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Niedersachsen Hier wird in Niedersachsen nach Gas gesucht
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00:17 10.12.2015
Von Carola Böse-Fischer
Quelle: dpa
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Hannover

Das meiste Erdgas, das in Deutschland gefördert wird, stammt aus niedersächsischen Quellen. Seit einigen Jahren ist die Erdgasförderung jedoch rückläufig, weil viele Lagerstätten ausgebeutet sind. Die Erschließung neuer Gasfelder werde durch die Verzögerung von Genehmigungen behindert, heißt es beim Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hannover. Der WEG vertritt die Interessen der deutschen Öl- und Gasbranche.

Das hält einen kanadischen Öl- und Gasproduzenten aber nicht von der Erkundung neuer Lagerstätten ab. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover hat der deutschen Tochter des Konzerns Vermilion Energy aus Calgary dafür grünes Licht gegeben. Vermilion Energy Germany habe eine bis zum 30. November 2020 befristete „Aufsuchungserlaubnis“ im Nordosten Niedersachsens erhalten, teilte das LBEG am Montag mit. Es handele sich um ein 378 Quadratkilometer großes Areal, das die Landkreise Celle, Uelzen, Gifhorn und Heidekreis berühre.

Das Gebiet, Erlaubnisfeld Weesen genannt, liege im Erdöl-Erdgas-Gürtel, der sich südlich von Bremen von Westen nach Osten erstrecke, wie ein Sprecher der Behörde erläuterte. Hier gebe es viele Lagerstätten. Von 1978 bis 2009 habe etwa die BASF-Tochter Wintershall im nordöstlichsten Zipfel dieses Bereichs Erdgas aus 4000 Metern Tiefe gefördert.

Nun wollen offenbar die Kanadier, verglichen mit Großkonzernen wie Exxon-Mobil ein kleiner Produzent, ihr Glück versuchen. Erster Schritt ist laut LBEG die Aufsuchungserlaubnis. Sie beinhalte nur eine Recherche wie das Sammeln von Informationen über mögliche Öl- oder Gasvorkommen im Feld Weesen. Fällt sie positiv aus, kann Vermilion eine Genehmigung für seismische Untersuchungen und Erkundungsbohrungen beantragen, wie der Sprecher erklärte. Für den dritten Schritt, die technischen Maßnahmen für eine Förderbohrung in einem „Bewilligungsfeld“, brauche das Unternehmen eine weitere Genehmigung. Erst danach dürfe es die Lagerstätte betreiben.

Mit der Aufsuchungserlaubnis habe das LBEG Vermilion Energy Germany mithin keine „Genehmigung zur Durchführung einer Fracking-Maßnahme“ erteilt, wie das Amt betonte. Bei dem hierzulande heftig umstrittenen Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck in die Tiefe gepresst, um das Gestein zu sprengen und so das Gas freizusetzen. In Deutschland gilt vorerst ein Moratorium.

Heimische Öl- und Gasproduktion schrumpft

Niedersachsen Nummer eins beim Gas: 9,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas wurden nach Angaben des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) 2014 aus deutschen Quellen gefördert, verglichen mit 9,8 Milliarden 2013 und 10,8 Milliarden 2012. Davon stammten über 96 Prozent aus Niedersachsen. Die Reserven im Boden betragen laut WEG 82,9 Milliarden Kubikmeter. Rückläufig ist auch die Ölproduktion. 2,4 Millionen Tonnen wurden aus heimischen Lagerstätten gepumpt. In den beiden Vorjahren waren es jeweils 2,6 Millionen Tonnen. Niedersachsen ist daran mit knapp 34 Prozent beteiligt. Nummer eins unter den Ländern ist Schleswig-Holstein mit gut 55 Prozent. Die Reserven werden auf 31 Millionen Tonnen veranschlagt. Für die Öl- und Gasförderung musste die Branche 2014 Förderabgaben von über 601 Millionen Euro an den Staat entrichten, davon 477 Millionen Euro in Niedersachsen.  cb

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