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Niedersachsen Kartoffelbauer Karsten Ellenberg hat neu gezüchtet
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Kartoffelbauer Karsten Ellenberg hat neu gezüchtet
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13:53 21.04.2016
Von Gabriele Schulte
Karsten Ellenberg wurde vor knapp sieben Jahren wegen des Kampfs für Linda bekannt. Quelle: Ellenberg
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Barum

Karsten Ellenberg mag es bunt. Blaues Kartoffelmus, rot-gelber Kartoffelsalat – die farbigen Sorten dafür hat er selbst gezüchtet. „Als gelbe nehme ich am liebsten Linda“, sagt der Landwirt und zeigt auf einen Korb heller Knollen. Als ein Saatgutunternehmen diese beliebte Sorte 2005 vom Markt nehmen wollte, hat der Biobauer aus Barum bei Uelzen einen „Freundeskreis Linda“ gegründet – und die Kartoffel am Leben gehalten. „Der Kampf hat sich gelohnt“, sagt der 53-Jährige heute stolz. „Die Leute wollen Linda, und sie gehört zu den besten.“

Landwirt Karsten Ellenberg aus Barum bei Uelzen mag es bunt. Er hat mehrere farbige Kartoffelsorten selbst gezüchtet. Bekannt wurde er 2009 durch den Kampf um die Sorte Linda.

Jetzt im April zieht Ellenberg mit seinem Traktor und dem kleinen Pflanzwagen im Schlepptau von Acker zu Acker. Hinten legen zwei Mitarbeiter die Knollen mit Bechern von Hand in die feuchte Erde: lila-fleischige Violetta und Rote Emmalie, nach Ellenbergs Oma benannt. Die Eigenzüchtungen sind das Ergebnis von langen Geduldsproben im hofeigenen Labor und Gewächshaus, Geschmackstests und Feldversuchen. Auch der Vielfalt des Angebots ist zu verdanken, dass der Barumer seinen Mitarbeiterstamm aufstocken konnte: von zwei Festangestellten vor zehn Jahren auf acht. Mit 40 Prozent hat Linda am Verkauf aber weiterhin großen Anteil. Dass sie ihn bekannt machte, habe nicht geschadet, meint der ruhige, besonnen auftretende Rebell. Doch das Entscheidende am „Freundeskreis“ sei der Kampf gegen die Saatgutindustrie gewesen: „Wir Bauern drohten Sklaven der Konzerne zu werden.“

Wie Linda gerettet wurde

Der Lüneburger Saatzuchtbetrieb Europlant wollte die beliebte Linda nach Ablauf des 30-Jahre-Zeitraums, in dem er für die Sorte Lizenzgebühren erhalten hatte, aus dem Programm nehmen. Normalerweise hätten Landwirte nach der 30-Jahre-Frist die Kartoffel gebührenfrei fortpflanzen dürfen. Das wollte der Zuchtbetrieb verhindern, indem er Linda beim Bundessortenamt abmeldete. Ellenberg und zwei weitere Landwirte kündigten Widerstand an, woraufhin ihre Pflanzkartoffeln beschlagnahmt wurden. Doch vor Gericht konnten die Linda-Freunde, denen sich bundesweit Gastronomen, Händler und Verbraucherschützer anschlossen, Siege erringen. Dazu trug Ellenbergs Idee eines Umwegs über Großbritannien bei. Er ließ dort die Sorte neu zulassen, sie durfte dann auch in Deutschland eingesetzt werden. Mittlerweile hat sogar Europlant Linda wieder im Programm.

Ärger um Saatgut gibt es aber bis heute. Die „Interessengemeinschaft Nachbau“, der Ellenberg angehört, berichtete kürzlich von Drohbriefen der Saatguttreuhandverwaltung: Landwirte sollen, wenn sie wie gewohnt von der Ernte etwas für die Aussaat zurückhalten, Gebühren zahlen. „Aber dazu müssten die Bauern verraten, was genau sie nachbauen“, sagt der Kartofellkämpfer verschmitzt. Er selbst vermehrt Linda längst offiziell, unter anderem im klimatisch geeigneten Schottland. Kunden von Sylt bis Berchtesgaden, sagt er, schätzten die festkochende und doch cremige Sorte: „Wir liefern Linda palettenweise.“

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