Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Mit Gardinen aus dem Emsland in die ganze Welt

Ado-Gardinenwerke Mit Gardinen aus dem Emsland in die ganze Welt

Präzision und Handwerk: Die Gardinenfirma Ado aus Aschendorf hat sich mit seiner „Goldkante“ weltweit etabliert. Das ist Fluch und Segen zugleich.

Hüntestraße 68, 26871 aschendorf 53.04228 7.32396
Google Map of 53.04228,7.32396
Hüntestraße 68, 26871 aschendorf Mehr Infos
Nächster Artikel
Unternehmen buhlen um die besten Azubis in Niedersachsen

Zwischen den Webmaschinen bei Ado wirken die Menschen fast verloren. Garant für den Erfolg ist die Qualität.

Quelle: Archivbild

Aschendorf. Als Heinz Otto Müller zwei Jahre alt war, nahm das seinen Anfang, was er heute als „Fluch und Segen zugleich“ beschreibt: Auf den deutschen Fernsehschirmen griff Marianne Koch 1968 zum ersten Mal beherzt nach einem Gardinensaum und sprach die mahnenden Worte: „Achten Sie auf die Goldkante – es lohnt sich!“ Damit begann der rasante Aufstieg des einst kleinen emsländischen Gardinenherstellers Ado zum Weltmarktführer.

Heute ist Müller 45 Jahre alt und Chef bei Ado. Der gebürtige Leeraner will nun neue Märkte erobern. Seit Kurzem stellt Ado als Auftragsfertiger auch Gardinen für Konkurrenten her. Zudem gehören technische Textilien – etwa Filterstoffe – seit drei Jahren zum Programm. Als nächstes sollen besonders strapazierfähige Stoffe für Autositze dem Unternehmen in Aschendorf bei Papenburg einen Schub bringen.

Nur mit der Goldkante hadert Müller ein wenig. Klar, sie beschere den Gardinen aus dem Emsland noch immer eine „irrsinnige Endkundenbekanntheit“ an die 80 Prozent, sagt Müller. Und das, obwohl die Fernsehwerbung schon vor mehr als 20 Jahren eingestellt wurde. Auch die Schauspielerin und Ärztin Marianne Koch möchte heute nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden, heißt es.

Mit der Erinnerung an den Glitzerfaden im Saum steigt auch der Muff jener Jahre mit hoch, als diese Werbung noch im Fernsehen lief. Sich heute ein frisches Image abseits der alten Betulichkeit zu geben, ist nicht mehr so einfach, bedauert Müller. Selbst TV-Werbung würde angesichts der heutigen Sendervielfalt nicht mehr die Durchschlagskraft entfalten wie noch in den sechziger und siebziger Jahren.

Dabei haben die Stoffe von heute allenfalls noch das Material Polyester mit den Fensterbehängen von damals gemeinsam. Wolle, Baumwolle oder Seide mache nur einen kleinen Bruchteil der Produktion aus, sagt Müller. Ado stellt heute Gardinen für praktisch jeden Einrichtungsstil her. Das Unternehmen betreibt eine der letzten Webereien in Deutschland – aber auf technisch höchstem Niveau.

Der Lärm in der Produktionshalle ist dennoch gewaltig, selbst wenn nicht alle der 200 Webmaschinen gleichzeitig laufen. Bis zu 200-mal in der Minute gleiten winzige Weberschiffchen durch die Kettfäden. Andere Webmaschinen schießen einen Faden mit Druckluft hin und her – mehr als 500-mal in der Minute. Die Maschinen liefern drei Meter breite Stoffbahnen, die bis zu 300 Meter lang werden können. Mit Färben, Besticken, Beflocken, Bedrucken oder Prägen erhalten die Stoffe jedes gewünschte Aussehen. So kommen 357 Produkte in nahezu 60 Farben zustande.

Trotz aller Vielfalt: Der Markt für Wohntextilien werde europaweit immer kleiner, sagt Müller. „In den nächsten drei bis fünf Jahren erwarten wir da kein Wachstum.“ Das habe einerseits mit aktuellen Einrichtungstrends zu tun, die klarer und geradliniger daherkommen und weniger auf Stoffe im Allgemeinen und Gardinen im Besonderen setzen. Das sei aber nicht alles, sagt Müller. „Die Werte verschieben sich: Ein Handy oder iPad ist vielen heute wichtiger als Gardinen.“
Entsprechend sieht die Zielgruppe für die Ado-Produkte aus: Es seien eben nicht die ganz jungen Leute, sondern Kunden von 40 Jahren an aufwärts, die Ikea hinter sich gelassen haben, die sogenannten „Best Ager“, erläutert Müller. Um diese Gruppe zu erreichen, beschränkt sich Ado zudem auf den Vertriebsweg über Fachhändler und Raumausstatter.

Für Ado sei es wichtig, nicht die Speerspitze des modernen Designs spielen zu wollen, meint Müller. „Unser Auftrag ist es, Trends zu demokratisieren.“ Müller nimmt sich Volkswagen zum Vorbild, wo er vor seinem Einstieg bei Ado als Prozessoptimierer tätig war. In Wolfsburg schaue man sich ein Marktsegment auch erst einmal ganz genau an und überlege lange. Es mache dabei nichts aus, erst später als andere in den Markt zu stoßen. „Aber wenn man dann kommt, hat man genau das richtige Produkt.“ Die Verkaufserfolge von Touran und Tiguan seien Beispiele dafür. „Auch ich würde nichts übereilt machen.“

Sicher, die Marke Ado lasse sich auf andere Bereiche ausdehnen, sagt er. Das müsse aber gut vorbereitet werden. „Die Märkte sind doch alle besetzt.“ Ein Versuch mit Bettwäsche war vor Jahren gescheitert. Müller will aus Fehlschlägen der Vergangenheit lernen. „Wir müssen den gegenwärtigen Markt absichern.“

Ado fühle sich im mittleren Preissegment mit seinen Gardinen wohl, und Müller sieht gute Chancen, dort auch im Verdrängungswettbewerb bestehen zu können. In der Wirtschaftskrise sei zwar immer wieder vom Trend zum sogenannten Cocooning gesprochen worden, dem Rückzug der Menschen in die eigenen vier Wände, die dann angeblich besonders behaglich ausstaffiert werden. „Das können wir nicht feststellen“, bedauert Müller.

Einzige Ausnahme: Der Markt für Sonnenschutz – Markisen und Plissees – gedeiht. Dort tritt Ado zwar nicht selbst auf, agiert allerdings als Stoffhersteller und Zulieferer für andere. Große Hoffnungen setzt Müller jetzt auf Stoffe für Autositze. Eigens wurden international erfahrene Designer eingestellt und die wichtige Iso-Zertifizierung, ohne die in der Autoindustrie keine Aufträge vergeben werden, in Angriff genommen. Man stehe in gutem Kontakt zu Opel, sagt Müller. Und natürlich möchte er, der schon einmal für VW gearbeitet hat, wieder in Wolfsburg einen Fuß in die Tür bekommen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Niedersachsen

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

VOLKSWAGEN VZ 141,90 -0,85%
CONTINENTAL 213,57 +0,21%
TUI 14,94 +0,40%
SALZGITTER 41,77 +1,63%
HANNO. RÜCK 105,77 -0,07%
SYMRISE 64,83 +0,34%
TALANX AG NA... 34,33 +0,72%
SARTORIUS AG... 78,86 +0,67%
CEWE STIFT.KGAA... 80,22 +0,84%
DELTICOM 12,85 -0,05%
DAX
Chart
DAX 13.005,50 +0,11%
TecDAX 2.487,50 +0,04%
EUR/USD 1,1761 -0,09%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

LINDE 177,95 +2,88%
LUFTHANSA 25,80 +1,77%
DT. BÖRSE 92,66 +1,71%
SIEMENS 116,11 -1,22%
BMW ST 86,32 -1,03%
Henkel VZ 116,48 -0,99%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 221,87%
Commodity Capital AF 151,98%
BlackRock Global F AF 119,25%
Allianz Global Inv AF 115,08%
Apus Capital Reval AF 112,38%

mehr