Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Neuer Folienriese sieht Chance für Jobaufbau
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Neuer Folienriese sieht Chance für Jobaufbau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:59 20.10.2016
Von Lars Ruzic
„Druck aus den Standorten nehmen“: Dirk Leiß, Chef von Benecke-Kaliko (li.), setzt große Hoffnungen in die Fusion mit Hornschuch (re.). Fotos: Körner (2), Hornschuch
Anzeige
Hannover

Beide Unternehmen orderten die gleichen chemischen Vorprodukte bei denselben Lieferanten, da gebe es ein großes Potenzial. Der Continental-Konzern will den Folien- und Kunstlederspezialisten Hornschuch schlucken und in seine Tochter Benecke-Kaliko integrieren. Mit dem Vollzug der Übernahme wird im zweiten Quartal 2017 gerechnet.

Obwohl beide Unternehmen ihren Schwerpunkt in Deutschland haben und vergleichbare Produkte herstellen, rechnet Leiß nicht mit Stellenstreichungen. „Im Zuge des Zusammenschlusses wird es nach jetzigen Planungen weder Personalabbau noch Werksschließungen geben“, sagte er. Schließlich hätten beide Unternehmen derzeit gut zu tun.

Benecke arbeitet in seinem Hauptwerk in Hannover-Vinnhorst seit Jahren an der Kapazitätsgrenze, weil die hochwertigen Folien für Autoinnenraum und Sitze, wie sie das Unternehmen herstellt, stark gefragt sind. Mit der neuen Größe und mehr Fabriken ließen sich die Kapazitäten „neu ausbalancieren und Druck aus dem einen oder anderen Standort nehmen“, so Leiß. Mittelfristig sei dann sogar ein Stellenaufbau möglich, sagte der Firmenchef - „wenn wir unseren Job gut machen“.

Zusammen kommen die beiden Unternehmen auf elf Werke, gut 4400 Beschäftigte und einen Umsatz von fast einer Milliarde Euro. Conti hatte Hornschuch vor allem übernommen, um sich ein weiteres Stück unabhängiger von der Autoindustrie zu machen. Das Unternehmen aus Weißbach erzielt gut die Hälfte des Umsatzes mit Kunden aus Möbel-, Bau- und Textilbranche. Der Rest entfällt allerdings ebenfalls auf die Autobauer, was den vor allem in Europa schon exorbitant hohen Marktanteil von Benecke weiter steigen lassen würde. Dass die Kartellbehörden das Geschäft noch torpedieren könnten, erwartet Leiß dennoch nicht.

Angeblich soll die Conti gut 400 Millionen Euro für Hornschuch bezahlt haben. Das Unternehmen war in einem Bieterverfahren unter den Hammer gekommen. Leiß hielt sich zum Kaufpreis bedeckt, betonte aber: „Es gibt nicht viele Firmen dieser Qualität, die zum Verkauf stehen.“ Noch unklar ist, ob das Unternehmen nach der Übernahme einen neuen Namen erhält. Beide Firmen seien schließlich „sehr traditionsreich und wertvoll“, so der Benecke-Chef.

Leiß sieht durch eine engere Zusammenarbeit Chancen für zusätzliches Wachstum. „Mit der Kombination des Know-hows von Benecke und Hornschuch lassen sich Produkte entwickeln, die der Markt heute noch gar nicht kennt“, meinte er. So könnten etwa die Benecke-Erfahrungen mit hochwertigen Oberflächen in Autos in die Kunstleder-produkte von Hornschuch eingebracht werden.

Übernahme unter Traditionshäusern

Die Benecke-Kaliko AG mit Sitz im Stadtteil Vinnhorst ist eines der traditionsreichsten hannoverschen Unternehmen und Deutschlands ältester Kunststoff verarbeitender Betrieb. 2018 feiert die als „Königlich privilegierte Wachstuchmacherey“ gegründete Conti-Tochter 300-jähriges Jubiläum. Benecke gehört zu den weltweit größten Spezialisten für Innenraumfolien im Auto – ob bei Cockpit, Türverkleidung, Sitzbezügen oder Sonnenblenden. Benecke beschäftigt an sieben Standorten in fünf Ländern 2600 Menschen – 1100 davon in Vinnhorst.

Die Konrad Hornschuch AG mit Sitz im badischen Weißbach ist ein Spezialist für Folien und Kunstleder für die Möbel-, Automobil-, Textil- und Bauindustrie. Unter der Marke d-c-fix fertigt das Unternehmen Designfolien für Endverbraucher, die etwa an Wänden oder Böden zu finden sind. Unter der Marke Skai werden unter anderem Kunstlederprodukte vertrieben. Das 1898 gegründete Unternehmen gehörte zuletzt Finanzinvestoren. Es beschäftigt an vier Standorten in zwei Ländern 1800 Mitarbeiter – 200 davon in Stolzenau.

lr

Die SB-Warenhauskette Real baut um. In den nächsten eineinhalb Jahren will die Handelskette bis zu 500 Vollzeitstellen im Verwaltungsbereich abbauen - darunter auch in Hannover. Gleichzeitig soll jedoch das Personal im Vertrieb kräftig aufgestockt werden.

18.10.2016

Auf die Stromverbraucher besonders in Norddeutschland kommen im nächsten Jahr höhere Kosten zu. Neben der EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigen auch die sogenannten Netzentgelte – um mehr als 15 Prozent.

Jens Heitmann 18.10.2016

Der Continental-Konzern muss überraschend seine Gewinnziele für dieses Jahr nach unten schrauben. Der Grund sei „das sich in den zurückliegenden Tagen ergebende, kombinierte Auftreten von einzelnen, voneinander unabhängigen Sachverhalten“, erklärte der Autozulieferer am Montag in einer Pflichtmitteilung nach Börsenschluss.

Lars Ruzic 17.10.2016
Anzeige