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Niedersachsen Wie das Digitale in die Fabrik kommt
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09:15 25.02.2016
Von Bärbel Hilbig
Ein Minister als Lotse: Olaf Lies weist vor einer 3-D-Kamera auf eine Palette, die der Gabelstapler aufnehmen soll. Das System erkennt eine Person, ihre Geste und den Auftrag. Quelle: Behrens
Hannover

Ein Armrudern von Olaf Lies reicht aus. Niedersachsens Wirtschaftsminister weist auf eine beladene Palette und die Maschine erkennt, dass da eine Person mittels Bewegung zeigt, welche Last der fahrerlose Gabelstapler als Nächstes transportieren soll. Das System zur Gestensteuerung in der Logistik ist nur ein Beispiel von vielen für digitale Anwendungen, die auch für Mittelständler interessant sein können.

Damit kleine und mittlere Unternehmen Chancen, die in der Digitalisierung ihrer Produktionsabläufe liegen, nicht verpassen, will die Bundesregierung Hilfe anbieten. Bundesweit sind etliche „Kompetenzzentren Mittelstand 4.0“ geplant. Das Produktionstechnische Zentrum (PZH) der Leibniz-Universität Hannover ist als erstes dieser Zentren im Januar an den Start gegangen. Gestern stellten die Wissenschaftler vor 160 Gästen aus Wirtschaft und Politik das Projekt vor. Das PZH wird mit zahlreichen Partnern Informationen, Schulungen sowie die Vermittlung von Anbietern in ganz Niedersachsen und Bremen bieten.

Speziell in kleinen und mittleren Firmen erscheint der Aufwand, sich selbst in das Thema zu vertiefen, meist zu hoch. „Viele Unternehmen können es sich nicht erlauben, eigene Einheiten oder Mitarbeiter dafür zu finanzieren“, erläutert Stefan Schnorr, Abteilungsleiter Digitales im Bundeswirtschaftsministerium. 51 Prozent geben in der Konsequenz in einer neueren Umfrage an, die Digitalisierung sei kein Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie.

Ändern soll dies nun das PZH mit seinen Partnern unter dem Titel „Mit uns digital! Das Zentrum für Niedersachsen und Bremen“. Geplant sind Informationsveranstaltungen der lokalen Wirtschaftsförderung an verschiedenen Orten. Das bisherige Seminarzentrum Robotation Academy in Halle 36 auf dem Messegelände wird zu einer Generalfabrik für Digitalisierung umgerüstet, in der Firmenmitarbeiter praxisnahe Schulungen buchen können. Qualifizierung zu speziellen Themen wie Logistik, Recht, IT-Sicherheit oder Laser bieten weitere Partner wie das Laserzentrum Hannover. Eine „mobile Fabrik“ auf einem Lastwagen soll auch abgelegene Gegenden erreichen. In Gesprächen loten Fachleute aus, welche Anwendung für eine Firma infrage kommt.

Am international renommierten PZH selbst forschen Wissenschaftler seit Langem an Maschinen, die sich selbst korrigieren, wenn im Produktionsprozess Fehler auftreten. Diese „fühlende Maschine“ spürt per Sensor Abweichungen vom vorgegebenen Ziel und steuert gegen. Ein anderes Projekt beschäftigt sich mit der autonomen Fertigungsplanung. Dabei soll ein Werkstück auf dem Weg durch verschiedene Stationen einer Fertigungsstraße nicht mehr im Stau hängen bleiben, wenn an einer Maschine eine Störung auftritt. Aus den Infos, die Werkstücke und Maschinen senden, plant ein Programm eine neue Route, damit kein Zeitverlust entsteht.

Andrea Hoops, Staatssekretärin im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Wir wollen wissenschaftliche Erkenntnisse der Wirtschaft zugänglich machen, damit sie innovativ und wettbewerbsfähig bleibt.“ Wirtschaftsminister Lies betont die spezielle Leistungsfähigkeit des niedersächsischen Zentrums.

Bei rund 210 000 kleinen und mittelständischen Unternehmen in Niedersachsen und Bremen sei die Zusammenarbeit mit vielen Partnern wesentlich, sagt Berend Denkena, Vorstand des Zentrums und Leiter des Instituts für Fertigungstechnik. Denn innerhalb der drei Jahre Laufzeit sollen so viele Interessenten wie möglich erreicht werden.

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