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Niedersachsen Kind will künftig auch Brillen verkaufen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kind will künftig auch Brillen verkaufen
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00:15 16.06.2016
Von Jens Heitmann
Unternehmer Martin Kind will künftig auch Brillen verkaufen. Quelle: Treblin
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Großburgwedel/Osnabrück

Groß, schwarz und eckig ist bei Brillen angeblich out – der Trend gehe zu „Beerentönen“ wie Blau, Violett und Rot, sagt Thomas Truckenbrod. Der Mann muss es wissen, denn er ist der Präsident des Zentralverbandes der Optiker.

Die Branche hat es geschafft, aus der lästigen Lesehilfe einen Modeartikel zu machen – Männer, die es sich leisten können, wechseln das Gestell passend zur Farbe der Krawatte, Frauen orientieren sich an allen möglichen Accessoires. Auch bei Hörgeräten zeigt sich ein neuer Trend: Sie fallen inzwischen so klein aus, dass ihre Träger sie hinter dem Ohr verstecken.

Extrovertiert die einen, eher verschämt die anderen – dass sich Brillen und Hörgeräte im gleichen Geschäft verkaufen lassen, mag auf den ersten Blick erstaunen. Und doch funktioniert das Konzept: 40 Prozent der selbstständigen Akustiker bieten ihren Kunden auch Brillen an.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis die Marktführer diese Geschäftsidee für sich entdecken. Günther Fielmann machte der Anfang: Der größte Brillenhändler hierzulande nimmt in immer mehr Filialen Hörgeräte ins Sortiment. Inzwischen ist der Hamburger Unternehmer bereits die Nummer vier in dieser Branche – hinter den Konkurrenten Kind, Geers und Amplifon.

In Großburgwedel hat man die Bedeutung des neuen Wettbewerbers bisher immer heruntergespielt, doch nun will Kind beweisen, dass der Einstieg in einen fremden Markt auch umgekehrt möglich ist: In der nächsten Woche eröffnet das Familienunternehmen in Osnabrück die erste Filiale, die auch Brillen im Angebot hat. Mit Fielmann habe das aber nichts zu tun, versichert Geschäftsführer Alexander Kind. Es sei schlicht so: „95 Prozent unserer Hörgerätekunden sind Brillenträger.“

Und dieser Markt wächst: Die Babyboomer aus den Sechzigerjahren stellen heute die „Generation Gleitsichtbrille“, schon bald werden sie nicht nur vielfach schlechter sehen, sondern auch deutlich weniger hören. Aktuell ist der Markt für Brillen in Deutschland mit 5,6 Milliarden Euro viermal größer als der für Hörgeräte, knapp 12 000 Optikergeschäften stehen etwa 4100 Akustiker gegenüber.

Wer eine Hörhilfe trägt, ist ein treuer Kunde, der alle drei Monate zum Service den Akustiker aufsucht – parallel zum Hörtest will Kind dann auch einen Sehtest anbieten. In fünf Jahren sollen 20 bis 30 Prozent der heute 600 Filialen Kombigeschäfte sein. Von den Billigheimern der Branche möchte Kind sich absetzen: „Wir werden uns ausschließlich über vernünftige Qualität zu fairen Preisen positionieren.“ Während Fielmann bei Hörgeräten keine Eigenmarken im Angebot hat, will Kind später auch Brillenfassungen aus eigener Fertigung ins Sortiment nehmen.

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