Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Deutsche investieren doppelt so viel in Wohnungen wie 2009
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Deutsche investieren doppelt so viel in Wohnungen wie 2009
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:57 10.03.2019
In Deutschland fließt inzwischen doppelt so viel Geld in Immobilien wie noch vor zehn Jahren. Quelle: dpa
Berlin

In Deutschland ist im vergangenen Jahr doppelt so viel Geld in Immobilien geflossen wie noch vor zehn Jahren. Nach einer ersten Hochrechnung amtlicher Gutachter waren es 260 bis 270 Milliarden Euro – etwa 10 bis 15 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Und die Experten sind überzeugt: Die Preise werden auch weiterhin hoch bleiben.

„Es gibt keine Hinweise auf eine Trendumkehr“, sagte Peter Ache, Geschäftsstellenleiter des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass die Immobilienumsätze 2018 nach weiteren Berechnungen die Summe von 300 Milliarden Euro noch überschritten.

„Die Zinsen sind nach wie vor niedrig, die Zuwanderung in die Städte ist fast unverändert“, sagte Ache. Zudem bleibe in den Städten Bauland knapp. Zwar seien 2018 etwas mehr Baugrundstücke verkauft worden. „Ob dieser leichte Aufwärtstrend allerdings ausreicht, um die erforderlichen rund 380 000 neuen Wohnungen zu realisieren, bleibt abzuwarten.“

2009 hatten die Deutschen noch etwa 130 Milliarden Euro für Häuser, Wohnungen und Grundstücke ausgegeben. Seitdem zeigt die Kurve aufwärts. Wie in den Vorjahren dürften 2018 etwa eine Million Objekte den Eigentümer gewechselt haben, schätzt Ache.

Besonders in den Städten steigen die Preise. „Es drückt aber auch immer mehr ins städtische Umland hinein“, sagte der Fachmann. In den Speckgürteln steige die Nachfrage. Je nachdem, wie gut die Bahnverbindung ist, nähmen Haus- und Wohnungskäufer lange Pendelwege in Kauf, etwa von Lüneburg ins 50 Kilometer entfernte Hamburg. Der Gutachter warnte dennoch davor, angesichts des anhaltenden Booms leichtfertig eine Wohnung zu kaufen. „Man darf die Unsicherheit von Immobilienpreisen im langfristigen Vergleich nicht vernachlässigen.“

Der Arbeitskreis sammelt die Berichte der kommunalen Gutachterausschüsse. Darin fließen die Daten aus sämtlichen Kaufverträgen ein – anders als bei anderen Marktstudien, die auf Inseraten beruhen.

Auch in Hannover werden die Immobilienpreise nach Einschätzung von Branchenexperten in den kommenden Jahren stark zulegen. Das hatte eine Studie des Internetportals Immowelt zuletzt ergeben. Demnach sollen die Preise in der Landeshauptstadt schneller steigen als in anderen deutschen Großstädten – um bis zu 62 Prozent bis 2030. Damit hole Hannover eine Entwicklung nach, die in anderen Städten schon länger zu verzeichnen sei. Immowelt hat anhand Tausender Angebote sowohl neuer als auch gebrauchter Immobilien in Hannover einen derzeitigen durchschnittlichen Kaufpreis von Eigentumswohnungen von 2460 Euro je Quadratmeter Wohnfläche errechnet.

Der Immobilienboom lässt kaum eine deutsche Region aus. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sind die Preise in 94 Prozent aller Regionen in den vergangenen fünf Jahren gestiegen – um zehn bis 65 Prozent.

Von Burkhard Fraune