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Niedersachsen Sorge um den Standort von Nexans in Hannover
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00:21 23.01.2019
Warnstreik der IG Metall bei Nexans vor einem Jahr: Nun sorgt sich die Belegschaft um die Zukunft des Standortes. Quelle: Heiko Stumpe
Hannover

Die 500 Beschäftigten des Kabelherstellers Nexans in Hannover sind in Sorge um ihre Jobs und die Zukunft des Standortes. Der Hintergrund ist das Bestreben des französischen Mutterkonzerns, bis 2021 die Kosten zu senken und die Gewinne zu erhöhen. Einzelheiten zum geplanten Umbauprogramm wolle Nexans am Donnerstag bekanntgeben, hieß es in französischen Gewerkschaftskreisen. „Die Nervosität in der Belegschaft ist sehr groß“, sagte der hannoversche Betriebsratsvorsitzende Martin Weick am Sonntag.

Anlass dafür ist seinen Angaben zufolge die Ankündigung der Geschäftsführung von Nexans Deutschland, größere Umstruktruktierungen vorzubereiten und in Verhandlungen über einen Sozialplan eintreten zu wollen. Seit Arbeitsdirektor Dietmar Haas im Dezember bei einer Betriebsversammlung entsprechende Andeutungen gemacht habe, „verdichten sich Gerüchte, dass eine Standortschließung die wahrscheinlichste Option ist“, heißt es in einer Information der Vertrauensleute der IG Metall.

Nexans will sich nicht äußern

Nexans wollte dazu keine Stellung nehmen. Man werde sich „an Spekulationen nicht beteiligen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die „Leistungsfähigkeit und Aufstellung“ des Konzerns werde kontinuierlich überprüft: „Notwendige Anpassungen haben wir in der Vergangenheit durchgeführt und werden das auch in Zukunft tun, um den nachhaltigen Erfolg unseres Unternehmens zu gewährleisten.“

Der Konzern liefert Kabel aller Art für die Industrie, die Energiewirtschaft und die Baubranche. Nexans beschäftigt weltweit rund 26.000 Mitarbeiter – 11.000 davon in Deutschland –und erzielte 2017 einen Umsatz von 6,4 Milliarden Euro. Neben Hannover gibt es weitere deutsche Standorte in Mönchengladbach, Nürnberg, Bramsche, Hof, Floß und Neunburg.

Gewinnsteigerung auf 500 Millionen Euro ist das Ziel

Nach zuletzt schrumpfenden Gewinnen hat Nexans im November eine grundlegende Änderung des Geschäftsmodells angekündigt. „Ein Wechsel unserer Denkweise ist nötig“, erklärte Vorstandschef Christopher Guérin seinerzeit. Der Konzern müsse künftig stärker darauf achten, neben dem Umsatz auch den Ertrag stärker zu erhöhen. Ziel sei es, den operativen Gewinn (Ebitda) bis 2021 auf 500 Millionen Euro zu steigern – für 2018 waren 325 Millionen Euro als Ziel ausgegeben.

In den ersten neun Monaten 2018 haben sich die Geschäfte zum Teil deutlich schlechter entwickelt als erhofft. Insbesondere aus der Energiebranche kamen weniger Aufträge herein, unter anderem weil sich der Bau von Stromleitungen an Land und die Verkabelung von Windparks auf See verzögerten. Darunter hatte nach Angaben aus Arbeitnehmerkreisen auch das auf solche Kabel spezialisierte Werk in Hannover zu leiden – seit April 2018 befänden sich knapp 400 Mitarbeiter in Kurzarbeit, erklärte der Betriebsrat.

Hohe Investitionen in den Standort Hannover

Der Konzern habe zuletzt 17 Millionen Euro in Hannover investiert, um den Standort für Großaufträge für die geplanten Stromautobahnen Südlink und Südostlink vorzubereiten, verlautete aus Arbeitnehmerkreisen. „Nexans hat somit die Chance, sich am Erfolg der Energiewende zu beteiligen und so viel Geld zu verdienen“, sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Hannover, Dirk Schulze: „Wenn der Konzern diese Perspektive wegen einer kurzfristigen Gewinnmaximierung aus den Augen verliert, wäre das nicht nur mit Blick auf die Beschäftigten verantwortungslos, sondern auch wirtschaftlich dumm.“

Von Jens Heitmann

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