Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -4 ° sonnig

Navigation:
Wie wollen Sie mehr Kunden gewinnen, Frau Zapreva?

Interview mit der Stadtwerke-Chefin Wie wollen Sie mehr Kunden gewinnen, Frau Zapreva?

Die Stadtwerke wollen die Nummer eins werden. Doch wie eigentlich? Die Chefin der Stadtwerke, Susanna Zapreva, spricht im Interview mit Jens Heitmann über Gratistickets für Hannover 96, die Zukunft der Kraftwerke und das Ihme-Zentrum.

Voriger Artikel
Spanische Justiz ermittelt wegen Abgas-Skandals
Nächster Artikel
Tui bestellt Flieger für 1,3 Milliarden Euro

Residiert im Ihme-Zentrum, aber wie lange noch? Stadtwerke-Chefin Susanna Zapreva will „spätestens Ende des Jahres“ eine Entscheidung fällen. 

Quelle: Eberstein

Der Aufsichtsrat wünscht sich, dass Sie die Stadtwerke grüner und kundenfreundlicher machen, Frau Zapreva. Womit wollen Sie anfangen?
Unser Fokus ist klar auf den Kunden ausgerichtet. Wir wollen mehr sein als nur der Lieferant von Strom, Gas und Fernwärme. Wir möchten rund um das Thema Energie der erste Ansprechpartner in der Region Hannover sein. Unsere Kunden werden immer wieder Dinge bekommen, die sie von anderen Lieferanten nicht bekommen.

Verbraucher achten vor allem auf den Preis, weil es bei Strom und Gas keine Qualitätsunterschiede gibt. Andere Versorger bieten bei einem Wechsel höhere Boni und günstigere Preise – warum sollte man da bei Enercity bleiben?
Weil unser Angebot nachhaltig ist. Bei den Preisvergleichsportalen im Internet kann man sich den ersten Platz im Ranking kaufen, und für den Wechsel über solche Portale gehen an den Portalanbieter 50 Euro. Die Kunden sind dort nicht vor bösen Überraschungen gefeit. Anfangs wird zwar mit hohen Boni gelockt, aber schon im zweiten Jahr wird es oft deutlich teurer. So gehen wir nicht mit Kunden um.

Zur Person

Susanna Zapreva steht seit April an der Spitze der Stadtwerke Hannover. Die 43-Jährige ist promovierte Elektrotechnikerin und Betriebswirtin. Sie war zunächst Unternehmensberaterin und wechselte dann zur Wienstrom. Von 2009 bis zu ihrem Wechsel zu Enercity war Zapreva Geschäftsführerin der Wien Energie. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn, die Familie will in Kürze nach Hannover umziehen.

Mit welchen Angeboten wollen Sie sich von der Konkurrenz absetzen?
Ich bin jetzt seit 100 Tagen im Unternehmen – bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es dazu noch keine Details gibt. Aber so viel kann ich sagen: Wir werden unsere Angebote sehr schnell erweitern und zusätzliche Dienstleistungen und Beteiligungsmöglichkeiten schaffen.

Bei der Wien Energie haben Sie festverzinsliche Beteiligungen an „BürgerInnen-Solarkraftwerken“ und Windparks eingeführt. Wollen Sie das auch in Hannover anbieten?
Solche Projekte sind eine Möglichkeit. Wir wollen einen individuellen Mehrwert für den Kunden schaffen – für den einen kann das eine Einladung zum Jazz-Band-Ball sein, für den anderen ein Gratisticket für Hannover 96, für einen Dritten wieder etwas anderes.

Im aktuellen Unternehmenskonzept „K2025“ steht, dass die Gewinnabführung an die Stadt innerhalb der nächsten zehn Jahre um fast ein Drittel schrumpfen wird. Können Sie das noch verhindern?
Zunächst einmal ist es immer gut, eine Strategie vorzufinden – selbst eine schlechte Strategie wäre besser als gar keine. In dem vorliegenden Konzept gibt es vieles, auf dem wir aufbauen können. Zur eigentlichen Frage: Die Stadt wächst zum Glück, und wir wollen jeden Hannoveraner von uns überzeugen. Wenn das gelingt, schaffen wir neue Spielräume.

Wollen Sie nur die Hannoveraner gewinnen oder auch Kunden von außerhalb? Der Versuch, eine Marke im Internet zu etablieren, ist ja kläglich gescheitert ...
Mit der Online-Marke waren die Stadtwerke ihrer Zeit voraus, heute stünden die Chancen sicherlich besser. Wir konzentrieren uns zunächst auf Hannover, um von einer soliden Basis heraus wachsen zu können. Unser Anspruch ist es, Nummer eins in der Region zu sein.

Im Unternehmenskonzept steht auch, dass bis 2015 jeder achte der aktuell 2500 Arbeitsplätze bei Enercity wegfallen soll. Bleibt es dabei?
Wir arbeiten zurzeit an der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Zunächst geht es darum, Enercity möglichst effizient aufzustellen. Wir wollen aber auch neue Geschäftsmodelle entwickeln. Dafür benötigen wir zum Teil auch Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen – und wir werden alles daransetzen, unsere Beschäftigten für neue Aufgaben weiter zu qualifizieren.

Zur alten Energiewelt zählen auch Ihre drei Großkraftwerke in Mehrum, Linden und Stöcken. In Ihrer Zeit in Wien haben Sie alle fossilen Meiler abgeschrieben – wie stehen die hiesigen Anlagen da?
Wenn es für Kohlekraftwerke noch Lichtblicke gibt, dann eher wenige. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir Mehrum sofort abschalten. Auch die anderen Kraftwerke stehen nicht infrage – der Trend in der Branche aber geht eindeutig in Richtung Erneuerbare und wir werden unseren Fokus darauf richten, das Unternehmen für diese „neue Energiewelt“ gut aufzustellen.

Enercity hat sich an der Stadtwerke-Holding Thüga beteiligt und sich dafür bis zur Halskrause verschuldet. Dennoch soll viel Geld in den Ausbau der Windkraft investiert werden. Wurde das Thüga-Engagement zu teuer erkauft?
Die Thüga ist ein gutes Investment – für den Moment. Aktuell trägt die Dividende einen großen Teil zum Gewinn bei. Um die geplanten Investitionen schultern zu können, müssen wir klug investieren und effizienter werden. Auch deshalb gucken wir uns die Struktur des Unternehmens sehr genau an.

Von Österreich aus gesehen, ist die deutsche „Energiewende“ ein fernes Experiment – nun sind Sie mittendrin. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Es ist sicherlich ein mutiger Weg, aber die Richtung stimmt grundsätzlich. Der Trend zu erneuerbaren Energien ist ein globaler – und am Beispiel der Mobilität wird deutlich, wie schnell man ins Hintertreffen geraten kann: In China sind heute mehr als sechsmal so viele Elektroautos unterwegs wie in Europa.

Bei der Wien Energie hatten Sie ein Büro in einer Müllverbrennungsanlage, deren Fassade allerdings von Friedrich Hundertwasser künstlerisch aufgehübscht wurde. Jetzt sitzen Sie in der Dauerbaustelle Ihme-Zentrum – Enercity wollte zuletzt den Mietvertrag nicht verlängern: Gilt das weiterhin?
Der Investor hat bis zum Herbst Zeit, uns glaubhafte Pläne für die Umgestaltung zu präsentieren. Spätestens bis Ende des Jahres werden wir dann eine Entscheidung fällen.

Interview: Jens Heitmann

Diskutieren Sie mit!

Jeden Tag werden hier auf HAZ.de ausgewählte Artikel zum Kommentieren freigegeben. Bis zu drei Tage nach Veröffentlichung des Textes können Sie mitdiskutieren. Sie finden die Anmeldung und die bereits abgegeben Kommentare etwas weiter unten auf dieser Seite. Viel Spaß beim Kommentieren!

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 84,80 +0,69%
CONTINENTAL 163,10 -0,85%
DELTICOM 16,49 +1,15%
HANNO. RÜCK 100,28 -0,42%
SALZGITTER 29,42 -2,12%
SARTORIUS AG... 68,87 -0,09%
SYMRISE 56,76 -1,12%
TALANX AG NA... 29,92 -1,10%
TUI 12,20 -0,81%
VOLKSWAGEN VZ 123,30 -1,01%
DAX
Chart
DAX 10.631,50 -0,63%
TecDAX 1.711,00 -0,91%
EUR/USD 1,0589 -0,08%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

FRESENIUS... 67,70 +0,98%
MERCK 95,42 +0,09%
FMC 73,95 -0,07%
LUFTHANSA 12,33 -2,46%
DT. BANK 14,51 -1,81%
BASF 79,02 -1,61%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
AXA IM Fixed Incom RF 163,95%
Bakersteel Global AF 158,73%
Structured Solutio AF 150,37%
Stabilitas PACIFIC AF 131,47%
Crocodile Capital MF 124,32%

mehr