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Niedersächsische Unternehmen in Hochstimmung

Konjunkturbericht der IHK Niedersächsische Unternehmen in Hochstimmung

Nur noch sechs Prozent der niedersächsischen Firmen melden eine schlechte Geschäftslage – die Stimmung ist deshalb so gut wie nie. Doch immer mehr Firmen finden nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter. Die IHK verlangt deshalb nun mehr Geld vom Staat für Weiterbildung.

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Gute Stimmung: Die niedersächsische Industrie meldet den höchsten Auftragsbestand seit der Wiedervereinigung.

Quelle: Ole Spata

Hannover. Die Unternehmen in Niedersachsen machen zurzeit außergewöhnlich gute Geschäfte und wollen weiterhin viele Jobs schaffen. In einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammern unter 1700 Firmen meldeten nur sechs Prozent eine schlechte Geschäftslage. "So niedrig war dieser Wert noch nie", sagte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen, am Freitag in Hannover. 40 Prozent der Firmen bezeichneten ihre Geschäftslage als gut, 54 Prozent als befriedigend.

Aufgrund der sehr guten Konjunktur werde die Privatwirtschaft in Niedersachsen 2017 voraussichtlich 60.000 neue Jobs schaffen, sagte Schrage. Im Frühjahr war die IHK noch von rund 46.000 neuen Stellen ausgegangen. Für 2018 prognostizierte Schrage ebenfalls rund 60.000 neue Jobs. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung.

Wie steht es um die einzelnen Branchen? Und welche Probleme sieht die niedersächsische Wirtschaft? Ein Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der Konjunkturumfrage:

Branchen

Dem Einzelhandel geht es nicht so gut wie den anderen Branchen. Die meisten Händler gehen von sinkenden Umsätzen in den Filialen aus, nur der Online-Handel legt weiter zu. Gut ist die Lage hingegen in der Industrie, bei Dienstleistern, Banken, Versicherungen, auf dem Bau und im Verkehrsgewerbe. Die Bauwirtschaft arbeitet laut IHK "an der Kapazitätsgrenze, vor allem in den Städten". Der Auftragsbestand der Industrie erreichte den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung.

Export

"Die Welt wird turbulent und unruhig, aber unsere Exportwirtschaft meldet trotzdem eine hohe Nachfrage", fasste Schrage zusammen. Laut dem Landesamt für Statistik legten die niedersächsischen Exporte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 um knapp fünf Prozent zu. Wichtigster Grund dafür war China (plus 31 Prozent). Die Lieferungen in die Türkei gingen hingegen drastisch zurück (minus 20 Prozent). Auch nach Großbritannien und in die USA verkauften die Firmen weniger.

Probleme

Der Fachkräftemangel hat sich weiter verschärft. Im Vorjahr bezeichneten 44 Prozent der niedersächsischen Unternehmen ihn als ernstes Risiko, nun sind es schon 54 Prozent. Erstmals meldete auch mehr als die Hälfte der Industriebetriebe Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Zuvor habe die Industrie aufgrund der relativ guten Arbeitsbedingungen leichter Nachwuchs gefunden als andere Branchen, erklärte Schrage. Speditionen und Baufirmen fänden mittlerweile so wenig Nachwuchs, dass sie im Wachstum gebremst werden.

Zur Forderung der Gewerkschaft IG Metall zum Anrecht auf eine 28-Stunden-Woche für einen bestimmten Zeitraum sagte Schrage: "Das dürfte den Firmen richtig weh tun." Gefragt seien in der Regel Vollzeit- statt Teilzeitkräfte.

Forderungen an die Politik

Um die Zahl qualifizierter Bewerber zu erhöhen, wollen die niedersächsischen Firmen in erster Linie die berufliche Bildung stärken. Konkret fordert die IHK Zuschüsse für Weiterbildung. Der vor Kurzem beschlossene niedersächsische Ausbildungszuschuss von 4000 Euro für Handwerksmeister sei eine "schöne Sache", die aber bei weitem nicht ausreiche, sagte Schrage.

Land oder Bund sollten auch Weiterbildungen zum Fachwirt oder Industriemeister bezuschussen, forderte er. Zurzeit müssten die Arbeitnehmer die Kosten dafür selbst tragen, während der Staat Akademikern das Studium finanziere.

 

Von Christian Wölbert

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