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Biokartoffeln aus Niedersachsen Hilfe für die Knolle

Immer seltener kommt die Biokartoffel in den Regalen der Region aus Niedersachsen. Nun haben sich Supermarktbetreiber erstmals mit Biobauern und Verarbeitern an einen Runden Tisch gesetzt. Das gemeinsame Ziel: den Anbau von Biokartoffeln wieder zu beleben und das Marktpotenzial besser zu erschließen.

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Das kann den Händlern nicht gleichgültig sein: Immer seltener kommt die Biokartoffel in den Regalen der Region aus Niedersachsen.

Quelle: Fotolia

Hannover. Wenn er wollte, könnte Cord Baxmann noch viel mehr von seinen Biokartoffeln mit so klingenden Namen wie Nicola, Laura oder Granola verkaufen. Auf zwölf seiner rund 100 Hektar baut der Landwirt Biokartoffeln an. Doch mehr gehe nicht wegen der langen Fruchtfolgen, die für die Bodengesundheit notwendig seien. Andere Ökobetriebe haben sich sogar aus dem Kartoffelanbau verabschiedet, und so steht wachsender Nachfrage ein schrumpfendes Angebot gegenüber.
Seit Jahren wächst der Markt für biologisch erzeugte Knollen stetig um 6 bis 7 Prozent, wie Henning Niemann vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) berichtet – eigentlich ein Grund, den Anbau auszuweiten. Doch in Niedersachsen ist die Anbaufläche laut KÖN im vergangenen Jahr um fast 14 Prozent auf rund 2000 Hektar geschrumpft. Etwa 40.000 Tonnen Biokartoffeln wurden geerntet. Damit habe sich Niedersachsens Anteil an der bundesweit leicht gestiegenen Fläche von einem Drittel auf nur noch ein Viertel verringert. Das KÖN sieht bereits den Anbau gefährdet.

Schuld daran ist unter anderem der sich in Niedersachsen ausbreitende Drahtwurm, ein Schädling, der sich in die Kartoffeln bohrt und verpuppt, um danach – ein tiefes Loch in der Knolle hinterlassend – davonzufliegen. Im Biolandbau kann der Drahtwurm kaum bekämpft werden, weil keine Pestizide eingesetzt werden dürfen, wie KÖN-Berater Niemann erklärt. Diese Kartoffeln werden von den Packstellen ebenso aussortiert wie solche mit „optischen“ Mängeln. Bezahlt werde nur, was im Handel abgesetzt werde, sagt Niemann. „Unter dem Strich wird so etwa ein Drittel der Ernte weggeworfen.“ Damit gehe die Rechnung für viele Bauern nicht mehr auf, sie gäben den Anbau auf.

Wer den Anbau ausweiten will, scheitert oft an hohen Pachtpreisen, die durch den Landbedarf von Biogasanlagen und Mastbetrieben in die Höhe getrieben werden. Auch Baxmann bräuchte eigentlich zusätzliche Flächen. Für ihn kommt das jedoch nicht infrage. Kartoffeln sind nicht die Hauptfrüchte in seinem Betrieb. Das sind Weizen, Roggen und Dinkel für die hofeigene Bäckerei.

Große Supermarktketten, bei denen Bioware inzwischen zum festen Sortiment gehört, beobachten den Abwärtstrend der Biokartoffel mit Sorge. Sie können zwar auf Importe aus den Niederlanden oder Österreich bei späten Kartoffeln und aus Ägypten und Israel bei Frühkartoffeln zurückgreifen. Aber die Konsumenten bevorzugten gerade bei Kartoffeln und Gemüse aus ökologischem Anbau Produkte aus der Region, sagt Niemann.

Das kann den Händlern nicht gleichgültig sein, einige werben ausdrücklich mit der regionalen Herkunft. So haben sich in Niedersachsen Rewe, Edeka, Tegut und der Bioanbieter Alnatura erstmals mit Biobauern und Verarbeitern an einen Runden Tisch gesetzt. Das gemeinsame Ziel: den Anbau von Biokartoffeln wieder zu beleben und das Marktpotenzial besser zu erschließen. Einen solchen „Schulterschluss“ hat es laut KÖN in der Biobranche noch nicht gegeben.

Mit einer Kampagne, die Geschmack, Bioqualität und den „Mehrwert heimischer Bioprodukte“ hervorheben soll, wollen die neuen Bündnispartner bei den Verbrauchern punkten. Damit hoffe der Handel, sich über eine „Qualitätsführerschaft am Kartoffelmarkt“ zu profilieren, erklärt der KÖN-Berater – und das Produkt für die Landwirte wieder attraktiver zu machen. Rewe und Co. haben jedenfalls laut Niemann zugesagt, heimische Ware zu verkaufen, solange sie in „ausreichender Qualität“ zur Verfügung stehe. Wenn sie Wort halten, wäre das nach Ansicht von Baxmann ein Fortschritt. Bislang sei immer wieder zu beobachten, dass der Handel heimische Kartoffeln zu früh aus dem Sortiment werfe, um Platz für Importkartoffeln zu schaffen.

Ökoflächen schrumpfen

Zahl der Biobetriebe wächst kaum: Seit einigen Jahren beobachtet das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen in Visselhövede einen Rückgang der gesamten Anbaufläche im ökologischen Landbau. 2012 – neuere Zahlen liegen nicht vor – wurden demnach knapp 74.500 Hektar ökologisch bestellt. Von 1997 bis 2009 hatte die Fläche von gut 23.800 auf mehr als 74.700 Hektar zugenommen. Neben gestiegenen Pachtpreisen dürften auch die zurückgefahrene Förderung des Ökolandbaus und der allgemeine Anstieg der Agrarpreise eine Umstellung für konventionelle Landwirte weniger attraktiv gemacht haben. Das niedersächsische Landwirtschaftministerium hat deshalb die Prämien für Biobauern und solche, die es werden wollen, inzwischen wieder erhöht. Insgesamt gab es 2012 rund 1420 zertifizierte Biobetriebe in Niedersachsen, das waren lediglich 20 Betriebe mehr als im Jahr davor.

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