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Niedersachsen Große Ernüchterung bei der Windkraft
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Große Ernüchterung bei der Windkraft
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19:30 09.07.2018
Immer neue Windkraft-Analgen sind entstanden, aber beim Ausbau der Stromnetze hinkt Deutschland hinterher. Quelle: dpa
Hannover

Roggenstede hat 260 Einwohner und ist umstellt von 213 Windkraftanlagen. Für das Dorf in der Nähe von Aurich ist es vermutlich keine schlechte Nachricht, dass der Ausbau der Windenergie in Deutschland künftig weniger rasant verlaufen soll. In vielen Orten Ostfrieslands sind Anwohner den Wildwuchs inzwischen leid – jede dritte der knapp 6000 Windmühlen in Niedersachsen steht in dem Landstrich. Wenn die Hersteller nach Gründen für ihre Auftragsrückgänge suchen, können sie auch an der Küste fündig werden.

An dieser Ernüchterung ist die Branche auch selbst schuld. Es hat mehr als nur ein Geschmäckle, wenn mancherorts Kommanditisten von Windpark-Gesellschaften als Kommunalpolitiker mit über die Genehmigung neuer Projekte entscheiden. Insgesamt steht die Bevölkerung der Windenergie noch positiv gegenüber, auch weil sie vergleichsweise verlässlich Strom liefert und – gerade im Norden – viele Arbeitsplätze sichert. Ihren Nimbus aber hat sie verloren.

Hinzu kommen handwerkliche Fehler der Politik. Wer über lange Jahre den Fortschritt der Energiewende nur an der Zahl neuer Windkraft- und Solaranlagen misst und den Ausbau der Stromnetze missachtet, darf sich nicht wundern, wenn die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zuletzt hat der Gesetzgeber diese selbst verschuldeten Probleme sogar noch verschärft, weil bei den viel zu spät eingeführten Ausschreibungsverfahren zunächst sogenannte Bürgerwindparks bevorzugt wurden, die sich beim Bau viel Zeit lassen dürfen. Die kuriose Konsequenz: Der Ausbau der Windkraft gerät zu einer Zeit ins Stocken, in der die Technologie endlich als ausgereift gilt.

Von Jens Heitmann

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