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Metallbranche schmiedet Flüchtlingspakt

Eingliederung in Arbeitsmarkt Metallbranche schmiedet Flüchtlingspakt

Die IG Metall schmiedet mit Industrie und Handwerk in Niedersachsen Bündnisse zur Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Geplant sind intensive Maßnahmen zur Vorqualifizierung, bevor Flüchtlinge einen Ausbildungsplatz bekommen.

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Neustart in Göttingen: Said Karimi (l.) aus Afghanistan und Mohammed Alhussein aus Syrien bei einem Praktikum bei Sartorius.

Quelle: oh

Hannover. Die IG Metall schmiedet gemeinsam mit Industrie und Handwerk in Niedersachsen Bündnisse zur Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Nach HAZ-Informationen ist der „Niedersächsische Handwerkspakt Integration“ schon unterschriftsreif. Eine entsprechende Vereinbarung mit Niedersachsen-Metall, dem Arbeitgeberverband der Industrie, ist weit fortgeschritten. In beiden Fällen sind umfangreiche Maßnahmen der Vorqualifizierung geplant, bevor Flüchtlinge einen Ausbildungsplatz bekommen. Von der ersten Deutschstunde bis zur Übernahme in eine Festanstellung werden bis zu fünfeinhalb Jahre vergehen.

Alle Beteiligten sähen ihre Verantwortung, Perspektiven aufzuzeigen, wie Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden können, heißt es aus Verhandlungskreisen. Das Handwerk, das große Nachwuchssorgen hat, hofft auf neue Arbeitskräfte und will schnell zu Ergebnissen kommen. Der Wirtschaftszweig profitiere „von den Kompetenzen und Potenzialen der geflüchteten Menschen und kann dem Fachkräftemangel entgegenwirken“, heißt es in dem Textentwurf zu dem Pakt, der der HAZ vorliegt.

Die Vereinbarungen würden unter anderem die Metall- und Elektroindustrie sowie das Metall- und Kraftfahrzeug-Handwerk umfassen. Zusammen kommen die Branchen auf rund 200 000 Beschäftigte. Mittelfristig können von den Pakten Hunderte Flüchtlinge profitieren, heißt es. Alle Beteiligten stellen aber klar, dass die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt „nicht zulasten von anderen benachteiligten Gruppen gehen“ dürfe. Deshalb sollen die bestehenden Tarifvertragssysteme für alle gleichermaßen gelten.

Im Kern sehen die Vereinbarungen die gleichen Elemente vor: Zunächst sollen die Flüchtlinge einen umfangreichen Deutschunterricht erhalten - an fünf Tagen in der Woche bis zu ein Jahr lang. In der Industrie soll ein Tag in der Woche im Betrieb unterrichtet werden, damit die Flüchtlinge technische Begriffe und betriebliche Abläufe kennenlernen. Die Mehrkosten soll der Verein zur Beschäftigungsförderung übernehmen. Er wurde vor 17 Jahren in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und mit 5 Millionen Euro ausgestattet, um Arbeitszeitverkürzung zur Schaffung neuer Jobs zu finanzieren. Das Geld musste jedoch nie nennenswert angetastet werden.

Später soll sich sowohl im Handwerk als auch in der Industrie ein Jahr Einstiegsqualifizierung im Betrieb anschließen - eine Art Ausbildung zur Ausbildung. Das Modell gibt es in der Metallindustrie schon seit 2012 für benachteiligte Jugendliche. Wie sie würden die Flüchtlinge 682 Euro im Monat bekommen, wovon die Betriebe nur etwas mehr als ein Drittel bezahlen müssten. Den Rest tragen die Arbeitsagentur und der Verein zur Beschäftigungsförderung. Im Handwerk bekämen die Interessenten zwischen 500 und 600 Euro.

Erst nach zwei Jahren - und wenn beide Seiten es wollen - stünde die Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis und nach weiteren drei bis dreieinhalb Jahren der Wechsel ins klassische Berufsleben an. Angesichts fehlender Deutschkenntnisse und der oft unklaren beruflichen Vorbildung der Flüchtlinge sei das unumgänglich - auch wenn das manchem Betroffenen womöglich nicht schnell genug gehen werde, hieß es.

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