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Niedersachsen K+S erwägt Öffnung des alten Bergwerks
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen K+S erwägt Öffnung des alten Bergwerks
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21:11 14.03.2011
Von Carola Böse-Fischer
Das Bergwerk Sigmundshall in Wunstorf-Bokeloh. Quelle: Tim Schaarschmidt (Archivbild)

Rund 50 Ingenieure und Geologen des Kasseler Konzerns, aber auch externe Spezialisten erstellen zurzeit eine Machbarkeitsstudie, die bis zum Sommer fertig sein soll, wie Projektleiter Johannes Zapp am Montag in Bad Salzdetfurth berichtete. Eine Entscheidung über eine wirtschaftliche Wiederaufnahme der Kaliförderung würden Vorstand und Aufsichtsrat dann voraussichtlich im vierten Quartal 2011 fällen.

Zapp gab sich zuversichtlich, dass es zu einer Reaktivierung des Bergwerks kommen könne. Erst wäre das erste Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg, dass ein stillgelegtes großes Bergwerk wieder in Betrieb genommen würde. Der Dax-Konzern plant, rund 500 Millionen Euro in die Wiederinbetriebnahme und den Bau der „modernsten Kalifabrik der Welt“ zu investieren – und in der Region zwischen Sarstedt, Rössing-Barnten, Giesen und Nordstemmen bis zu 700 neue Jobs zu schaffen.

Das Bergwerk Siegfried-Giesen war 1987 wie 1995 das Kalibergwerk Bergmannssegen-Hugo in Sehnde geschlossen worden. Nicht weil die Lagerstätten erschöpft waren, sondern wegen der Überkapazitäten auf dem Kalimarkt. Kali ist der wichtigste Dünger der Landwirte, um die Erträge von Weizen oder Zuckerrüben zu steigern. Doch damals gab es in Europa eine Überproduktion von Agrarprodukten. In der Folge sank die Kalinachfrage, und die Preise stürzten ab.

Heute hat sich die Situation ins Gegenteil verkehrt, weltweit steigt die Nachfrage nach Agrarprodukten und damit auch nach Kali. K+S, globale Nummer vier im Kaligeschäft, hat bislang nur Lagerstätten in Deutschland mit einer Kapazität von etwa 7 Millionen Tonnen pro Jahr. Aber deren Lebensdauer neigt sich in den nächsten 40 bis 50 Jahren dem Ende zu.

Deshalb ist der Konzern ständig auf der Suche nach neuen Kapazitäten. So hat sich K+S jüngst die kanadische Explorationsfirma Potash One, nicht zu verwechseln mit dem K+S-Konkurrenten Potash, zugelegt, wodurch die Kasseler ab 2015 eine jährliche Produktionskapazität von knapp 3 Millionen Tonnen dazu bekommen. Das heimische Bergwerk Siegfried-Giesen hat jedoch den Vorteil, dass es K+S gehört und dass es – anders als Bergmannssegen-Hugo – nicht komplett geschlossen, sondern als Reservebergwerk offengehalten wurde.

In dem Salzstock der Region, der vor rund 260 Millionen Jahren entstand, schlummert laut K+S noch ein Vorrat von 52,5 Millionen Tonnen Kalirohsalz und 0,5 Millionen Tonnen Steinsalz. Vier Schächte bis einer Tiefe von 1000 Metern sind vorhanden. Darunter liegt noch viel mehr Kalisalz, sagte Projektleiter Zapp. Ein Abbau bis zu einer Tiefe von 1400 Metern sei „technisch kein Problem“, wodurch sich die Lebensdauer des Bergwerks auf 40 Jahre verdoppeln könnte

Stünden alle Ampeln auf grün, könnte die Produktion von 2 bis 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr laut Zapp Ende 2018 beginnen. Das wäre für K+S ein Glücksfall, denn dann muss das Bergwerk Sigmundshall in Wunstorf-Bokeloh wegen Erschöpfung der Lagerstätten schließen, wie der Projektleiter erklärte. „Wir hätten also einen nahtlosen Anschluss.“

Dann würden in einer neuen Fabrik, die energiesparend und emissionsarm betrieben werden soll, über Tage geförderter Kornkali und Kieserit zu „hochwertigen Düngemitteln“ für Sonderkulturen wie den Gemüseanbau verarbeitet. Die Rückstände des Kaliabbaus sollen laut Zapp künftig zu 70 Prozent unter Tage verschwinden, für die restlichen 30 Prozent werde ein völlig neues Haldenkonzept erwogen, dass die Eingriffe in die Umwelt wie das Einleiten von Haldenwasser in die Innerste minimieren soll. So prüfe man, ob statt der jetzigen Steilhalde eine flachere Variante möglich wäre, die schon während der Produktion teilweise begrünt“ würde. Das erfordert allerdings einen Flächenbedarf von 40 bis 50 Hektar besten Bördeboden. Und dürfte deshalb auf den Widerstand der Landwirte stoßen.

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