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Niedersachsen Industrie besorgt wegen einbrechender Aufträge
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Industrie besorgt wegen einbrechender Aufträge
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00:15 13.10.2015
Von Lars Ruzic
Rückgang der Auslandsnachfrage: Vor allem Investitionsgüter, Maschinenbau und Elektrotechnik sind betroffen. Quelle: dpa
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Hannover

Während die Binnennachfrage Niedersachsens Wirtschaft noch unter Dampf hält, verschlechtern sich die Exportaussichten der Industrie. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK Hannover unter 1700 Betrieben zwischen Ems und Elbe hervor. „Das Auslandsgeschäft wird zunehmend zum Konjunkturrisiko“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage in Hannover. In den vergangenen Wochen sei der Auftragseingang aus dem Ausland geradezu eingebrochen.

Mitten in die Erhebung platzte der VW-Abgas-Skandal. Danach seien die Einschätzungen eher zurückhaltender ausgefallen, hieß es. Schrage stellte seine Wachstumsprognose von einem bis 1,2 Prozent für Niedersachsen unter den Vorbehalt, dass VW nun beim Umgang mit der Krise „nichts falsch macht“. Derzeit seien die Folgen des Skandals nicht absehbar. Die Zulieferer, mit denen die IHK-Mitarbeiter nach dem Bekanntwerden der Affäre noch einmal sprachen, seien bislang allerdings „relativ entspannt“, sagte Schrage.

Auch die Auswirkungen auf die Binnennachfrage im Land hält der IHK-Manager für überschaubar. Infolge des absehbaren Gewinneinbruchs bei VW dürfte der Bonus für die 120 000 Beschäftigten drastisch sinken. In diesem Jahr hatten sie 5900 Euro brutto pro Kopf erhalten. Mögliche Mindereinnahmen der VW-Mannschaft würden durch die weiter gestiegene Beschäftigungsquote und allgemeine Lohnsteigerungen im Land mehr als aufgefangen. Problematisch könne die VW-Krise allerdings werden, wenn der Konzern seine Investitionen in die sechs niedersächsischen Standorte zusammenkürze, sagte Schrage.

Handwerk gut ausgelastet

Die gute Binnenkonjunktur beschert auch dem Handwerk gute Geschäfte. Vor allem die Bauhandwerker seien bester Stimmung, berichtete gestern die hannoversche Kammer. „Die Auslastung der Betriebe ist ausgesprochen gut“, sagte Hauptgeschäftsführer Jans-Paul Ernsting. Neben der öffentlichen Hand investierten auch private Auftraggeber stärker in Bauprojekte, etwa den Wohnungsbau. Das hat den Index im Bauhandwerk auf 77 Punkte steigen lassen, den höchsten Wert aller Handwerke. Am anderen Ende der Skala liegt das Gesundheitshandwerk mit einem Wert von 42,5 Punkten.

Auftrags- und Umsatzentwicklung der Handwerker seien insgesamt positiv, auch die Beschäftigung steige. Jeder achte Betrieb zähle heute mehr Beschäftigte als vor einem Jahr, teilte die Handwerkskammer Hannover mit. Zu den Boomregionen zählt die Kammer den Landkreis Nienburg, die Region Hannover und den Kreis Hameln-Pyrmont, während die Betriebe den Kreis Schaumburg am ungünstigsten bewerteten.

Bislang ist die Binnenkonjunktur die Stütze der heimischen Wirtschaft. Die Konsumenten haben nicht nur mehr Geld in der Tasche, die niedrigen Benzinpreise und Nullzinsen verleiten auch dazu, es auszugeben. Entsprechend zufrieden gibt sich der Handel - vor allem die Auto- und Möbelverkäufer. Hinzu kommen die gestiegenen Ausgaben der öffentlichen Hand, die aufgrund des Ansturms von Flüchtlingen immer mehr Notunterkünfte schaffen müssen. „Das wirkt wie ein kleines Konjunkturprogramm“, umschrieb es Schrage. Davon profitieren vor allem die Baubranche und die Dienstleister. In fast allen auf heimische Kunden angewiesenen Branchen sind die Stimmungsbarometer deshalb im dritten Quartal nochmals gestiegen.

Sorgen bereitet der Kammer dagegen die Industrie. Der Indikator für Auftragseingänge aus dem Ausland sei um 15 auf minus 13 Punkte gefallen, berichtete Schrage. Vor allem Investitionsgüter, Maschinenbau und Elektrotechnik seien betroffen. Mit China sei in den vergangenen Monaten auch der letzte der einstigen Wachstumsmärkte weggebrochen. Einzig die USA und mit Abstrichen Europa sorgten derzeit noch für positive Impulse. Die Auftragsrückgänge könnten die ohnehin schon stark ausgeprägte Investitionszurückhaltung in der Branche noch verstärken, mahnte Schrage. Der Staat dürfe deshalb die Standortbedingungen in Deutschland nicht weiter verschlechtern.

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