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Niedersachsen Niedersachsen-Metall feiert in den Gärten
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Niedersachsen-Metall feiert in den Gärten
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00:19 14.09.2015
Von Lars Ruzic
„Aufnahme von Flüchtlingen eine Selbstverständlichkeit“: SPD-Chef Sigmar Gabriel (Zweiter von links) mit Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger, Niedersachsen-Metall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt und Verbandspräsident Wolfgang Niemsch. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Als sie sich zusammentaten, war das Auto noch in den Anfängen, die schnellste Datenleitung war der Telegraf und der Gründungsort ihres Anti-Streik-Bundes - Linden - gehörte noch nicht einmal zu Hannover. In 125 Jahren passiert eben so einiges. Viel war die Rede vom industriellen und gesellschaftlichen Wandel, zu dem auch die Metallarbeitgeber in Niedersachsen beigetragen haben. Die Industriebetriebe seien „die heimlichen Revolutionäre unserer Welt“, sagte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger Freitagabend beim Jubiläumsfest von Niedersachsen-Metall. „Und viele von ihnen sind hier in Niedersachsen beheimatet.“

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Das 125-jährige Jubiläum feiert Niedersachsen-Metall in den Herrenhäuser Gärten.

Viele der mehr als 400 Gäste in den Herrenhäuser Gärten dürften sich da geschmeichelt gefühlt haben. Bilden sie doch den Kern der Arbeitgebervereinigung, die bundesweit allerdings eher zu den kleineren in Dulgers Wirkungskreis gehört. Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel hob die Bedeutung der Branche für den Wohlstand Deutschlands hervor. Das Land könne froh darüber sein, nicht den Fehler anderer Nationen gemacht zu haben, die sich von dem Wirtschaftszweig weitgehend verabschiedet hätten. „Denn das sind genau diejenigen, die jetzt verzweifelt um Reindustrialisierung kämpfen“, sagte der Wirtschaftsminister. Vor allem der Mittelstand habe sich nicht beirren lassen. Betriebe mit oft Tausenden Beschäftigten, international aufgestellt, innovativ - und in Familienhand. „Das ist der eigentliche Grund für die Kraft unseres Landes.“

Guter Draht auch zur Landesregierung

Nicht frei von Ironie ist es, dass die Arbeitgeber von Niedersachsen-Metall sich bei ihrem Jubiläumstreffen gestern vor allem Reden von SPD-Politikern anhören mussten: Beide sind auch noch Gewerkschaftsmitglieder – der eine (Stephan Weil) bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, der andere (Sigmar Gabriel) bei der IG Metall. Und doch haben die Metallarbeitgeber recht schnell mit der rot-grünen Landesregierung angebandelt. Ihr Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt ist zwar CDU-Mann und war einst in Christian Wulffs Staatskanzlei. Doch hat er keine Berührungsängste, wenn es darum geht, seine Interessen durchzusetzen. Derzeit treibt die Metaller vor allem die Sorge über die Investitionsschwäche in Niedersachsen um. Schmidt hat deshalb mehrere Initiativen gemeinsam mit dem Land gestartet.

Gut, viele solcher Betriebe sind nicht Mitglied bei Niedersachsen-Metall, aber sei’s drum. Die Gäste aus Wirtschaft und Politik - darunter große Teile der Landesregierung - wird es nicht gestört haben. Sie erfreuten sich an diesem Abend ohnehin eher an den Sanges- und Moderationskünsten von Ina Müller, einer Magier-Show der Ehrlich Brothers und nicht zuletzt dem 15-minütigen Musikfeuerwerk am späten Abend. Die Arbeitgebervereinigung hatte einiges aufgefahren - und im Gartentheater Zelte für die Veranstaltung aufgebaut. Das Schloss Herrenhausen, eigentlich für Tagungen gedacht, nutzten sie nicht.

Gabriel nutzte die Gelegenheit, um bei der Wirtschaft um eine herzliche Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge zu werben, mit deren Unterbringung das Land derzeit zu kämpfen hat. Sie aufzunehmen sei eine Selbstverständlichkeit, betonte Gabriel. Gleichzeitig lägen darin auch Chancen zur Fachkräftesicherung.

Wolfgang Niemsch, Präsident von Niedersachsen-Metall, warb für die Mitgliedschaft im Verband. Der Verbandsbeitrag sei wie eine „Flatrate“, für die den Unternehmen eine Vielzahl von Dienstleistungen geboten werde. Gleichzeitig forderte er flexiblere Tarifabschlüsse. Man dürfe nicht alle Firmen über einen Kamm scheren. „Wer das versucht, riskiert die Flucht aus dem Flächentarifvertrag.“

Eine lange Tradition

Es war im Jahr 1914 – damals streikten Arbeiter für eine Lohnerhöhung um 3 Pfennig und eine Verkürzung der Arbeitszeit von 57 auf 54 Stunden. Man einigte sich auf 56 Stunden. Später stritt man – neben Lohnerhöhungen – etwa über die 35-Stunden-Woche und die Lohnfortzahlung bei Krankheit. In den vergangenen 125 Jahren hat sich der Arbeitgeberverband Niedersachsen-Metall mit der Gewerkschaft viele Auseinandersetzungen geliefert – doch die gute Position der hiesigen Metallindustrie am Weltmarkt zeigt, dass sich die Tarifautonomie bewährt hat.





Der Verband geht zurück auf den „Verein der Metallindustriellen der Provinz Hannover und der angrenzenden Gebiete“, der im Jahr 1890 um den Unternehmer Berthold Körting gegründet wurde. Heute gehören Niedersachsen-Metall etwa 300 Betriebe mit rund 100 000 Beschäftigten an. Die meisten Mitgliedsfirmen sind Mittelständler: Etwa zwei Drittel der Unternehmen beschäftigen weniger als 200 Mitarbeiter.

Die Vereinigung führt nicht nur Tarifverhandlungen mit der IG Metall, sondern bietet ihren Mitgliedern auch Beratung etwa zum Arbeits- und Sozialrecht sowie zur Arbeitsorganisation an. Bundesweit auf sich aufmerksam machte der Verband mit der hiesigen IG Metall im Dezember 1996, als der niedersächsischen Metallindustrie der Durchbruch im Streit über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gelang – die Fortzahlung blieb erhalten.

Wie stark der Vereinigung die Nachwuchsförderung am Herzen liegt, zeigte sich 2007: Damals wurde auf Initiative vor allem von Niedersachsen-Metall die Ideenexpo ins Leben gerufen. Sie soll Jugendliche für Technikberufe begeistern.     

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