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Niedersachsen Nach sechs Jahren gibt es wieder einen Tarifvertrag für das Friseurhandwerk in Niedersachsen
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00:39 21.06.2018
Nach sechs Jahren gibt es wieder einen Tarifvertrag für das Friseurhandwerk in Niedersachsen. Quelle: dpa
Hannover

Friseure in Niedersachsen bekommen von August an mehr Geld. Die Gewerkschaft Verdi und der Landesinnungsverband haben sich nach sechs Jahren wieder auf einen Tarifvertrag für das Handwerk mit einer Laufzeit von 24 Monaten verständigt. Demnach bekommen Friseure je nach Qualifikation künftig zwischen 9,70 und 15,80 in der Stunde, vom August nächsten Jahres an liegt die Spanne zwischen 10 und 16,30 Euro. Auch für Auszubildende steigen die Vergütungen. „Damit haben alle deutlich mehr im Portemonnaie“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Ute Gottschaar.

Von der Gehaltserhöhung profitieren vorerst jedoch nur Angestellte von Betrieben, die Mitglied in einer Innung sind. Das ist nur eine Minderheit: Von den 7422 Geschäften gehörten Ende 2016 nur rund 1600 einer der 42 Friseur-Innungen an – neuere Zahlen liegen nicht vor. Seit 2006 habe sich die Zahl der Mitglieder halbiert, sagte der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes, Marc Ringel. Dieser Rückgang sei kein niedersächsisches Phänomen, bundesweit beklage das Handwerk einen Schwund der Beitragszahler.

Schwund bei Innungen

Um für gleiche Rahmenbedingungen in der Branche zu sorgen, wollen die Gewerkschaft und der Landesinnungsverband ihren neuen Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklären lassen – damit müssten dann auch jene Friseur-Betriebe entsprechende Löhne zahlen, die nicht Mitglied einer Innung sind. „Wir wollen damit die Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb schaffen“, sagte Ringel.

Formal muss der Antrag auf Allgemeinverbindlichkeit beim Bundesarbeitsministerium in Berlin gestellt werden – da dieser aber nur für Niedersachsen gelten soll, würde die Behörde das Schreiben an das Wirtschaftsministerium in Hannover weiterleiten. Voraussetzung für die Genehmigung des Antrags wäre dann die Zustimmung des hiesigen Tarifausschusses, in dem je drei Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sitzen.

Arbeitgeber sperren sich

Laut Gesetz ist ein positiver Bescheid möglich, wenn der Tarifvertrag eine überwiegende Bedeutung für die Gestaltung der Arbeitsbedingungen in seinem Geltungsbereich hat und die damit gesetzten Normen einer wirtschaftliche Fehlentwicklung vorbeugen. Bei dem im Jahr 2009 geschlossenen Tarifvertrag, für den eine dreijährige Laufzeit vereinbart war, hatten Verdi und die Landesinnung mit ihrem Antrag auf Allgemeinverbindlichkeit Erfolg – doch für die neue Vereinbarung stehen die Chancen offenbar schlechter.

Wegen des Mitgliederschwundes bei den Innungen zeichnet sich im Lager der Arbeitgeber bereits Widerstand ab. „Die Anforderungen an eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung für Tarifverträge sind hoch, weil diese auch immer einen Grundrechtseingriff bedeutet“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller. Mit anderen Worten: Eine kleine Minderheit dürfe der Mehrheit keine Arbeitsbedingungen diktieren. „Im Friseurhandwerk war es schon in der Vergangenheit äußerst schwierig, die Voraussetzungen für eine Allgemeinverbindlichkeit nachzuweisen, so dass hier eine gesunde Skepsis geboten ist“, sagte Müller.

Von Jens Heitmann

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