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Niedersachsen Die Agrarwende kommt nicht über Nacht
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19:03 23.01.2019
Zwölf Wochen alte Jungsauen stehen in einem Stall in einem Schweinezuchtbetrieb. Quelle: dpa
Hannover

Für Tierhalter sind es keine einfachen Zeiten. Die negativen Schlagzeilen reißen nicht ab. Zuerst ging es um Schlachthofskandale, dann um Feinstaub aus Ställen, nun wettern auch noch zwei Bauernverbände gegen die Mastbetriebe im Nordwesten Niedersachsens. Die beiden Organisationen stehen zwar nur für einen kleinen Teil der Landwirte – doch wenn Bauern ihre eigenen Kollegen kritisieren, erhöht das den Druck durchaus.

Es ist richtig, dass in einigen Landkreisen zu viele Tiere gehalten werden, zu viel Gülle anfällt, die Gewässer zu stark belastet sind. Die Diskussion muss allerdings realistisch bleiben. Ein Niedersachsen ohne Massentierhaltung kann nicht das Ziel sein. Den Tieren und der Umwelt hilft es wenig, wenn strenge Gesetze die Produktion von Billigfleisch in Deutschland unmöglich machen, nach dem Motto: Nicht in meinem Hinterhof! Nachbarländer wie Dänemark oder die Niederlande würden die Marktlücke nämlich schnell füllen. Der Verbraucher ist schließlich ein inkonsequentes Wesen. Viele, die sich Montags vor Ställen mit eingepferchten Schweinen gruseln, kaufen Dienstags trotzdem das Nackensteak für 1,99 Euro.

Die Landesregierung braucht also einen langen Atem. Sie muss die Tierbestände in den belasteten Regionen behutsam herunterfahren. Und hoffen, dass die Verbraucher dabei mitziehen. Nur, wenn sie wirklich bereit sind, für Fleisch mehr Geld auszugeben, kann es den Tieren und der Umwelt besser gehen. Wie gut das funktioniert, wird sich schon im April zeigen: Dann führen die Supermärkte neue, übersichtliche Kennzeichnungen für das Tierwohl ein.

Von Christian Wölbert

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