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Karstadt-Betriebsrat: „Hängen in der Luft“

Unruhe wegen Berggruen-Ausstieg Karstadt-Betriebsrat: „Hängen in der Luft“

Die Beschäftigten und der Betriebsrat der Essener Warenhauskette Karstadt fühlen sich seitens der Unternehmensleitung schlecht informiert und im Stich gelassen. Grund für das Zähneknirschen ist das Gerücht um den Ausstieg des deutsch-amerikanischen Investors Nicolas Berggruen.

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Ein gebeuteltes Unternehmen: Erst vor einem Monat demonstrierten 170 Karstadt-Mitarbeiter in Hannover für eine Tarifbindung – nun herrscht wieder Unruhe.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Berggruen hatte Karstadt im Jahr 2010 aus der Insolvenz übernommen und bei den Beschäftigten des gebeutelten Unternehmens große Hoffnungen geweckt hatte. Bereits im September hatte Berggruen dem österreichischen Investor René Benko und seiner Signa-Gruppe die Mehrheitsanteile am Geschäft einiger Luxuswarenhäuser und der Karstadt-Sporthäuser überlassen. Jetzt soll Berggruen Benko, der sich nach Berichten des „Manager Magazins“ den israelischen Diamantenmilliardär Beny Steinmetz zur Seite holt, auch die Mehrheitsanteile an den 83 verbliebenen Warenhäusern übergeben.

„Wir hängen vollkommen in der Luft“, sagt Ralf Samtleben, Betriebsratschef von Karstadt Hannover. Viele Kollegen seien verunsichert und würden bei solchen Nachrichten nur noch mit den Schultern zucken. Die ständige Unruhe um die Zukunft der Warenhauskette ließe manchen Beschäftigten die Hoffnung auf Stabilität im Unternehmen aufgeben. Einige hätten resigniert. „An so einer Entscheidung hängt die Sicherheit von Standorten“, betont Samtleben. Der Standort Hannover sei jedoch gut aufgestellt, dort würden keine Gedanken an Verkauf oder Schließung verschwendet. Ob sich der vermeintliche Rückzug Berggruens positiv oder negativ auf die Sanierung der angeschlagenen Warenhauskette auswirkt, vermag Samtleben nicht zu beurteilen.

An den Spekulationen will sich die Gewerkschaft ver.di nicht beteiligen. Doch zufrieden mit der Kommunikation der Karstadt-Leitung ist man auch dort nicht. „Fragen zur Zukunft des Unternehmens erfordern Transparenz vonseiten der Unternehmensführung und vor allem Fingerspitzengefühl“, sagt Sprecherin Christiane Scheller. Benko habe sich für die anstehenden Tarifverhandlungen im Januar als Eigentümer der Karstadt-Luxus- und Sporthäuser bereits angemeldet. Sollte sich bis dahin herausstellen, dass auch Steinmetz bei Karstadt einsteigt, würde auch er zu den Gesprächen eingeladen werden. Doch bis jetzt, betont Scheller, ist noch nichts entschieden.

Den Unmut der verunsicherten Karstadt-Mitarbeiter kann Scheller indes verstehen. Um Kosten in Millionenhöhe zu sparen, hatte der Karstadt-Vorstand zu Jahresbeginn beschlossen, aus der Tarifbindung auszusteigen, was bei der Belegschaft zu heftigen Protesten geführt hatte. In dem noch laufenden Tarifstreit will die Gewerkschaft neben einer Rückkehr von Karstadt in die Tarifbindung auch eine Beschäftigungs- und Standortsicherung durchsetzen. „Dass die Mitarbeiter in so einer Zeit auf ein solches Gerücht mit großer Wut, Enttäuschung und Resignation reagieren liegt auf der Hand“, sagte Scheller.

Auch wenn der Bericht des „Manager Magazins“ bislang nicht bestätigt wurde, könnte eine solche Offerte aus Sicht des derzeitigen Karstadt-Eigentümers Berggruen durchaus Sinn machen, meint der Warenhausexperte und Lehrbeauftragte für Handelsmanagement an der Uni Leipzig, Gerd Hessert. Langfristig sei in Deutschland nur maximal jedes dritte Warenhaus überlebensfähig. Angesichts des wachsenden Handels im Internet hätten nur Warenhäuser in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern eine Chance, so der Experte.

Von Felix Klabe mit: dpa

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