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Heller Stall, düstere Aussicht für Milchbauern

Landvolk Heller Stall, düstere Aussicht für Milchbauern

Viele Milchbauern haben investiert, als die Preise gut waren. Jetzt droht ihnen das Aus. Denn der Milchpreis ist so weit gesunken, dass die Landwirte mit jedem Liter Milch, den sie produzieren, Verluste machen. Das Landvolk fordert deshalb politische Unterstützung.

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Barsinghausen. Hell ist es in dem Stall, das Dach ist hoch, durch das offene Tor kommt frische Luft herein. Zwei Jahre ist es her, dass Kai-Henrik Struß, Landwirt aus Barsinghausen, seinen 120 Kühen dieses neue Zuhause gebaut hat. Für die Tiere sei das wunderbar, sagt der 28-jährige Betriebsleiter: „Sie sind wesentlich ruhiger und ausgeglichener.“ Sie würden weniger krank, hätten mehr Platz und könnten dank des Melkroboters nun immer selbst entscheiden, wann sie gemolken werden wollen. Alles gut für die Kühe, doch Struß’ eigene Situation sieht düster aus: In den neuen Stall investiert hat der Landwirt, als die Milchpreise bei über 35 Cent pro Liter lagen. Doch in den vergangenen zwei Jahren sind sie stetig gefallen, aktuell liegen sie bei unter 28 Cent. „Seit einem Jahr zahlen wir Eintrittsgeld, wenn wir hier arbeiten wollen“, sagt Struß. Auf Dauer könne das niemand durchhalten.

Der Jung-Landwirt steht nicht allein da. Viele haben Geld in die Hand genommen, Betriebe vergrößert oder modernere Ställe gebaut, als die Preise gut waren. Nun machen sie mit jedem Liter Milch, den sie produzieren, Verlust. Viele landwirtschaftliche Familien bestritten ihren Lebensunterhalt derzeit schon über Kredite, sagt Albert Schulte to Brinke, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen und selbst Milchviehhalter. „Die finanzielle Situation spitzt sich dramatisch zu.“

Als Ursachen sieht er die schwankenden Weltmarktpreise, aber auch politische Entscheidungen: Das Russland-Embargo schmerzt die Milchbauern. Und eine stetig steigende Zahl von Auflagen verursache bei den Landwirten immer wieder neue Kosten. Doch zuallererst sieht Schulte to Brinke den Handel in der Pflicht: 10 Cent mehr zu zahlen zwinge die Supermarktketten nicht in den Konkurs, das zeige schon ein Blick in das europäische Ausland: Während in deutschen Discountern der Liter Milch für 55 bis 59 Cent angeboten werde, koste er in Portugal 62 Cent, in Bulgarien sogar 1,87 Euro. Auch in Großbritannien, Griechenland und Italien zahlten Verbraucher mehr als einen Euro.

Schulte to Brinke fordert von der Politik mehr Unterstützung bei der Erschließung neuer Märkte. Das sieht auch Niedersachsens CDU so: Sie verlangt von der Landesregierung, für exportwillige Landwirte ein Bürgschaftsprogramm aufzulegen. Das müsse auch für Ferkelerzeuger gelten, denen es ähnlich schlecht gehe, sagt der agrarpolitische Sprecher, Helmut Dammann-Tamke. Das lehnen die Grünen ab. „Um die Abwärtsspirale des Milchpreises aufhalten zu können, brauchen wir eine freiwillige Begrenzung der Liefermengen“, sagt Hans- Joachim Janßen.

Struß hofft, dass die Preiskrise so oder so ein schnelles Ende findet: Derzeit zehre seine Familie noch von Rücklagen, sagt er - wenn das Geld aufgebraucht sei, müsse sie aber Kredite aufnehmen, um den Hof in der vierten Generation weiter zu erhalten. „Und das schlägt dann richtig auf die Psyche“, sagt der 28-Jährige.

Weniger Betriebe in Niedersachsen

In ganz Niedersachsen gab es im vergangenen Jahr rund 10 560 Landwirte, die ihr Geld teilweise oder ganz mit Milchkühen verdient haben. Im Jahr 2000 waren es nach Angaben des Landvolks noch doppelt so viele.

Die Zahl der Kühe pro Betrieb hat sich im gleichen Zeitraum verdoppelt, von durchschnittlich 40 auf 80 Tiere. Damit sei Niedersachsens Milchviehwirtschaft immer noch fest in der Hand von bäuerlichen Familienbetrieben, betont das Landvolk. Weniger als ein Prozent der Milchviehhalter habe mehr als 500 Tiere im Stall.

Ähnliche Probleme wie die Milchviehhalter haben derzeit die Schweinebauern. Der Erzeugerpreis pro Kilogramm Fleisch ist auf 1,24 Euro gefallen – wirtschaftlich sind 1,30 Euro. Auch hier ist die Zahl der Betriebe deutlich gesunken, von 10 300 im Jahr 2000 auf jetzt 2300.

ran

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