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Neues Konzept: Letzte Chance für die Cebit

IT-Messe Neues Konzept: Letzte Chance für die Cebit

Die IT-Messe in Hannover war einst ein Magnet für Branche und Publikum, doch die Relevanz der Veranstaltung nimmt seit Jahren ab. Jetzt erfindet sich die Cebit neu – mal wieder.

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Zu Höchstzeiten kamen mehr als 800.000 Besucher zur Cebit – inzwischen ist es nur noch ein Bruchteil.

Quelle: Wolfgang Weihs/dpa

Hannover. Das Atelier eines Berliner Bildhauers ist für ein konspiratives Treffen von Messemachern unverdächtig - wohl auch deshalb hatte es der Cebit-Chef für eine Art Workshop mit seinen Ausstellern ausgewählt. Obwohl der Branchenverband Bitkom sich bis zuletzt energisch für das von ihm durchgesetzte Konzept einer reinen Business-Messe eingesetzt hatte, war Oliver Frese ein gewisses Grummeln unter den Kunden nicht entgangen. „Wir mussten aus diesem Korsett einfach wieder raus“, hieß es am Mittwoch in Hannover.

Rückblick: Die CeBIT von 1986 bis heute.

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Die vor vier Jahren eingeleitete Konzentration auf das Fachpublikum hatte zwar dazu geführt, dass die von den Ausstellern gefürchteten „Hasiwes“ („Haben Sie Werbegeschenke?“) nicht mehr in Horden auf das Gelände kamen, doch es gab unerwünschte Nebenwirkungen: Neben der vermieteten Fläche nahm auch die Relevanz der Cebit in der Öffentlichkeit ab. Auch wenn die Kanzlerin weiterhin zur Eröffnung kam: Das Echo in der Gesellschaft und in den Medien war zuletzt deutlich geringer als in den Vorjahren.

Boris Becker, Bill Gates, Dieter Bohlen: Diese prominenten Gesichter haben sich schon auf der Cebit blicken lassen.

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Wettbewerber trumpfen auf

Schwerpunkte der Cebit

1986: Am 12. März wird die Cebit erstmals als eigenständige Messe eröffnet. Überschattet wird sie vom Tod des Computerpioniers Heinz Nixdorf, der am 17. März auf dem Ausstellungsgelände einen Herzinfarkt erleidet.
1995: Microsoft gehört zu den Magneten auf der Messe. Firmenchef Bill 
Gates stellt das Betriebssystem Windows 95 vor.
1999: Das Internet wird allmählich zum Massenphänomen, was auch auf die Cebit abfärbt. AOL kündigt eine Internetflatrate für Deutschland an, MP3-Spieler und Digitalkameras gehören zu den technischen Highlights.
2001: Die Cebit erreicht mit rund 840 000 Besuchern ihren Höhepunkt. Die mobile Revolution erreicht die Massen. Handys werden internetfähig, eines der wichtigsten Themen der Messe ist der Mobilfunkstandard UMTS.
2007: Das mobile Internet wird als Ausstellungsthema immer wichtiger. Außerdem interessieren sich die Besucher zunehmend für Ortungssysteme und Navigation.
2017: Die Cebit widmet sich der Digitalisierung und will das Thema mit Beispielen greifbar machen. Ausgerechnet dafür denken sich die Manager das sperrige Motto „d!conomy – no limits“ aus.

Zudem mussten die Veranstalter beobachten, dass ausländische Konkurrenten im Umgang mit der Branche - oder zumindest Teilen von ihr - geschickter waren. Eröffnet wird jedes Messejahr von der Consumer Electronics Show in Las Vegas, es folgt der Mobile World Congress in Barcelona und darauf die SXSW-Konferenz der Digital-Nerds im texanischen Austin - erst dann kommt die Cebit an die Reihe. Ein Alleinstellungsmerkmal ist ihr abhanden gekommen, stattdessen greift nur vier Wochen später die Hannover Messe viele ihrer Themen nochmals auf: Das „Internet der Dinge“, wie überhaupt die Kommunikation von Mensch und Maschine, treibt natürlich auch die Aussteller einer Industrieschau um.

Zwar ließen auch auf der Cebit die Manager die Krawatten weg, sonst aber verlief vieles im üblichen Messetrott - in Barcelona oder Texas hingegen hatten die Besucher einen anderen Glanz in den Augen: Diese beiden Orte stehen für stürmisches Wachstum und eine spezielle Atmosphäre, die in Hannover viele vermissen. „Es fehlt einfach der Magnetismus“, heißt es bei der Deutschen Messe.

An anderer Stelle hingegen gab es ihn: Die Cebit-Macher hatten sich zuletzt so eng an den Bitkom gebunden, dass die Verlautbarungen nahezu deckungsgleich ausfielen. Dass die Veranstalter in Hannover auch andere Interessen oder Ziele haben können als der Spitzenverband in Berlin, schien in Vergessenheit zu geraten.

Offenbar haben die Aussteller die Cebit-Macher daran erinnert: Ohne eigenes Profil, so die Botschaft, sterbe die hannoversche IT-Messe einen Tod auf Raten. Die klaren Stellungnahmen zum neuen Konzept sind ein Beleg für diese Besorgnis. „Es ist erforderlich, neue Wachstumsfelder unter der Dachmarke Cebit zu finden“, erklärte der Vorstandschef der Software AG, Karl-Heinz Streibich. Dank der Neuausrichtung könnten Aussteller digitale Technologien stärker inszenieren, sagte der Geschäftsführer von Intel Deutschland, Christian Lamprechter. Der IT-Dienstleister Materna begrüßte ausdrücklich den „notwendigen Bruch mit der Vergangenheit“.

Die Veranstalter in Hannover wissen aber auch, dass sie nicht mehr viele Versuche haben: „Dieser Schuss muss jetzt sitzen“, hieß es bei der Deutschen Messe.

Nur die nackten Zahlen zählen

Kommentar von Jens Heitmann

Als die Cebit im vergangenen Jahr mit der geringsten Besucherzahl seit Langem zu Ende ging, war das für den Branchenverband Bitkom trotzdem ein Grund für volle Zufriedenheit – sein Hauptgeschäftsführer sprach sogar von der „besten Cebit, die wir je hatten“. Heute sieht Bernhard Rohleder die Dinge etwas anders: Es sei „die Zeit für eine tiefgreifende Veränderung gekommen, ein Facelift ist nicht mehr ausreichend“. Mit tiefgreifenden Veränderungen der Branche innerhalb der letzten zwölf Monate lässt sich der offensichtliche Widerspruch zwischen den beiden Äußerungen nicht erklären.

Offenbar haben zuletzt nicht nur die Messemacher in Hannover den direkten Draht zu ihren Kunden verloren, sondern auch der Verband. Die Aussteller lassen sich vom „d!conomy“-Geschwurbel und dem penetranten Eigenlob der Veranstalter nicht mehr beeindrucken: Sie schauen ausschließlich auf die nackten Zahlen.

Der Messeerfolg bemisst sich nach Besucherkontakten und den Kontrakten, die daraus folgen. Bleiben die Geschäftsabschlüsse aus, stellen Unternehmen die Teilnahme an der nächsten Veranstaltung schnell infrage – auch große Konzerne schauen sehr nüchtern auf das Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Die Loyalität zu bestimmten Veranstaltungen schwindet schnell, die Entscheidungen für oder gegen einen Messeauftritt werden von Jahr zu Jahr neu getroffen. Dass bei der Cebit zuletzt immer weniger Aussteller auf ihre Kosten gekommen sind, haben offenbar weder die Veranstalter noch der Branchenverband rechtzeitig bemerkt.     

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