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Niedersachsen Großkunden fordern Ende des Streiks
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14:20 20.07.2018
Der Streik beim Autozulieferer Neue Halberg Guss läuft seit Mitte Juni. Quelle: dpa
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Hannover

Der Streik beim Autozulieferer Neue Halberg Guss (NHG) ruft dessen Großkunden auf den Plan. In einem Aufruf fordern 26 hochrangige Manager den Hersteller von Motorenblöcken und Antriebswellen sowie die IG Metall auf, den Arbeitskampf zu beenden. „Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!“, heißt in einer ganzseitigen Anzeige, die am Freitag in mehreren Zeitungen erschien. Bei einer Fortsetzung des Streiks drohten wegen der Lieferengpässe bei NHG Ausfälle in der eigenen Produktion. Die Folge: Kurzarbeit und Umsatzeinbußen.

Unterzeichner des Appell sind unter anderem die Chefs des Motorenherstellers Deutz, des Gabelstaplerspezialisten Kion und des US-Landmaschinenbauers Agco. Zuvor hatten bereits Volkswagen und Opel Produktionsprobleme eingeräumt. Während bei der VW-Tochter Scania die Bänder weiter laufen, mussten bei Opel im Werk Eisenach für Juli geplante Schließtage in den Juni vorgezogen werden.

NHG gehört seit Jahresbeginn zu Prevent – einer Gruppe von Autozulieferern, hinter der die bosnisch-deutsche Unternehmerfamilie Hastor steht. Die Hastors werden von der Branche kritisch beäugt, seit sie VW vor zwei Jahren in einem Streit um Folgeaufträge zwangen, teilweise die Produktion zu stoppen. Dieser Konflikt setzt sich bei NHG fort: Als Volkswagen seine Abnahmemenge reduzierte, erhöhte die Geschäftsleitung daraufhin die Preise um das Zehnfache – und kündigte an, den Leipziger Standort mit 700 Beschäftigten bis Ende 2019 zu schließen. Am Stammsitz in Saarbrücken könnten wegen fehlender Aufträge jeder fünfte der rund 1500 Arbeitsplätze wegfallen, hieß es.

Daraufhin traten die NHG-Beschäftigten Mitte Juni in einen unbefristeten Streit. Die IG Metall fordert eine vom Unternehmen finanzierte Qualifizierungsgesellschaft und einen Treuhandfonds, aus dem Abfindungen oder Hilfen zur Vermittlung in neue Stellen bezahlt werden sollen. Mehrfach wurde darüber verhandelt – bisher ohne Ergebnis. Die Prevent-Tochter nennt die Forderungen der Gewerkschaft unbezahlbar und appelliert an die Belegschaft, eine Streikpause einzulegen. „Nur wenn die Neue Halberg Guss schnellstmöglich ihre langjährigen Kunden wieder beliefern kann, hat der Standort Saarbrücken eine Zukunft“, erklärte NHG-Geschäftsführer Barbaros Arslan Mitte dieser Woche.

Versuche des Unternehmens, den Arbeitskampf mit Hilfe der Justiz zu stoppen, sind gescheitert. Das Landesarbeitsgericht Hessen hat in zweiter Instanz einen entsprechenden Eilantrag abgelehnt. Die nächste Niederlage folgte vor dem Arbeitsgericht Frankfurt bei einem Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die IG Metall.

Wie aus den Gerichtsunterlagen hervorgeht, verliert NHG mit jedem Streiktag rund eine Million Euro Umsatz. Der Großkunde Deutz will seine Ausfälle nicht beziffern: „Unsere Schmerzgrenze ist aber erreicht“, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Das Unternehmen habe seine Produktion verringern müssen und könne die eigenen Kunden nicht im gewünschten Umfang beliefern. Setze sich der Streik bei NHG fort, drohe 1500 Mitarbeitern in den Werken Köln und Ulm Kurzarbeit.

 

Von Jens Heitmann

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