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Ein Schiff wird kommen

Die Meyer Werft im Fokus Ein Schiff wird kommen

Die Auftragsbücher der Meyer-Werft sind voll bis 2020. Namhafte Kreuzfahrtreedereien haben zehn weitere Luxusliner bestellt. In Papenburg könnte also alles schön sein, wäre da nicht ein Konflikt zwischen den Chefs und der Gewerkschaft des Unternehmens.

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Noch bis Februar liegt die "Ovation of the Seas" im Baudock. Derzeit sind die Arbeiter mit dem Innenausbau beschäftigt.

Quelle: Staggenborg

Papenburg. Das letzte Schiff, sagen sie bei der Meyer-Werft, ist immer „unser schönstes“. Nach dem Satz, der dem Firmenpatriarchen Bernhard Meyer zugeschrieben wird, wäre die „Norwegian Escape“ die aktuelle Schönheitskönigin der Papenburger Schiffsbauer. Erst im September hat der Luxusliner der Reederei NCL die Werft an der Ems in Richtung Heimathafen Miami verlassen und kreuzt seitdem durch die Karibik.

Die Schöne ist ein Traumschiff made in Niedersachsen: mit 15 Restaurants an Bord, acht Bars und einem Theater für 815 Zuschauer, in dem Broadway-Musicals aufgeführt werden. Zwei solcher Bühnen bauen sie in Papenburg jedes Jahr in Kreuzfahrtschiffe ein - „wir sind der größte Abnehmer von Theaterequipment in Deutschland“. Solche Sätze lässt Werftsprecher Günther Kolbe im Vorbeigehen fallen. Etwa 800 Zulieferbetriebe hat die Meyer-Werft. Ganze Kabinen zum Beispiel liefert eine Firma aus Papenburg. Tagsüber werden sie produziert, nachmittags zur Werft gebracht und abends ins Schiff eingebaut.

An der Ems ist der Urlaub in der Karibik ständig präsent und doch weit weg. Auf dem Werftgelände wird malocht. Denn schon erhebt der nächste Luxuskreuzer Anspruch auf den Titel der Schönsten, dabei hat die „Ovation of the Seas“ erst seit einigen Tagen Wasser unter dem Kiel. Mit knapp 350 Metern ist sie nochmals 25 Meter länger als die „Norwegian Escape“. Anfang Dezember wurde das angeblich größte Trockendock der Welt geflutet, in dem die „Ovation“ nun liegt - oder genauer: Der Riese aus 55.000 Tonnen Stahl thront dort.

70 Meter hoch baut sich das Schiff unter dem Hallendach auf. Das ist fast so ausladend wie das Neue Rathaus in Hannover. In seinem Schatten geht es zu wie in einem Miniaturland. Dutzende Arbeiter mit Helmen auf dem Kopf und Schutzbrillen vor den Augen hämmern, schweißen, bohren, flexen. Funken sprühen. Die Arbeiter gehen an Bord und kommen wieder herunter. Im Inneren verlegen sie mehrere Tausend Kilometer Kabel und viele Hundert Kilometer Rohrleitungen. „Wir produzieren alle Rohre selbst“, sagt Kolbe. Zweimal am Tag fährt ein Zug über die Werft und bringt die Teile an die Arbeitsplätze.

700 bis 900 Millionen Euro für einen Luxusliner

Seit 1985 werden in Papenburg Kreuzfahrtschiffe gebaut, und es ist verrückt, was die modernen Riesen inzwischen bieten. Wenn die „Ovation of the Seas“ im März ausgeliefert wird, befindet sich außer Pools und Wellnessanlagen ein Autoscooter an Bord. In einer Aussichtsgondel, die an einem Kran befestigt ist, können sich die Passagiere 90 Meter über das Schiff heben lassen. 700 bis 900 Millionen Euro kostet so ein Luxusliner. Genauer werden sie bei der Meyer-Werft nicht.

Und auch die „Ovation“ wird nach ihrer Auslieferung nur kurz die Schönste sein. Längst wird am übernächsten Superschiff gebaut, der „Genting Dream“. Anfang Dezember wurde sie auf Kiel gelegt. Tan Sri Lim, Vorstandsvorsitzender der Genting-Reederei, war dafür eigens aus China angereist. Auf Kiel legen heißt: Ein 800-Tonnen-Kran hat den ersten Block des zweiten Bauabschnitts im Baudock abgelegt.

Die Auftragsbücher der Werft sind voll bis 2020. Namhafte Kreuzfahrtreedereien haben zehn weitere Luxusliner bestellt. In Papenburg könnte also alles schön sein. Doch mit der Verlagerung des Mutterkonzerns nach Luxemburg und einem Rechtsstreit mit dem Betriebsrat verspielt das Unternehmen Sympathien. Die Werft hat zuletzt das Land verprellt und verkämpft sich in Streitereien mit Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall.

Nebenher wird aber hart gearbeitet. Schon Ende Februar soll die „Ovation of the Seas“ die 500 Meter lange Halle verlassen und im März ihre Jungfernfahrt über die Ems antreten. Die „Genting Dream“ muss im kommenden November fertig sein. Zwei der Ozeanriesen bauen sie hier pro Jahr gleichzeitig.

 „Das ist so ähnlich wie mit Legosteinen“

Das geht in dem Tempo nur mithilfe der sogenannten Blockbauweise, die sie im vergangenen Jahr eingeführt haben. „Das ist so ähnlich wie mit Legosteinen“, sagt Unternehmenssprecher Kolbe und liest im Laserzentrum, einer von elf Hallen auf dem 25 Hektar großen Werftgelände, von einem großen Stück Stahl ab, das soeben von einem Plasmastrahl zurechtgeschnitten wurde: „Schiff 711, 16. Block, 13. Ebene.“ Kolbe weiß damit: „Das müsste ein Kabinenbereich für die ,Genting Dream‘ sein.“

Die 740 Tonnen Stahl, die letztens zur Kiellegung ins Trockendock gehievt wurden, sind nur einer von 92 Blöcken, aus denen die „Genting Dream“ nun zusammengesetzt wird. Doch die Arbeiten an dem neuen Riesen hatten schon längst zuvor begonnen.

Das erste Schwimmteil hat das Baudock inzwischen verlassen und liegt am Pier, damit neben der „Ovation“ Platz ist für den zweiten Rumpfabschnitt der „Genting Dream“. Die Arbeiten daran werden bis Ende Februar dauern - bis zur Fertigstellung der „Ovation of the Seas“. Wenn diese ausgedockt wird, verlässt auch der Block der „Genting Dream“ das Dock - und kehrt mit dem ersten Bauabschnitt in die Halle zurück. Aus beiden Teilen, Bug und Heck wird dann der Rumpf zusammengesetzt. Wie mit Legosteinen. Und dann laufen längst die Arbeiten an der „Norwegian Bliss“, dem nächsten Superschiff.

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