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Niedersachsen bangt um seine VW-Millionen

Folgen der Abgas-Affäre Niedersachsen bangt um seine VW-Millionen

In Niedersachsen wächst die Sorge, dass Volkwagen in diesem Jahr auf eine Dividendenausschüttung verzichtet. Käme es zu einem Ausfall der Dividende, wäre auch das Land davon betroffen, das rund 20 Prozent der VW-Aktien hält. Offiziell will sich der Konzern erst Ende April äußern.

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VW-Aktionäre müssen in diesem Jahr womöglich auf eine Dividende verzichten.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Normalerweise ist um diese Zeit bei Volkswagen längst alles geklärt: Prämien für die Mitarbeiter, Boni für die Manager, Dividende für die Aktionäre - der Gewinn des Vorjahres ist Ende März praktisch verteilt. Doch dieses Jahr ist alles anders. Man weiß in Wolfsburg noch gar nicht, was da zu verteilen ist. „Die wissen offenbar selbst nicht genau, wo sie stehen“, heißt es in Aktionärskreisen. Zumindest die Besitzer von VW-Aktien könnten leer ausgehen: Es stehe noch nichts endgültig fest, „aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur ein nicht näher genanntes Aufsichtsratsmitglied.

In Niedersachsen würde dies vor allem die Wissenschaftsförderung durch die Volkswagenstiftung treffen. Denn das Land, das 20 Prozent der VW-Stammaktien besitzt, reicht gut die Hälfte seiner Einnahmen aus VW-Dividenden direkt an die Stiftung weiter. Sie hat ein Anrecht auf den Dividendenwert von 30 Millionen der 59 Millionen Aktien, die Niedersachsen hält - 2015 überwies das Land daher rund 145 Millionen Euro an die Stiftung.

Aus den Zahlungen speist sich das sogenannte Niedersächsische Vorab, mit dem Forschungsprojekte in Niedersachsen vorangetrieben werden. Eine verminderte Dividende würde diesen Topf zusammenschmelzen lassen, sodass in diesem Jahr deutlich weniger Projekte unterstützt werden könnten. Die bereits geförderten Projekte vergangener Jahre wären allerdings nicht betroffen: Diese sind für die gesamte Laufzeit ausfinanziert.

Mitarbeiterprämie

Weil VW für 2015 kaum Gewinn zu verteilen hat, bekommen die Tarifmitarbeiter nicht die vereinbarte Gewinnbeteiligung. Eine „Anerkennungsprämie“ in noch nicht bekannter Höhe soll es aber trotzdem geben. Eine wesentliche Rolle dürfte dabei spielen, dass die Tochter Audi ihren Mitarbeitern 5420 Euro pro Kopf zahlt, bei Porsche sind es sogar 8911 Euro. Außerdem stehen dem Management Boni zu, die sich zum Teil auf frühere, gewinnreiche Jahre beziehen. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte früh klargestellt, dass er vom 
Management Verzicht erwarte, wenn die Belegschaft leer ausgehen sollte. Das wäre nach der Einigung auf die „Anerkennungsprämie“ wohl kein Thema mehr.

Niedersachsens Finanzminister wiederum würde von einem möglichen Dividendenausfall des Autobauers vorerst nicht viel spüren. „Es gäbe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Landeshaushalt“, teilte die Staatskanzlei mit. Vor einem Jahr hatte die landeseigene HanBG, bei der die Aktien liegen, 285 Millionen Euro an VW-Dividende eingestrichen, seit 2010 insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Dass es dafür angesichts der Lasten aus dem Diesel-Skandal nicht wieder reichen würde, war klar. Analysten hatten zuletzt im Schnitt damit gerechnet, dass die Dividende je Aktie von 4,80 Euro auf knapp 1,50 Euro sinken werde. Doch mittlerweile ist auch ein Totalausfall im Gespräch. Ein VW-Sprecher verwies auf die Bilanzpressekonferenz des Konzerns, die nach einer Verschiebung nun am 28. April stattfinden soll. Zwei Wochen davor soll der Aufsichtsrat tagen und den Jahresabschluss genehmigen - spätestens dann muss klar sein, was es zu verteilen gibt.

Ende September, nach einer ersten Rückstellung in Milliardenhöhe für die Folgen des Abgas-Skandals, standen noch gut 3 Milliarden Euro zum Verteilen an die Aktionäre zur Verfügung — nicht einmal halb so viel wie ein Jahr zuvor. Dieser Betrag dürfte aber weiter geschmolzen sein, denn es gibt immer noch keine Klarheit über den Ablauf des US-Rückrufs, und wöchentlich tauchen neue Rechtsrisiken auf.

Es werde jedenfalls keine Dividendenausschüttung geben, die die Substanz des Konzerns schwächen würde, hieß es am Dienstag in Kreisen der Großaktionäre. Klar sei außerdem, dass sich vor allem die Rechtsstreitigkeiten mit ungewissem Ausgang extrem lange hinziehen könnten.

Allerdings gibt es auch einen Grund, mindestens einem Teil der Aktionäre eine Dividende zu zahlen: Die Besitzer der Vorzugsaktien verzichten auf ihr Stimmrecht und bekommen dafür einen höheren Anteil am Gewinn als die Stammaktionäre. Gehen sie aber zwei Jahre hintereinander leer aus, lebt das Stimmrecht ihrer Aktien wieder auf. Dies könnte die Stimmverhältnisse mindestens vorübergehend durcheinanderbringen - vor allem zulasten des 20-Prozent-Aktionärs Niedersachsen. Und angesichts der aktuellen Unwägbarkeiten sei beileibe nicht klar, ob VW im nächsten Jahr einen Gewinn verteilen könne, sagte ein Insider.

Von Stefan Winter und Heiko Randermann

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