicht“, die nach Kritik zurückgezogen wurde, „einfach durchgezogen“ hätte. Ihnen hätte man gern noch länger zugehört. Nur beim Referat des Medienwissenschaftlers Andreas Dörner darüber, dass der steigende Kalauerpegel der „heute-Show“ nachweislich zu wachsender Politikerverdrossenheit führe, schaut außer manchem im Publikum auch Moderator Schroeder auf die Uhr – und unterbricht den Forscher nach genau einer Viertelstunde.

Wenig Belehrung

Viel Unterhaltung, wenig Belehrung hat dieser Abend geboten, an dessen Ende Schroeder sich auch noch über die Geschlechterverteilung auf dem Podium bis hin zur komplett männlichen Schlussrunde mokiert. „Am besten“, sagt er da vor lachendem Publikum, in dessen erster Reihe längst wieder und immer noch Tina Voss sitzt, „hat mir der Frauenanteil gefallen.

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