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Niedersachsen IG Metall droht Conti mit Arbeitskampf
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen IG Metall droht Conti mit Arbeitskampf
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00:15 10.09.2015
Von Lars Ruzic
Eskalation befürchtet: Die Conti-Belegschaft wehrt sich – wie hier vor Kurzem bei einer Demonstration in Hannover – gegen den geplanten Jobabbau im Gifhorner Werk.   Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Hannover. Nach neun Monaten Verhandlungen über die Sanierung des Continental-Werks in Gifhorn stehen die Gespräche auf Messers Schneide. Der Autozulieferer drängt auf ein Ergebnis noch in diesem Monat, die IG Metall droht mit weiteren Arbeitskämpfen. Wenn Conti nicht einlenke, werde der Konflikt eskalieren, sagte IG-Metall- Bezirkschef Hartmut Meine der HAZ. „Ein Abholzen auf Kosten der Fachkräfte wird die Belegschaft nicht widerstandslos hinnehmen.“

Am Freitag war die inzwischen zwölfte Verhandlungsrunde zwischen beiden Seiten ohne Ergebnis geblieben. Man ging auseinander, ohne sich auf einen weiteren Termin zu verständigen. Das Tischtuch sei aber noch nicht komplett zerschnitten, heißt es aus Verhandlungskreisen. Gestern wurde die Belegschaft auf einer Betriebsversammlung über die Abbaupläne von Conti informiert. Der Konzern will die Belegschaft auf 900 Mitarbeiter im Jahr 2020 und 800 Beschäftigte 2023 zusammenstreichen. Dies entspräche einer Halbierung gegenüber dem Zeitpunkt, als die Verhandlungen begonnen wurden.

An dem Standort rechnen sich nach Conti-Darstellung mehrere Produktionszweige nicht mehr. Die vergleichsweise einfachen Bremszylinder stelle kein Konkurrent mehr in einem Hochlohnland her. Auch der hannoversche Zulieferer will die Fertigung an einen tschechischen Standort vergeben. Komplett einstellen will Conti in Gifhorn die Produktion großer Motoren für reine Elektroautos. Hier fehlt es an Folgeaufträgen. Mit den 800 verbleibenden Jobs habe das Werk dann auch wieder eine Zukunft, versprach Conti-Verhandlungsführer Matthias Matic. Dafür stellt das Unternehmen Investitionen von 100 Millionen Euro in den kommenden sechs Jahren in Aussicht. Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Fertigung von Ventilblöcken für elektronische Bremsen fließen. Über diese Investitionen müsse aber in Kürze entschieden werden - deshalb dränge die Zeit.

Belegschaft verzichtete auf 100 Millionen Euro

Bremsenpionier Alfred Teves war noch selbst dabei, als sein Werk in Gifhorn 1948 als VW-Zulieferer in Betrieb genommen wurde. Wenige Jahre später benannten sie aus Dankbarkeit sogar eine Schule nach dem Unternehmer. Das Werksgelände am südlichen Ortseingang umfasst 22 Hektar – fast dreimal hätte der hannoversche Maschsee darin Platz. Heute fertigen hier mehrere Conti-Sparten: Von Bremskomponenten über Luftfedern bis zu E-Motoren reicht das Programm. Mit der ITT-Tochter Teves kam Gifhorn 1996 zur Conti. In den vergangenen Jahren hat der Konzern mehr als 80 Millionen Euro in die Modernisierung investiert. Gleichzeitig verzichtete die Belegschaft auf fast 100 Millionen Euro Entgelt, um die Jobs zu sichern. Noch zu Jahresbeginn arbeiteten 1600 Menschen in Gifhorn, die Zahl ist bereits auf 1465 abgeschmolzen.lr     

Sollte das allein nicht reichen, werde auch eine Reduzierung der Arbeitszeit nötig sein, hieß es bei Continental. Der Tarifvertrag ermöglicht in Krisenfällen eine Absenkung auf 29 Stunden - bei entsprechend geringerem Verdienst. Eine derart starke Verringerung hoffe man jedoch vermeiden zu können, sagte eine Personalmanagerin.

Die IG Metall bezweifelt, dass der geplante Stellenabbau ohne Kündigungen bewerkstelligt werden kann. Außerdem sieht die Gewerkschaft mittelfristig den gesamten Standort in Gefahr. Auf der einen Seite suche Conti händeringend Fachkräfte, sagte Meine, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef des Konzerns ist. Gleichzeitig baue man Hunderte Facharbeiter-Jobs in Gifhorn ab. „Das passt nicht zusammen.“

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